Mazedonien will “Vardar” zum Namen hinzufügen

Berichten zufolge ist Mazedonien nahe dran, eine Formel zu finden, um den lang anhaltenden Namensstreit mit Griechenland beiseite zu legen, der die ehemalige jugoslawische Republik bisher daran gehindert hat, EU-Beitrittsgespräche aufzunehmen und der NATO beizutreten.

Nikola Gruevski
Nikola Gruevski [<a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2f/Gruevski.jpg" target="_blank" rel="noopener">[Wikimedia]</a>]

Berichten zufolge ist Mazedonien nahe dran, eine Formel zu finden, um den lang anhaltenden Namensstreit mit Griechenland beiseite zu legen, der die ehemalige jugoslawische Republik bisher daran gehindert hat, EU-Beitrittsgespräche aufzunehmen und der NATO beizutreten.

Der Name “Republik Mazedonien von Vardar” könnte die Wunderlösung sein, um den lang anhaltenden Streit beiseite zu legen, berichtete die griechische Presse. Dieser Name erfüllt die Bedingungen von Athen, dass Mazedonien, das entlang einer Grenze einer griechischen Region mit demselben Namen liegt, einen Namen mit einer geographischen Konnotation annehmen sollte (siehe Background).

Vardar könnte für manche, denen die Region unbekannt ist, bizarr klingen. Doch tatsächlich ist Mazedonien eine weitflächige geographische Region, die sich über drei Staaten erstreckt und seit Jahrzehnten Pirin Mazedonien in Bulgarien, Aegean Mazedonien in Griechenland und Vardar Mazedonien im Gebiet der ehemaligen jugoslawischen Republik heißt.

Vardar ist der Name des längsten Flusses in der aktuellen Republik Mazedonien. Sein Becken deckt zwei Drittel des Landes ab. Es ist außerdem der Name einer Fußballmannschaft und eines populären Lieds, „Oj, Vardare“.

Dennoch bleibt zu sehen, ob Skopje zustimmen wird, den namen erga omnes – also in den „Beziehungen mit allen“ zu benutzen. Bisher hat Skopje darauf bestanden, dass der Name Mazedonien „für die interne Nutzung“ beibehalten werden sollte und dass Staaten, die Mazedonien mit seinem rechtsstaatlichen Namen anerkannt haben, diesen weiterhin benutzen werden.

Es bleibt außerdem unklar, ob mazedonische Bürger in Zukunft als „Mazedonier“ oder „Mazedonier von Vardar“ bezeichnet werden sollten. Eine „zweifache Nutzung“ würde verhindern, dass Skopje seine Verfassung und alle nationalen Dokumente, darunter auch Pässe, ändern müsste. Griechenland erkennt mazedonische Pässe nicht an und gab bis kürzlich Visa an mazedonische Staatsangehörige auf einem separaten Blatt Papier aus.

Westlicher Druck hatte Mazedonien gezwungen, nach einem ethnischen Konflikt 2001 und der Unterzeichnung des so genannten „Ohrid“ Rahmenabkommens bereits einmal Änderungen an der Verfassung vorzunehmen. Zuvor, Mitte der 1990er Jahre, war Mazedonien gezwungen gewesen, die Vergina Sonne von seiner Flagge zu entfernen und alle vermeintlich irredentistischen Klauseln aus seiner Verfassung zu löschen.

Eine letztendliche Änderung der Verfassung wird vermutlich durch ein Referendum entschieden werden. Premierminister Nikola Gruevski ist gegen solche Änderungen und wird vermutlich eine Kampagne dagegen anführen.

Wahl „zwischen zwei Übeln“

„Gruevski wählt zwischen zwei Übeln“, ist die Überschrift des Leitartikels der Skopjer Tageszeitung Nova Makedonia. Diplomatischen Quellen zufolge hatte Skopje die Wahl zwischen der Republik Mazedonien von Vardar (Republika Vardarska Makedonija) und der Republik Mazedonien (Vardar). Beide Möglichkeiten wurden von mazedonischen Diplomaten als schwer verdaulich beschrieben, doch die zweite Option wurde leicht bevorzugt.

Westliche diplomatische Quellen teilten der griechischen Tageszeitung Kathimerini mit, dass es erkennbare Fortschritte in den Verhandlungen gegeben hatte, seit der griechische Premierminister George Papandreou direkte Gespräche mit seinem Skopjer Gegenpart Nikola Gruevski geführt hat – anstatt die Gespräche weiter auf einem niedrigeren diplomatischen Niveau zu führen.

Gruevski und Papandreou haben seit letztem November diskret Treffen abgehalten, um einen Weg aus der Sackgasse zu finden (EURACTIV 25.11.09).

Der spezielle Mediator der Vereinten Nationen Matthew Nimetz, ein US-Diplomat, hat seit Februar mit beiden Seiten keine direkten Gespräche geführt, doch sein Büro besteht darauf, dass er weiterhin engagiert ist, eine Lösung zu finden, schreibt Kathimerini weiter.

Der Botschafter Nimetz stehe in regelmäßigem Kontakt mit beiden Parteien, doch er werde nicht auf spezifische Fragen zu substanziellen Diskussionen antworten, so UN-Vizesprecher Ari Gaitani in einer Mitteilung der letzten Woche.