Methanreduktion in der Nutztierhaltung steht vor Bewährungsprobe
Während es bereits einige Möglichkeiten zur Verringerung der Methanemissionen aus der Tierhaltung gibt, steht das EU-Parlament nun vor der Herausforderung, einen politischen Rahmen für die Einführung dieser Instrumente und Techniken in der Landwirtschaft zu schaffen.
Während es bereits einige Möglichkeiten zur Verringerung der Methanemissionen aus der Tierhaltung gibt, steht das EU-Parlament nun vor der Herausforderung, einen politischen Rahmen für die Einführung dieser Instrumente und Techniken in der Landwirtschaft zu schaffen.
Methan ist ein Treibhausgas, das zwar kurzlebig ist, aber mehr Wärme speichern kann als Kohlendioxid – 84 Mal mehr Wärme über 20 Jahre.
Die sogenannte enterische Fermentation – die gasförmigen Emissionen von Wiederkäuern wie Milch – und Fleischrindern – gilt als die bedeutendste Quelle von Methan im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten.
Der Tierhaltungssektor sei für 53 Prozent der Methanemissionen in Europa verantwortlich, erklärte Nusa Urbancic, Kampagnenleiterin der Stiftung Changing Markets, kürzlich auf einer EURACTIV-Veranstaltung.
„Wenn man es aus einer sehr konservativen Perspektive betrachtet, sind das etwa 50 Kohlekraftwerke. Aber wenn man es auf einer 20-Jahres-Basis betrachtet – was wir laut IPCC tun sollten – werden es 160 Kohlekraftwerke“, fügte sie hinzu.
Aus Sicht von Sifra Bol, Projektmanagerin an der Universität Wageningen, kann die Reduktion der Methanemissionen auf verschiedene Weise erreicht werden.
„Die Herausforderung besteht nicht darin, Techniken zu finden, die funktionieren, denn die gibt es schon. Das Hauptproblem besteht darin, wie wir sie umsetzen und wie wir die Landwirt:innen dazu bringen können, diese Techniken anzuwenden“, fügt sie hinzu.
Letztes Jahr hatte eine Koalition von Staaten auf der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow die erste globale Verpflichtung unterzeichnet, die Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent unter das Niveau von 2020 zu senken.
Die Initiative wurde von den USA und der EU angeführt, die 103 weitere Länder zusammenbrachten, die zusammen 46 Prozent der weltweiten Methanemissionen verursachen und 70 Prozent der Weltwirtschaft repräsentieren. Darunter befanden sich mehrere Länder mit hohem Viehbestand wie Brasilien, Kanada, Argentinien und Neuseeland.
Die globale Verpflichtung konzentriert sich auch auf technische Maßnahmen wie Futtermittelzusätze, die nach Angaben der UN die Emissionen in diesem Sektor bis 2030 um 20 Prozent pro Jahr senken können.
GAP und andere Bemühungen
Abgesehen von der COP26-Zusage wurden auf EU-Ebene einige politische Anstrengungen unternommen, um die Treibhausgas- und insbesondere die Methanemissionen zu verringern.
Im Jahr 2021 verabschiedete das EU-Parlament das Klimagesetz, das einen Weg zur Klimaneutralität bis 2050 vorgibt und vorsieht, dass die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent reduzieren muss.
„Es ist noch kein Gesetz, das in Kraft ist“, kommentierte Lukas Visek, Mitglied des Kabinetts von Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans. „Aber ich glaube fest daran, dass es relativ bald in Kraft treten wird“, fuhr er fort.
Er erwähnte auch zwei andere wichtige Politikrahmen, über die Treibhausgasemissionen in der Tierhaltung reduziert werden können.
Der eine ist die Richtlinie über Industrieemissionen, deren Reform kürzlich von der EU-Exekutive vorgelegt wurde, und der zweite ist die „Farm to Fork“-Strategie, das Lebensmittelkapitel des europäischen Green Deal, das „den Weg zur Nachhaltigkeit der Lebensmittelsysteme in der EU vorgibt.“
Auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) kann eine wichtige Rolle spielen. Laut Visek können viele Maßnahmen zur Verringerung der Methanemissionen, wie die Verwendung von Futtermittelzusätzen, ein besseres Güllemanagement und Biogas, durch das EU-Programm zur Förderung der Landwirtschaft unterstützt werden.
Die Mitgliedstaaten verhandeln derzeit mit der Kommission über die Annahme ihrer nationalen Strategiepläne, in denen sie darlegen werden, wie sie die neun EU-weiten Ziele der GAP-Reform erreichen wollen.
„Verstehen Sie mich nicht falsch: Dies ist kein Patentrezept, es gibt kein einzelnes Instrument, das wir einsetzen sollten. Aber die GAP ist da, und wenn Ihnen jemand sagt, dass sie nicht angetastet werden kann, dann liegt er falsch“, warnte Visek.
Fleischkonsum – ein Rätsel
Eine weitere oft genannte Option zur Methanreduzierung ist die Verringerung des Konsums von rotem Fleisch.
„Brüssel hat jedoch nicht die Aufgabe, den Menschen vorzuschreiben, was sie essen oder nicht essen sollen“, betonte Visek. Außerdem sei die Reduzierung des Fleischkonsums ein sensibles Thema.
Nach Ansicht des Kommissionsvertreters kann die EU die Menschen lediglich darüber informieren, „welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf den Planeten, das Klima und auch auf ihre Brieftaschen haben.“
Diesen Ansatz kritisierte jedoch die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus, die sagte, die EU sollte sich nicht auf freiwillige Maßnahmen verlassen, um bestimmte Effekte zu erzielen.
So würden sich 40 bis 50 Prozent der Menschen für Bio-Lebensmittel entscheiden, wenn man sie danach fragen würde, betonte Paulus. „Aber wenn man sich die tatsächlichen Zahlen ansieht, wie viel Bio-Lebensmittel im Supermarkt gekauft oder in Restaurants bestellt werden, nimmt diese Zahl ab“, fügte sie hinzu.
Auch Urbancic von Changing Markets sagte, dass die EU Gefahr laufe, bei der Innovation im Bereich der nachhaltigen Lebensmittelsysteme ins Hintertreffen zu geraten, wenn sie nicht mehr Führungsstärke zeige und einen gerechten Übergang zu einem nachhaltigeren Produktionssystem unterstütze.
Ihrer Meinung nach sollten Empfehlungen für eine gesunde Ernährung den Löwenanteil der diesbezüglichen Bemühungen auf EU-Ebene ausmachen und 15 bis 19 Prozent der Methanreduktion bis 2030 bewirken.
Als weitere mögliche Maßnahmen nannte sie Biogas und ein besseres Düngemanagement, die zu einer Methanreduzierung von vier bis sieben Prozent führen würden, während Futtermittelzusätze und eine gezielte Zucht die Methanemissionen schätzungsweise um ein bis zwölf Prozent senken könnten.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]