Kritik an Biosprit - Afrika füttert Europas Autos
Im Kampf gegen den Klimawandel setzt die EU auf Biosprit. Eine Studie zeigt die Folgen: Landraub, Armut und Konflikte in Afrika. Auch deutsche Firmen bauen in Staaten wie Äthiopien Rohstoffe für den Biosprit an.
Im Kampf gegen den Klimawandel setzt die EU auf Biosprit. Eine Studie zeigt die Folgen: Landraub, Armut und Konflikte in Afrika. Auch deutsche Firmen bauen in Staaten wie Äthiopien Rohstoffe für den Biosprit an.
Der Anbau von Biospritrohstoffen führt zu massivem "Landraub" in Afrika. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Netzwerks Friends of the Earth Europe (FOEE). Mittlerweile werde in Afrika eine Fläche von der Größe Dänemarks für die Biokraftstoffproduktion genutzt. Hauptabnehmer sei Europa. Die Produktion der Biosprit-Rohstoffe konkurriere mit dem Lebensmittelanbau.
Mariann Bassey, Expertin von Friends of the Earth Nigeria, fordert mit Blick auf die Ergebnisse, die ansässige Bevölkerung müsse sich selbst versorgen können, "statt europäische Autos zu füttern." Es brauche mehr Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft.
Der Landwirtschaftsexperte Adrian Bebb (FOEE) folgert: "Um Autos in Europa mit dem vermeintlich ‚grünen‘ Sprit zu tanken, nehmen in den afrikanischen Ländern Hunger und Versorgungsunsicherheit zu." Bebb fordert die EU auf, ihre Biospritpolitik zu ändern. Dazu solle sie zum Beispiel den Beimischungszwang für Biokraftstoffe abschaffen und den Energieverbrauch im Transportsektor senken.
In vielen Ländern Afrikas gab es bereits Proteste gegen die Landnutzung der Biospritbranche aus den Industrieländern. Doch die lokale Bevölkerung habe kaum Möglichkeiten, den Landraub zu verhindern, erklärt FOEE.
Auch deutsche Biosprit-Firmen engagieren sich in Afrika. Die Münchener Acazis AGSo hat laut Informationen von FOEE in Äthiopien 56.000 Hektar gepachtet. Das Land wird hauptsächlich für die Produktion von Biodiesel-Rohstoffen genutzt. Für weitere 200.000 Hektar Land hält das Unternehmen Konzessionen.
In Deutschland ist der Biokraftstoff-Anteil zwischen 2003 und 2009 von 1,2 auf 5,5 Prozent gestiegen. In der EU lag er 2008 bei 3,4 Prozent.
Hintergrund
Die EU hat 2008 als Teil ihres Klimapakets beschlossen, den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr bis 2020 auf zehn Prozent zu steigern. Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Wege – Elektromobiliät auf Basis von Ökostrom und die Nutzung von Biodiesel, Ethanol und Pflanzenöl.
Die Biokraftstoffproduktion gerät immer wieder in die Kritik. Im Fokus stehen neben dem Vorwurf der Lebensmittelkonkurrenz vor allem die Anbaubedingungen des alternativen Treibstoffs. Die Ausbreitung der Biospritplantagen wandele die natürliche Vegetation in Monokulturen um, Regenwälder würden abgeholzt und Torfböden trockengelegt, so Greenpeace. Neben Afrika ist vor allem Südamerika von dieser Entwicklung betroffen.
Die EU stellte vor Kurzem ihre Pläne vor, ein Öko-Siegel einzuführen. Es soll Kraftstoffen verliehen werden, die in nachhaltiger Produktion entstehen.
hme
EURACTIV: EU-Kommission: Öko-Siegel für Biosprit (10. Juni 2010)
EURACTIV: Biosprit-Debatte – EU-Kommission wehrt sich (13. April 2010)
EURACTIV: Diskussion um EU-Ziele für Biosprit (12. April 2010)
Links
FOEE: Studie zum Landraub
FOEE: Landkarte zum Landraub in Afrika durch Agrosprit-Firmen