Österreichische Integrationskampagne sorgt für Gesprächsstoff
Österreichs Integrationsminister Sebastian Kurz hat eine Kampagne gestartet mit der er für Integration werben will. Es gibt viel Zustimmung, aber auch viel Kritik. Vor allem in den Sozialen Netzwerken läuft eine engagierte und hitzige Diskussion.
Österreichs Integrationsminister Sebastian Kurz hat eine Kampagne gestartet mit der er für Integration werben will. Es gibt viel Zustimmung, aber auch viel Kritik. Vor allem in den Sozialen Netzwerken läuft eine engagierte und hitzige Diskussion.
Die so genannte „Ausländerproblematik“ spielt in vielen europäischen Ländern eine wichtige Rolle. Einerseits sind es Vorurteile der so genannten Einheimischen gegenüber den Zuwanderern, anderseits Anpassungsschwierigkeiten der Neuankömmlinge, die für so manchen politischen Zündstoff in der öffentlichen Diskussion sorgen. Und mitunter sogar zur Emotionalisierung missbraucht werden. Mit einer gezielten Aktion versucht man nun in Österreich mit einer gezielten Aktion gegenzusteuern.
Österreichs Integrationsminister Sebastian Kurz hat eine Kampagne gestartet, die unter dem Motto „stolzdrauf“ steht. Das Ziel dabei ist es, „dass Österreich für alle Menschen, die hier leben, zur Heimat wird, ohne dass sie dafür ihre Wurzeln aufgeben müssen!“ Vorgestellt werden im Zuge dieser Aktion Österreicher mit Migrationsgeschichte, die erfolgreich Fuß gefasst haben und stolz auf ihre neue Heimat sind. Was vielleicht ein wenig zu kurz dabei kommt, ist die „europäische Dimension“, schließlich ist für viele Migranten nicht nur Österreich sondern letztlich damit auch die EU das ersehnte Ziel und neue Heimat.
Schon zu Zeiten der Monarchie galt Österreich und insbesondere die Hauptstadt Wien als ein Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen. Daran hat sich wenig geändert, wenn man die Statistik liest. So lebten am 1. Jänner 2014 insgesamt 1.066.114 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Das entspricht einem Anteil von rund 12,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Fasst man den Kreis weiter, bezieht man also auch bereits Eingebürgerte mit ein, so hat rund ein Fünftel der Einwohner in der Alpenrepublik zumindest einen so genannten Migrationshintergrund.
Stärkung des neuen Heimatbewusstseins
Die Kampagne hat bereits beim Start alle Erwartungen übertroffen, so was die Reaktionen und die Teilnahme an sich betreffen. Vor allem in den so genannten „Sozialen Netzwerken“ läuft eine engagierte und hitzige Diskussion. Es gibt viel Zustimmung, aber auch viel Kritik. Sagen die einen, dass es schon längst notwendig geworden sei, eine solche Initiative zur Identitätsförderung zu starten, kritisieren andere wiederum den populistischen Charakter und die Pflege traditioneller Heimatbilder. Entscheidend freilich scheint, dass diese Aktion viele „nicht kalt lässt“. Mehr als 300 Integrationsbotschafter sind jedenfalls an Schulen unterwegs, um mit Jugendlichen über Heimat und Identität zu diskutieren. Eine der Trägerfiguren ist übrigens der populäre Volks-Rock’n-Roller Andreas Gabalier.
Der Fokus der Kampagne liegt auf der Identität von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Aktuelle Zahlen belegen übrigens, dass 69 Prozent der Migrantinnen und Migranten Österreich als ihre neue Heimat betrachten. Für 8 Prozent ist dagegen das Land aus dem sie selbst bzw. ihre Eltern und Großeltern kommen, unverändert die Heimat. 10 Prozent sehen sowohl Österreich als auch ihr Herkunftsland als Heimat. Interessant freilich ist auch, dass die Herkunft der Zuwanderer eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Bei den Migranten mit türkischen Wurzeln bezeichnet nur etwa die Hälfte Österreich als ihre Heimat. Bei den Zuwanderern aus Ex- Jugoslawien sind es mehr als 75 Prozent.
Tatsächlich und das zeigen internationale Erfahrungen hat sich die Integrationsbereitschaft der Zu- und Einwanderer gegenüber früheren Zeiten gewandelt. Das betrifft gerade die türkische Community, die oftmals ihre gesamte unmittelbare Lebensumwelt etwa aus Anatolien mit in einen Stadtrandbezirk von Wien transferiert. Anstelle sich in die angestammte Wohnbevölkerung einzufügen, sich der neuen Umgebung anzupassen, schafft man eine in sich geschlossene Enklave. Hinzu kommt, dass sich nicht bereits die zweite, sondern erst die dritte Generation von den väter- beziehungsweise mütterlichen Wurzeln trennt. Kurzum, der Anpassungsprozess an die neue Heimat mit ihren Lebensweisen, Traditionen, Gebräuchen und letztlich auch der Sprache dauert länger. Und kann daher oft auch zu Konfliktzonen mit der einheimischen Bevölkerung führen.
Österreichs Jugend ist wenig revolutionär
Primäre Hoffnungsträger für diese „stolzdrauf“-Kampagne sind vor allem die jüngere Bevölkerung. Interessant in diesem Zusammenhang ist freilich auch eine aktuelle Umfrage, die der Frage „wie tickt Österreichs Jugend“ nachgeht. Das Ergebnis überrascht insofern, als es das Bild relativ konservativ denkender Jugendlicher zeichnet.
Offensichtlich handelt es sich nämlich bei den 14- bis 29-jährigen um „eine sehr familienorientierte Generation”, wie es die Analysten der Umfrage definieren. Das wird unter anderem dadurch belegt, dass knapp 54 Prozent ihre Eltern als Vorbilder sehen. 63 Prozent erkennen starke Ähnlichkeiten in Charakter und Persönlichkeit mit ihren Eltern. Über 60 Prozent sind der Überzeugung, ähnliche Werte, Meinungen und Einstellungen zu vertreten. Trotzdem möchten mehr als 77 Prozent nicht so wie ihre Eltern werden, sich also doch unterscheiden und abheben. Wenig revolutionäre Elemente finden sich in weiteren Kapiteln der Umfrage. Gutes Aussehen betrachten knapp 90 Prozent sowohl für das gesellschaftliche Weiterkommen als auch das persönliche Selbstbewusstsein als wichtig. Trotz der in den Medien allgegenwärtigen Conchita Wurst findet ein bärtiges Gesicht wenig Zuspruch. Lediglich 7,4 Prozent der Jugend schätzen nämlich einen Vollbart als ansprechend ein.
Die „stolzdrauf“-Kampagne könnte, so meinen Experten, angesichts der Grundeinstellung der jüngeren Generation im Trend liegen, durchaus Gefallen finden und auf einen fruchtbaren Boden fallen.