Mehrtägige Terrorwarnung hält Wien in Atem

Die Warnungen der Sicherheitsbehörden vor Anschlägen auf Einrichtungen mit syrischem Hintergrund haben die Wienerinnen und Wiener mehrere Tage lang in Atem gehalten. Obwohl die Bedrohung vorüber zu sein scheint, zeigen sich Experten unzufrieden mit der Kommunikationsstrategie der Polizei.

Euractiv.de
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Am frühen Mittwoch warnte die Polizei vor einem "erhöhten Aufgebot an Polizeikräften mit Spezialausrüstung" und verwies auf eine "nicht näher spezifizierte Anschlagsdrohung gegen Kirchen." Wien werde nun von Exekutivkräften in Spezialausrüstung patrouilliert, die stichprobenartig Passanten durchsuchen. [Shutterstock/Mino Surkala]

Warnungen der Sicherheitsbehörden vor Anschlägen auf Einrichtungen mit syrischem Hintergrund haben die Wiener mehrere Tage lang in Atem gehalten. Die Bedrohung scheint gebannt, Experten kritisieren aber die Polizei.

Im Jahr 2020 wurde Wien Opfer eines Terroranschlags, als ein Bewaffneter im Stadtzentrum wild um sich schoss. Es gab 23 Verletzte, aber keine Toten. Eine Warnung der Wiener Polizei rief in den vergangenen Tagen erinnerte die Bevölkerung an den Anschlag wenige Stunden vor dem COVID-19 Lockdown.

Am frühen Mittwoch warnte die Polizei vor einem „erhöhten Aufgebot an Polizeikräften mit Spezialausrüstung“ und verwies auf eine „nicht näher spezifizierte Anschlagsdrohung gegen Kirchen.“ Wien werde nun von Exekutivkräften in Spezialausrüstung patrouilliert, die stichprobenartig Passanten durchsuchen.

Später informierte die Wiener Polizei die verängstigte Bevölkerung Wiens konkreter.

„Eine neue Lagebeurteilung unserer Nachrichtendienste kam zu dem Ergebnis, dass vor allem syrische Objekte und Organisationen von der Bedrohung betroffen sind“, twitterte die Polizei und fügte hinzu, dass dies auf den „Jahrestag des Beginns des syrischen Bürgerkriegs“ zurückzuführen sei.

Erst am späten Donnerstagabend wurde die Warnung wieder zurückgenommen. „Unsere verstärkten Sicherheitsmaßnahmen können schrittweise reduziert werden“, teilte die Polizei unter Berufung auf eine Einschätzung der Sicherheitsdienste mit.

Der mehrtägige Vorfall hat inzwischen Kritik geerntet.

„Leute in Panik zu versetzen, ohne dass damit irgendeine Aufforderung verbunden ist, ergibt keinen Sinn“, twitterte der Sicherheitsexperte Peter R. Neumann.

Nicolas Stockhammer, Experte der Universität Krems, schloss sich dieser Meinung an und begrüßte, dass die Polizei die Bevölkerung informiert hat.

Doch „wenn die Information über einen Polizeieinsatz unpräzise und diffus bleibt, überlässt man die Deutungshoheit anderen Stellen“, sagte er dem Standard, und warnte davor, dass Gerüchte überhandnehmen könnten.

Die Gottesdienste fanden am Mittwoch wie üblich statt, da keine Kirchen geschlossen worden waren. Zwei Tage in Folge wurden die Wienerinnen und Wiener allerdings mit dem Anblick schwer gepanzerter Polizeieinheiten konfrontiert, die sich durch die Stadt bewegten.