Neue Öko-Labels für energiesparende Geräte
Energiesparende Haushaltsgeräte erhalten in Zukunft ein detaillierter aufgefächertes Öko-Label als bisher. Wer richtig Strom sparen will, greift zu Produkten der Klasse "A+++". Ein schlichtes "A" ist nur noch Mittelmaß.
Energiesparende Haushaltsgeräte erhalten in Zukunft ein detaillierter aufgefächertes Öko-Label als bisher. Wer richtig Strom sparen will, greift zu Produkten der Klasse „A+++“. Ein schlichtes „A“ ist nur noch Mittelmaß.
Die bisherige siebenstufige Skala für Hausgeräte wie Fernseher, Waschmaschinen oder Kühlschränke von grün bis rot (A bis G) wird beibehalten, bekommt aber zusätzliche Klassifizierungen für besonders sparsame Produkte.
Darauf einigte sich das EU-Parlament am Mittwoch in Straßburg. Möglich werden sollen die Klassen "A+", "A++" und "A+++". Damit rutscht die derzeitige Spitzenklasse "A" in die gelbe Mitte der Skala. Die neuen Labels können schon von diesem Herbst an in den Geschäften benutzt werden. Eine politische Einigung zwischen den Mitgliedstaaten im Rat und dem Parlament war bereits am 18. November 2009 erreicht worden (EURACTIV.de vom 19. November 2009).
Mit der Neufassung wird der Geltungsbereich der Richtlinie so auf Geräte im gewerblichen und industriellen Bereich ausgedehnt.
Hintergrund
Die erste "Energieetikettierungsrichtlinie" wurde 1992 verabschiedet. Durch die Neufassung wird der Geltungsbereich über den Haushaltssektor hinaus ausgedehnt. Die Maßnahmen auf dem Gebiet der Energieeffizienzkennzeichnung und der umweltgerechten Gestaltung ("Ökodesign") sollen dem EU-Ziel dienen, die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu steigern.
Die Vorgaben zur Energieeffizienz führten teilweise zu Kontoversen, etwa das schrittweise Verbot der klassischen Glühbirne (EURACTIV.de vom 31 August 2009).
Reaktionen
EU-Energiekommissar Günther Oettinger begrüßte die Einigung: "Die heutige Verabschiedung der Neufassung der Energiekennzeichnungsrichtlinie durch das Europäische Parlament ist ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung unseres Energiesparziels "2020". Sie ebnet den Weg für ein neues Energieeffizienzlabel, das den Verbrauchern Energieeinsparungen ermöglicht und der EU die Einhaltung ihrer Verpflichtungen hinsichtlich der Verringerung der CO2-Emissionen erleichtert."
EU-Parlament
Bernd Lange (SPD/S&D): "Das Europäische Parlament hat sich damit durchgesetzt, dass die Energieeffizienz weiterhin in einer geschlossenen Skala angegeben wird und nicht durch unterschiedliche Zusatzangaben unübersichtlich wird. Nur durch eine geschlossene Skala wird es möglich, das energieeffizienteste Gerät auszuwählen und Energiefresser im eigenen Haushalt zu vermeiden".
Jorgo Chatzimarkakis (FDP/ALDE): "Da der Anwendungsbereich der Richtlinie stark erweitert wird, müssen wir aufpassen, dass keine zu starre ‚Labelbürokratie‘ entsteht. Umweltschutz ist richtig, aber er muss auch bezahlbar sein und darf nicht die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Daher ist es gut, dass Vorschriften nicht angenommen wurden, bei öffentlichen Anschaffungen die Spitzenklasse A+++ vorzuschreiben – das wäre übertrieben gewesen."
Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion: "Der Kompromiss ist nicht optimal. Aber die Entscheidung verhindert die vorsätzliche Irreführung der Konsumenten. Die Kennzeichnung mit den Kategorien A-G in den Farben grün bis rot hat sich bewährt und hat einen hohen Wiedererkennungswert bei den Verbrauchern. Nur mit einer leicht verständlichen Kennzeichnung werden Verbraucher in die Lage versetzt, sich für das effizienteste Produkt auf dem Markt zu entscheiden. Der Käufer muss sich (…) darüber im Klaren sein, dass ein mit A gekennzeichnetes Produkt möglicherweise nur das viertbeste auf dem Markt ist."
awr
Links
EU-Parlament: EP verabschiedet Gesetzespaket zu Energieeffizienz (19. Mai 2010)
EU-Kommission: Übersicht zum Energieeffizienz
EU-Kommission: Kommissar Oettinger begrüßt Annahme der Energiekennzeichnungsrichtlinie durch das Europäische Parlament. Pressemitteilung (19. Mai 2010)
EU-Parlament: Energy efficiency label: MEPs and Council Presidency agree on classes for white goods (18. November 2009)