Letzte FCAS-Vermittlungsversuche zwischen Deutschland und Frankreich scheitern
Die Tatsache, dass zwei widersprüchliche Berichte vorliegen, macht deutlich, wie weit die Standpunkte der beiden Seiten auseinanderliegen. Bundeskanzler Merz soll angeblich bis Dienstag entscheiden, ob das Programm fortgesetzt wird.
Ein letzter Versuch, einen Kompromiss zwischen Deutschland und Frankreich in der Frage des Future Combat Air System (FCAS) zu vermitteln, ist laut deutschen Medienberichten gescheitert.
Das 100-Milliarden-Euro-Projekt zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation und des dazugehörigen Kampfsystems steckt seit über einem Jahr in der Sackgasse, da die Interessen Berlins und Paris’ zunehmend auseinandergehen.
Dem Vermittlerduo, das mit der Auflösung der Pattsituation beauftragt war, gelang es nicht, eine gemeinsame Position zu finden. Stattdessen sollen sie separate Berichte erstellen, in denen sie ihre jeweiligen Schlussfolgerungen darlegen, berichtete das Handelsblatt am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Nachdem politische Bemühungen auf Ministerebene gescheitert waren, wandten sich beide Regierungen an Schwergewichte der Industrie, um den Streit zwischen dem deutschen Hauptauftragnehmer des Projekts, Airbus Defence, und dem französischen Pendant, Dassault Aviation, beizulegen.
Vermittler werden versuchen, den Streit um das FCAS-Kampfflugzeug bis Mitte April beizulegen
Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen wurde eine neue Frist für die Beilegung des deutsch-französischen Streits…
2 Minuten
Berlin wählte den Chef der Rüstungsindustrie, Frank Haun, während Paris Laurent Collet-Billon, den ehemaligen Leiter der französischen Beschaffungsagentur DGA, entsandte. Beide brachten binationale Expertise mit: Haun war maßgeblich an der Gründung des deutsch-französischen Panzerherstellers KNDS beteiligt, und Collet-Billon hatte den Weg für das einst strauchelnde Militärtransportflugzeug 400M geebnet.
Die Positionen beider Seiten liegen weiterhin auseinander
Doch selbst diese deutsch-französischen Referenzen reichten nicht aus. Die Existenz zweier konkurrierender Berichte unterstreicht, wie weit die Positionen beider Seiten weiterhin auseinanderliegen. Auf die Frage von Euractiv am Freitag, wie der Vermittlungsprozess voranschreite, antworteten Airbus Defence und Dassault fast identisch mit „kein Kommentar“.
Bundeskanzler Friedrich Merz soll angeblich bis Dienstag entscheiden, ob das Programm rund um einen zukünftigen Kampfflugzeug, begleitet von autonomen Drohnen und einer Combat Cloud, fortgesetzt wird. Er wird am Donnerstag den französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei einem informellen EU-Gipfel auf Zypern treffen.
Während sich beide nationale Industrien über unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten in der Führung beklagen, gehen die Vorstellungen Berlins und Paris’ hinsichtlich der idealen Fähigkeiten des zukünftigen Kampfflugzeugs zunehmend auseinander.
Bayern unterstützt Airbus bei der FCAS-Lösung für zwei Kampfflugzeuge
Die bayerische Landesregierung hat sich für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie ausgesprochen, die als Lösung…
2 Minuten
Der deutsche Politiker Merz erklärte kürzlich, sein Land habe in dieser Frage andere Anforderungen als Frankreich, das einen Jet benötige, der Atomwaffen transportieren und auf einem Flugzeugträger landen könne. Die deutsche Luftwaffe hingegen wünsche sich, dass der Kampfflugzeug mehr Wert auf die Reichweite lege.
Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, zwei separate Flugzeuge zu entwickeln und die übrigen Elemente des Projekts gemeinsam mit dem dritten Partner, Spanien, weiterzuentwickeln.
(mm)