Oettinger schätzt EU-Energieziele auf eine Billion Euro

Europa müsse eine Billion Euro über die kommenden zehn Jahre ausgeben, um sein Energiesystem umzuändern, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und die Versorgung zu sichern. Diese Warnung erwartet man in den kommenden Wochen vom EU-Energiekommissar, Günther Oettinger.

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Europa müsse eine Billion Euro über die kommenden zehn Jahre ausgeben, um sein Energiesystem umzuändern, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und die Versorgung zu sichern. Diese Warnung erwartet man in den kommenden Wochen vom EU-Energiekommissar, Günther Oettinger.

Die Herausforderung im Bereich Energie sei eine der schwersten Proben, die Europa bevorstünden. Es werde Jahre und Jahrzehnte dauern, unser Energiesystem auf einen nachhaltigen und sicheren Weg zu bringen, steht es in einem frühen Entwurf der EU-Strategie „Energie 2020“, die der Energiekommissar der 27-köpfigen Union vielleicht bereits im November vorschlagen wird.

Die Strategie stellt dar, wie Europa das doppelte Ziel erreichen könnte, gleichzeitig die Treibhausgase zu senken und Energiekrisen zu verhindern, wie die dreiwöchige Unterbrechung der Versorgung an russischem Gas über die Ukraine im Januar 2009.

Dies erfordert eine massive Sanierung von zugigen Gebäuden und rostigen Verteilungsnetzwerken, eine harte außenpolitische Linie zur Verhandlung neuer Einfuhren und neue Kompetenzen zur Umsetzung hässlicher Infrastrukturprojekte.

Die bis zum Jahr 2020 benötigten Investitionen würden auf eine Billion Euro geschätzt, um Energie- und Klimaziele zu erreichen, heißt es im Dokument, in das Reuters am Mittwoch Einblick erhielt. Energiepreise würden vom steigenden Bedarf an Investitionen beeinträchtigt werden.

Teil der Strategie beunruhigte Umweltschützer.

Wenn Oettinger die Botschaft vermitteln wolle, dass man Bürgerschutz aufheben werde, um Platz für Infrastruktur zu schaffen, werde er nichts als öffentliche Empörung ernten, so der Europaabgeordnete Claude Turmes, von der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament.

Energieeffizienz

Trotz der Anstrengungen, den Verbrauch zu senken, wird es vorhergesagt, dass Gas- und Strombedarf steigen werden.

Energieerzeugung soll bis 2030 um 23 Prozent auf 4.073 Terawattstunden ansteigen. Dies entgeht neuen Daten, die in Oettingers Entwurf „Energie-Infrastrukturprioritäten“, den er am 17. November veröffentlichen will, preisgegeben werden.

Geschätzte 50.000 Kilometer Übertragungsleitungen werden bis 2020 entweder gelegt oder verbessert werden müssen, besagt der Plan, in den Reuters ebenfalls Einblick erhielt.

Stromrechnungen werden auch auf Grund der riesigen Investitionen in grüne Energien tendenziell steigen, wie Windturbinen in der Nordsee oder Solarmodule um das Mittelmeer herum. Doch mag diese Tendenz durch einen entschiedenen Versuch zur Energieeffizienz ausgewogen werden.

Die durchschnittlichen Energieeinsparungen für einen Haushalt könnten sich auf 1.000 Euros jährlich belaufen, entgeht es dem „Energie 2020“-Bericht.

Ein vorläufiges Diskussionspapier zur Energieeffizienz, das auch von Reuters eingesehen wurde, deutet auf die Vorteile einer Senkung der Öl- und Gasrechnungen hin, zu einem Moment, in dem sich Europa von der schlimmsten Wirtschaftskrise der vergangenen 80 Jahre erholt.

Auf europäischer Ebene exportiere man jährlich etwa 350 Milliarden Euro an EU-Reichtum, hauptsächlich an Länder, die Öl- und Erdgasvorkommen hätten.

Trotz gewichtiger wirtschaftlicher Argumente für Energieeffizienz finden Verbesserungen nicht statt. Die EU sei auf dem Weg, ihren Energieverbrauch bis 2020 um etwa zehn Prozent zu senken, was nur die Hälfte ihres ausdrücklichen Ziels ist, entgeht es dem Dokument.

Turmes sagte, dem Plan mangele es an konkreten Maßnahmen, um eine Änderung zu vollbringen. Oettinger lehne es ab, etwas Substantielles auf den Schreibtisch der EU-Chefs zu legen.

In erster Linie versäume es die Strategie, verpflichtende Energieeffizienzziele zu setzen. Dies werde von Umweltschützern und Bauunternehmern in ganz Europa ersucht.

Es sei besorgniserregend, dass einige Kommissionsbeamte noch immer öffentlich behaupteten, dass der Energiebedarf weiterhin steigen werde, so die Energieaktivistin Erica Hope vom „Climate Action Network Europe“.

Man sei furchtbar weit davon entfernt, die möglichen Gewinne zu erreichen, die man durch Effizienz und Energieeinsparungen machen könnte.

Der Europäische Bund der Bauunternehmer (EBC) sagte, eine gemeinsame Anstrengung zu größerer Energieeffizienz könnte im Bereich der KMU eine Vielzahl an Arbeitsplätzen schaffen.

Gesetzlich bindende Zielsetzungen zur Renovierung seien der beste Weg, dies zu erreichen, doch anderenfalls sollte man trotzdem wenigstens anzeigende Ziele setzen, sagte der Generalsekretär des EBC, Ricardo Viaggi.

(EURACTIV mit Reuters.)