Moldawischer Präsident für Umbenennung der Landessprache [DE]

Der amtierende Präsident Moldawiens drängt auf eine Umbenennung der Nationalsprache seines Landes von Moldawisch in Rumänisch und riskiert damit den Beginn einer schädigenden Auseinandersetzung.

Der amtierende Präsident Moldawiens drängt auf eine Umbenennung der Nationalsprache seines Landes von Moldawisch in Rumänisch und riskiert damit den Beginn einer schädigenden Auseinandersetzung.

In der ehemaligen sowjetischen Republik, die seit 1991 ein unabhängiger Staat ist, wird eine Sprache gesprochen, die mit der in Rumänien gesprochenen Sprache praktisch identisch ist. Ein Großteil des Gebiets gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg dem größeren Nachbarn an.

Doch Moldawisch ist als Name der Amtssprache in der Verfassung festgeschrieben, vor allem um die Eigenstaatlichkeit zu betonen und den Unterschied zwischen Moldawien und Rumänien zu unterstreichen. Mit dem EU-Mitgliedstaat hat Moldawien im Lauf der Jahre holprige Beziehungen gehabt.

In einem Gespräch mit dem Fernsehsender ProTV-Chisinau sagte Mihai Ghimpu, amtierender Präsident einer westlich gerichteten Vierparteien-Koalition namens Allianz für Europäische Integration, eine neu entworfene Verfassung werde die Sprache in Rumänisch umbenennen.

„Wir müssen tapfer sein und unsere Übereinstimmung [mit Rumänen] und mit der Sprache, die wir sprechen, ganz klar anerkennen. Ich kann nicht länger mit einer dermaßen veralteten Politik – einer stalinistischen und falschen Politik – leben“, sagte Ghimpu, Vorsitzender der konservativen Liberalen Partei in der Koalition.

Doch einer seiner wichtigsten Koalitionspartner, Marian Lupu, widersprach. Reuters gegenüber sagte er, kein Mitglied der regierenden Allianz habe Ghimpu das Recht gegeben, über eine Änderung der Verfassungsartikel zum Namen der Staatssprache zu sprechen.

Eine Volksabstimmung sei die beste Möglichkeit, die Sprachfrage zu klären.

Moldawien, das ärmste Land Europas, befindet sich in einer Phase großer politischer Unsicherheit, nachdem die mächtigen Kommunisten Anfang Dezember die Pläne der Koalition torpediert hatten, nach denen das Parlament Lupu zum Staatspräsidenten wählen sollte.

Die Kommunisten, die sich bei der Wahl letzten Juli nach acht Jahren an der Macht der Allianz geschlagen geben mussten, hoffen anscheinend auf einen Rückkehr an die Macht, sollte Ghimpu vorgezogene Neuwahlen später im Jahr beschließen.

Ghimpu gilt als leidenschaftlicher Antikommunist. Gegenüber Reuters sagte er, eine Verfassungsänderung liefere einen Weg aus der Pattsituation. Sie werde bis zum 16. Juni in einer Volksbefragung bestätigt werden müssen.

„Wenn sie vom Volk nicht unterstützt wird, bin ich dazu verpflichtet, das Parlament aufzulösen. Aber ich bin sicher, dass wir die Unterstützung unserer Bürger erhalten werden“, sagte er.

Zur Sprachfrage sagte er: „Die Rumänen sind unsere Nachbarn und Brüder. Wir haben eine unterschiedliche Heimat, aber wir sind Brüder, und ich bin nicht glücklich, wenn sich Brüder streiten.“ Er bezog sich damit auf eine Phase angespannter Beziehungen zu Bukarest während der Amtszeit des kommunistischen ehemaligen Präsidenten Vladimir Voronin.

Während dessen Amtszeit hatten moldawische Aufstände gegen die Regierung im April letzten Jahres einen langjährigen diplomatischen Streit mit Rumänien wieder aufflammen lassen. Moldawien beschuldigte Rumänien daraufhin, die Gewalt anzufachen, verwies den rumänischen Botschafter des Landes und sperrte Grenzübergänge.

Bukarest unterstützt Moldawien jedoch weiterhin in seinen Bestrebungen um engere Beziehungen zur Europäischen Union und bei seinem Bemühen um einen möglichen EU-Beitritt in ferner Zukunft.

(EURACTIV mit Reuters.)