Litauen: Euro-Beitritt gegen Russlands Muskelspiele
Litauen ist seit Anfang Januar Mitglied der Euro-Zone. Von der Einführung der Gemeinschaftswährung erhofft sich die Ex-Sowjetrepublik neben wirtschaftlichen Vorteilen eine noch stärkere Verankerung in Europa. Denn Russland zeigt zunehmend militärische Stärke in der Region.
Litauen ist seit Anfang Januar Mitglied der Euro-Zone. Von der Einführung der Gemeinschaftswährung erhofft sich die Ex-Sowjetrepublik neben wirtschaftlichen Vorteilen eine noch stärkere Verankerung in Europa. Denn Russland zeigt zunehmend militärische Stärke in der Region.
Litauen erklärte als erste Sowjetrepublik 1990 seine Unabhängigkeit. Gleichzeitig ist es der letzte der drei baltischen Staaten, der der Währungsunion beitritt. Es wird auf absehbare Zeit auch das letzte Land sein. Zumindest in den kommenden beiden Jahren werden sich keine weiteren Mitgliedsstaaten der Euro-Zone anschließen.
„Ich selbst, und ich denke, viele von Ihnen sind traurig, dass der Litas (die litauische Währung), der uns mehr als zwei Jahrzehnte gute Dienste geleistet hat, Geschichte ist, aber wir müssen nach vorne schauen“, sagte der litauische Finanzminister Rimantas Sadzius bei der Feier zur Euroeinführung.
Die Einführung der neuen Währung spaltet die Bevölkerung. Umfragen zufolge hält die Hälfte der drei Millionen Einwohner die Abschaffung des Litas für keine gute Idee.
Der Euro werde „ein Garant für die wirtschaftliche und die politische Sicherheit werden“, so der litauische Ministerpräsident Algirdas Butkevicius. Er hob als Erster zehn Euro von einem Bankautomaten ab.
Die litauische Regierung erhofft sich von der Euro-Einführung eine Handelsaufschwung und niedrigere Fremdkapitalkosten. Das soll Litauen bei der wirtschaftlichen Erholung helfen. 2009 brach die Wirtschaft als Folge der weltweiten Finanzkrise um 15 Prozent ein.
Doch auch aus anderen Gründen ist der Beitritt zur Euro-Zone für das kleine Land wichtig. Der Zentralbank-Chef Vitas Vasiliauskas betont die „geopolitische“ Bedeutung der Euro-Einführung. Dadurch wird die ehemalige Sowjetrepublik noch stärker im Westeuropa verankert.
Für Vasiliauskas ist das in Anbetracht der Spannungen in der Region einer der Vorteile des Euro-Beitritts. „Man lebt, wo man lebt. Das muss man im Hinterkopf behalten“, sagte er.
Russlands Annexion der Krim und seine Rolle in der Ukraine-Krise schürte die Angst in den baltischen Staaten, in denen große russische Minderheiten leben, dass sie als nächstes an der Reihe sein könnten.
Die NATO flog 2014 mehr als 150 Einsätze als Antwort auf russische Einsätze – dreimal so viele wie noch 2013. Im Dezember hielt Russland überraschend Militärübungen mit 9.000 Soldaten und 55 Schiffen in seiner Enklave Kaliningrad ab, die an Litauen grenzt.
Trotz der zunehmenden politischen Spannungen liegt Litauens Kreditwürdigkeit im Bereich „Investment Grade“. Die Ratingagentur Fitch erwartet für Litauen in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Sollte dies eintreffen, würde die litauische Wirtschaft dreimal schneller als die der Euro-Zone insgesamt wachsen.
Dennoch sind die Litauer einer Eurobarometer-Umfrage zufolge skeptisch. Demnach befürchten zwei Drittel der Bevölkerung den Verlust eines Teils ihrer Identität. Drei Viertel der litauischen Bevölkerung erwarten durch die Einführung des Euro einen Preisanstieg.