Kunstszene fördert regionales Wachstum in Westirland [DE]
Im ersten Beitrag unserer Reihe ‚Projekt des Monats’ über die regionalen Erfolge der EU-27 wirft EURACTIV einen Blick auf Leitrim Design House, das mit Unterstützung der EU-Kohäsionspolitik dabei ist, im Westen Irlands eine nachhaltige Kunsthandwerksszene zu schaffen.
Im ersten Beitrag unserer Reihe ‚Projekt des Monats’ über die regionalen Erfolge der EU-27 wirft EURACTIV einen Blick auf Leitrim Design House, das mit Unterstützung der EU-Kohäsionspolitik dabei ist, im Westen Irlands eine nachhaltige Kunsthandwerksszene zu schaffen.
Gelegen in einem historischen Gebäude in Carrick-on-Shannon, einer Kleinstadt im Westen von Irland, ist das Leitrim Design House zu einer beliebten Touristenattraktion geworden. Angeboten werden Töpfereiwaren, Kunstgegenstände, Keramiken, Fotografien und anderes Kunsthandwerk.
Das Unternehmen versteht sich selbst als mehr denn bloß ein Kunsthandwerksladen. Es hat sich selbst ehrgeizige Ziele gesetzt. Es will positiven sozialen, ökonomischen und ökologischen Wertzuwachs für die Gemeinschaft erreichen. Diese nachhaltige Entwicklung soll mit Hilfe einer Reihe von Trainingsprogrammen und Netzwerkangeboten zustande kommen.
Das Leitrim Design House ist nach eigenen Angaben eine Non-Profit-Organisation. Als gemeinnützige Einrichtung unterstützt es die Entwicklung von Designern, Herstellern, Künstlern und Kreativen der Region Leitrim, Irlands dünnstbesiedelte Gegend.
Schon 1996 haben Entwicklungsstrategen aufgezeigt, dass der Reichtum von Kulturunternehmen in dieser Region das Potenzial zu einem dynamischen und produktiven Sektor hat.
Die lokalen Behörden haben erkannt, dass die Entwicklung dieses Sektors ein umfangreiches Rahmenkonzept braucht. Um das Potenzial umzusetzen, waren und sind Förderungen und Richtlinien nötig. Daher entwickelte die Leitrim County Enterprise Board (LCEB) eine Strategie-Initiative und arbeitete dabei mit Experten des lokalen Kunsthandwerkssektors zusammen. Das führte zur Entstehung einer Gruppe von Erzeugern mit einem konzentrierten Portfolio an Werken, die unter der Marke Visual Leitrim vermarktet werden. Im September 2000 schufen die Mitglieder der Gruppe die Leitrim Design House Ltd (LDH), um ihr Marketing besser umsetzen zu können. Sie eröffneten einen neuen Ausstellungsraum und eine Galerie für die lokalen Künstler und Kunsthandwerker.
Heute sieht sich die LDH selbst als einer der fortschrittlichsten Kunst-, Design- und Kunsthandwerks-Cluster Irlands. Es ist ein gutes Beispiel, wie aus den Fertigkeiten der örtlichen Bevölkerung ein
funktions- und lebensfähiges Unternehmen entstehen kann.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Im Gespräch mit EURACTIV erläutert LDH-Managerin Geraldine Gray, „dass wir einen Direktor für die Entwicklung des Kunsthandwerks angestellt haben, was uns durch die Mittel des Kohäsionsfonds möglich war. Erst dadurch konnten wir die Mehrzahl unserer Projekte ausführen.“
LDH erhielt zunächst EU-Kohäsionsmittel über den PEACE-Fonds, ein spezielles Programm, das auf eine Regionalpolitik zur Verbesserung der territorialen Zusammenarbeit abzielt.
Gray sagte, der Schwerpunkt des Fonds lag in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. „Dadurch konnten wir viel mit den Kunsthandwerkern in Nordirland zusammenarbeiten, was wiederum eine Menge an Verbindungen zu unseren eigenen Herstellern bewirkt hat. Denn sie konnten ihre Erzeugnisse in Outlets im Norden bringen und umgekehrt.“
„Viele Schulungen der vergangenen Jahre wäre ohne die EU-Mittel nicht möglich gewesen“, betont Gray. Diese Programme zur Entwicklung neuer Produkte und zur Geschäftsausweitung führten demnach zu einer Vervielfachung des Talente-Pools in der gesamten Region.
Kreativsektor belebt Wirtschaftswachstum
Die Förderung des Kreativsektors einer Region kann zudem das Wachstum auch in anderen Bereichen fördern. Das findet Gerry Finn, Direktor der grenznahen Border Midlands and Western (BMW) Region in Irland.
Gegenüber EURACTIV schildert Finn, wie die Entwicklung des künstlerischen und kreativen Sektors mit der Förderung von Industrie und Unternehmertum Hand in Hand gehe. Dies sei einer der Schlüssel zu realem und nachhaltigem Wachstum in EU-Regionen.
„Wenn man sich in der Welt umsieht“, so Finn, „erkennt man, wie oft in Regionen mit starker Kunstproduktion auch andere Industrien florieren.
Denn ein aktiver Kreativsektor führt automatisch zu kreativem Denken, zu mehr Design und Innovation und zu höherem Bewusstsein für Lebensqualität.“
All dies sei wichtig, wenn man ein modernes und lebendiges Gemeinwesen schaffen möchte. Aus ökonomischer und touristischer Sicht bedeute ein blühender Kunst- und Kultursektor immer auch den positiven Trend anderer Sektoren.
Reformierte Kohäsionspolitik sollte Aufmerksamkeit auf Nachhaltigkeit richten
Auch wenn Gray und Finn die Rolle des Kohäsionsfonds in ihrer Region positiv sehen, halten sie dennoch Änderungen in der EU-Regionalpolitik für nötig, wenn die EU-Regionalpolitik ihr ganzes Potenzial erreichen soll. Finn hat detailliert die Reformvorschläge des Barca-Berichts (EURACTIV vom 7. Mai 2009) sowie den Entwurf des EU-2020-Dokuments studiert (EURACTIV vom 19. November 2009) und meint, dass die Art und Weise, mit der die EU ihre Förderprogramme verwaltet, vereinfacht werden müsse.
Die Verfahren seien sehr kompliziert, findet Finn. Das könne zu hohen Fehlerquoten führen. „Das ist etwas, worauf auch der EU-Rechnungshof immer wieder hingewiesen hat.“
Geraldine Gray findet indessen, dass die EU ihren Schwerpunkt mehr auf nachhaltige Projekte legen müsse. Ihrer Erfahrung nach sei dies momentan nicht der Fall: „Ich glaube, dass viele Projekte nur eine kurze Lebensdauer haben – wenn die Förderung abklingt, kommt das Projekt zum Stillstand.“
Die LDH-Managerin findet, dass zu viele Projekte nur deshalb entstünden, weil es EU-Gelder gebe. Die LDH dagegen habe die Fördermittel zur Entwicklung des eigenen Potenzials verwendet, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass man auch über das Ende der Förderung hinaus Bestand haben wolle.
„Die Förderung hilft uns zweifellos, aber wir verwenden sie, um ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen. Ich glaube, mit diesem Ansatz sind wir eher ungewöhnlich.“