Netzbetreiber schließen 100 Prozent Elekrizität-Szenario für Europa aus
Europas Energieversorgungssystem kann sich nicht allein auf erneuerbare Energien stützen und wird daher auf andere Energieträger wie Wasserstoff zurückgreifen müssen, so Beamte, die an der Planung der zukünftigen europäischen Netzinfrastruktur beteiligt sind.
Europas Energieversorgungssystem kann sich nicht allein auf erneuerbare Energien stützen und wird daher auf andere Energieträger wie Wasserstoff zurückgreifen müssen, so Beamte, die an der Planung der zukünftigen europäischen Netzinfrastruktur beteiligt sind.
Das Erreichen der europäischen Klimaziele „ist nur in einem gut integrierten Energiesystem möglich“, so Alan Croes, ein für die Erstellung von Szenarien zuständiger Beamter bei ENTSO-E, dem europäischen Netzwerk der Übertragungsnetzbetreiber für Elektrizität.
„Es wird nicht ausschließlich über Elektrizität gehen“, sagte Croes auf einer Online-Veranstaltung von EURACTIV Anfang des Monats.
Stattdessen brauchen wir eine „einheitliche Perspektive für das Energiesystem“, die verschiedene Sektoren miteinander verbindet und „die Synergien zwischen Strom, Gas und Wasserstoff“ sowie den energieintensiven Sektoren wie Verkehr und Industrie nutzt, sagte er.
Laut EU-Statistiken macht Strom derzeit weniger als 25 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Europa aus, wobei davon nur ein Drittel aus erneuerbaren Energien stammt.
Dennoch wird erwartet, dass der Anteil erneuerbarer und kohlenstoffarmer Energien im Laufe der Jahre zunehmen und bis 2050 dominieren wird. Laut den langfristigen Energieszenarien der Europäischen Kommission, die die Klimaziele der EU untermauern, werden dann 53 Prozent des Energiebedarfs der EU durch erneuerbaren Strom gedeckt.
Das bedeutet, dass andere Energieträger eine zentrale Rolle spielen müssen. Insbesondere Wasserstoff wird voraussichtlich eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung von bestimmten Sektoren spielen, die nicht einfach zu elektrifizieren sind, wie der Fernverkehr und die Schwerindustrie.
„Ein rein auf Elektrizität ausgerichtetes Szenario ist keine Option“, um die Klimaziele der EU zu erreichen, sagte Jerzy Buzek, ehemaliger polnischer Premierminister, der jetzt Mitglied des Europäischen Parlaments für die Mitte-Rechts-EVP-Fraktion ist.
Wasserstoff kann diese Kluft schließen und „einer der wichtigsten Energieträger des 21. Jahrhunderts“ werden, unter anderem in Sektoren wie der Stahlindustrie, der chemischen Industrie, dem Schwerlastverkehr und der Schifffahrt, „deren Elektrifizierung wirtschaftlich oder sogar technisch nicht machbar wäre“, so Buzek.
Dies entspricht im Wesentlichen dem von der Europäischen Kommission im Dezember vorgelegten Vorschlag für eine Reform der EU-Gasmarktregeln. Dieser zielt darauf ab, Wasserstoff als Teil der europäischen Anstrengungen um die Dekarbonisierung des Verkehrs und der Industrie zu fördern.
Zehnjähriger Netzentwicklungsplan
Um den künftigen Bedarf an Wasserstoffinfrastrukturen einzuplanen, hat ENTSO-E zusammen mit ENTSOG, dem Europäischen Netzwerk der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas, mit der Entwicklung gemeinsamer Netzentwicklungsszenarien begonnen.
Ihr gemeinsamer Zehn-Jahres-Netzentwicklungsplan (TYNDP) für 2022, der im Oktober vorgestellt wurde, modelliert zum ersten Mal Wasserstoff und Elektrolyse auf europaweiter Ebene.
„Mehr als 180“ Wasserstoffprojekte wurden bereits erfasst und in den Plan aufgenommen, sagte Piotr Kus, Generaldirektor von ENTSOG, der die EURACTIV-Veranstaltung unterstützte.
„Wasserstoff wird sowohl für das Gas- als auch für das Stromsystem ein entscheidender Faktor sein, da er die Bemühungen zur Dekarbonisierung unterstützt, die beiden Systeme miteinander verbindet und gleichzeitig das Potenzial der erneuerbaren Energiequellen weiter erschließt“, so ENTSO-E und ENTSOG in einem Vorwort zu ihrem gemeinsamen TYNDP.
Die Europäische Kommission, die den EU-Binnenmarkt mit 447 Millionen Einwohner:innen reguliert, steht in diesem Punkt auf derselben Seite.
Die Schaffung einer „grenzüberschreitenden Wasserstoffinfrastruktur und eines wettbewerbsfähigen Wasserstoffmarktes“ ist eines der Hauptziele der Europäischen Kommission bei der Regulierung des Gassektors, sagte Catharina Sikow-Magny, eine hochrangige EU-Beamtin, die als Direktorin der Energieabteilung der Kommission, die sich mit der Integration der Energiesysteme befasst, tätig ist.
Der Vorschlag der Kommission vom Dezember zur Reform des EU-Gasmarktes zielt darauf ab, „mehr erneuerbare und kohlenstoffarme Gase in das bestehende Gasnetz zu integrieren, indem unter anderem die Tarife für grenzüberschreitende Verbindungsleitungen aufgehoben werden“, erklärte sie.
Ein weiteres Ziel sei eine „stärker integrierte Netzplanung zwischen den Strom-, Gas- und Wasserstoffnetzen“ und eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Sektoren, um „das künftige Wasserstoffnetz zu verwirklichen“.
„Brauchen wir ein eigenes Wasserstoffnetz? Meine Antwort ist ja“, sagte Sikow-Magny. „Andernfalls wird Wasserstoff lokal bleiben“ und wahrscheinlich mit Erdgas im bestehenden Gasleitungsnetz vermischt werden, was nicht das Ziel der Europäischen Kommission ist, sagte sie.
Umweltschützer:innen warnen vor Überbauung
Umweltschützer:innen warnen ihrerseits vor einem übermäßigen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur und verweisen auf Studien der Europäischen Kommission. Diese kamen zum Schluss, dass der Verbrauch von fossilem Gas bis 2030 um mehr als 30 Prozent und bis 2050 um etwa 96 Prozent reduziert werden muss, um die Klimaziele der EU zu erreichen.
Das bedeutet, dass der gesamte fossile Gasverbrauch bis zur Mitte des Jahrhunderts „fast völlig eliminiert“ werden muss, sagte Raphael Hanoteaux vom Klima-Thinktank E3G. „Das bedeutet, dass viele der derzeit vorhandenen Anlagen verkleinert, schrittweise abgebaut oder außer Betrieb genommen werden müssen“, sagte er.
Aus diesem Grund besteht Hanoteaux darauf, dass die Wasserstoffinfrastruktur nur in den Bereichen aufgebaut wird, in denen sie den größten Mehrwert für die Dekarbonisierung bringt.
„Natürlich gibt es einige Sektoren, in denen Wasserstoff die einzige Option ist, wie zum Beispiel in der Schwerindustrie“, sagte er. Aber es gibt auch Sektoren wie die Haushaltsheizung, in denen Wasserstoff nicht wettbewerbsfähig sein wird“, weil die Mengen zu gering sind, um erschwinglich zu werden. „Er sollte also nicht überall eingesetzt werden.“
„Tatsache ist, dass wir noch keine Antwort darauf haben, ob wir überhaupt eine europaweite Wasserstoffinfrastruktur brauchen oder nicht“, betonte er.
Trotz weitgehender Übereinstimmung über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Netzplanung sind sich ENTSOG und ENTSO-E auch uneins über die relativen Vorteile von Gas und Strom im zukünftigen europäischen Energiesystem.
„Die primäre Energiequelle der Zukunft werden Elektronen aus Sonnen- und Windenergie sein“, sagte Croes und fügte hinzu: „Die direkte Elektrifizierung sollte unserer Meinung nach als die energieeffizienteste Lösung“ zur Dekarbonisierung der Energie vorrangig behandelt werden.
Kus seinerseits betonte die Rolle der bestehenden Gasinfrastruktur für den Wasserstofftransport als „eine der wirtschaftlichsten und effizientesten Lösungen für die Entwicklung eines EU-weiten Wasserstoffnetzes“.
„Neben der Erschwinglichkeit bietet die Wiederverwendung die schnellste Lösung für die Entwicklung der Infrastruktur und damit die beste Chance, die europäischen Zielvorgaben zeitnah zu erreichen und den Marktausbau zu unterstützen, der eines der wichtigsten politischen Ziele der aktuellen EU-Verordnungen ist“, sagte Kus.
> Schauen Sie sich die vollständige EURACTIV-Veranstaltung unten an:
[Bearbeitet von Alice Taylor]