Österreich will Abkopplung von russischem Gas beschleunigen
Die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler hat am Montag bei einem Treffen mit Energieunternehmen die heimischen Versorger aufgefordert, den Prozess der Abkopplung vom russischen Gas zu beschleunigen.
Die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler hat am Montag bei einem Treffen mit Energieunternehmen die heimischen Versorger aufgefordert, den Prozess der Abkopplung vom russischen Gas zu beschleunigen.
Bei dem Treffen mit Energieunternehmen erörterte Gewessler Pläne zur Diversifizierung der Gasversorgung. Zwar seien die Fortschritte bei der Abkopplung vom russischen Gas sichtbar, aber in Bezug auf Fortschritt und Geschwindigkeit unzureichend.
„Es geht darum, den letzten Schritt zu machen“, sagte sie nach dem Treffen und verwies auf die zusätzlichen Maßnahmen, die aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten auf dem Markt erforderlich sind. Sie wies aber auch darauf hin, dass Österreich für den kommenden Winter gut gerüstet sei, da die Speicher zu 80 Prozent gefüllt sein würden, berichtete APA.
Positiv zu vermerken sei, dass bereits 13 Terawattstunden Gas über die europäische Gaseinkaufsplattform zum Kauf angemeldet worden seien, was mehr als 10 Prozent des Jahresangebots entspreche, betonte sie.
Gleichzeitig warnte der ehemalige E-Control-Chef Walter Boltz Österreich davor, sich trotz der jüngsten Erholung der Großhandelsgaskosten nach den Preissprüngen des letzten Jahres in Sicherheit zu wiegen.
Denn ein plötzlicher Lieferstopp könnte rasch zu einer Knappheitssituation mit Preissteigerungen führen könnte. „Wir dürfen uns nicht einlullen lassen“, sagte er.
Auch die Industriellenvereinigung forderte die Regierung auf, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um eine sichere Gasversorgung zu gewährleisten.
Ein zentrales Anliegen sei es, eine mögliche Verknappung infolge des Auslaufens des Gastransitvertrags zwischen der Ukraine und Russland Ende 2024 zu verhindern, hieß es in einer Erklärung.
Das ukrainische Energieministerium bekräftigte jedoch Anfang Juni angesichts der jüngsten Bedenken sein Engagement für einen zuverlässigen Gastransport.
Aus Sicht des Fachverbands Gaswärme (FGW) ist ein Ausbau der Gasinfrastruktur notwendig, insbesondere in Richtung Deutschland und Slowenien.
Fehlt es an konkreten Plänen?
Gewesslers Forderung stieß jedoch bereits auf Kritik des Energieanalysten Johannes Benigni, der auf fehlende konkrete Pläne und Finanzierungen im Falle eines Ausfalls der russischen Gaslieferungen hinwies.
Die gleiche Kritik kam von der Mitte-Links-SPÖ und der rechten FPÖ.
„Gewessler hat offenkundig nach wie vor null Plan, wie sie einerseits die Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung mit Gas mittel- und langfristig gewährleisten und andererseits die Abhängigkeit von Russland minimieren will“, behauptete SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll.
Auch FPÖ-Energiesprecher Axel Kassegger kritisierte das Treffen als „inhaltsleere Placebo-Veranstaltung“, da der Energieminister keine konkreten Informationen geliefert habe.
Im Mai stellte die Europäische Kommission fest, dass Österreich keinen klar definierten kurzfristigen Plan zur Verringerung der russischen Gasimporte hat, und kam zu dem Schluss, dass „das Potenzial für die Produktion und den Transport von erneuerbaren Gasen noch nicht ausreichend genutzt wird.“