Parlament stellt sich hinter EU-Gesetz über entwaldungsfreie Lieferketten
Das EU-Parlaments wird am Dienstag (13. September) über eine neue Verordnung abstimmen, die vorsieht, dass Unternehmen nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht zur Zerstörung von Wäldern beigetragen haben, bevor sie auf dem EU-Markt zugelassen werden.
Das EU-Parlament wird am Dienstag (13. September) über eine neue Verordnung abstimmen, die vorsieht, dass Unternehmen nachzuweisen, dass ihre Produkte nicht zur Zerstörung von Wäldern beigetragen haben, bevor sie auf dem EU-Markt zugelassen werden.
Der Vorschlag, der ursprünglich von der Europäischen Kommission im November letzten Jahres vorgelegt wurde, soll sicherstellen, dass in die EU eingeführte Produkte und Waren „entwaldungsfrei“ sind.
Unternehmen sollen künftig sicherstellen, dass die in der Europäischen Union verkauften Waren nicht auf abgeholzten Flächen hergestellt worden sind.
Die vorgeschlagene Verordnung stieß bei einem Treffen der 27 EU-Umweltminister:innen im Juni auf allgemeine Zustimmung, auch wenn Nichtregierungsorganisationen ihre Position als zu wenig ambitioniert kritisierten.
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gingen zwischen 1990 und 2020 420 Millionen Hektar Wald – eine Fläche größer als die EU – durch Abholzung verloren. Es wird geschätzt, dass der EU-Verbrauch etwa 10 Prozent der weltweiten Entwaldung verursacht.
Um dem entgegenzuwirken, haben die Abgeordneten des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments im Juli einen Vorschlag mit mehr Ambition unterstützt, der den Geltungsbereich der Verordnung auf mehr Produkte ausweitet, die Zahl der Kontrollen für Unternehmen erhöht und einen besseren Schutz der Natur durch die Einbeziehung anderer natürlicher Ökosysteme wie Grasland, Torfgebiete und Feuchtgebiete vorsieht.
Außerdem müssten die Unternehmen dann prüfen, ob bei der Herstellung von Waren die Menschenrechte nach internationalem Recht und die Rechte indigener Völker geachtet werden. Auch Finanzinstitute sollten zusätzlichen Anforderungen unterworfen werden, um sicherzustellen, dass ihre Aktivitäten nicht zur Entwaldung beitragen.
Umweltorganisationen unterstützen den Vorschlag des Umweltausschusses des Parlaments, den sie für ehrgeiziger halten als die von den EU-Mitgliedstaaten im Juni unterstützte Version.
„Das Europäische Parlament hat einen ersten Schritt getan, indem es einen ehrgeizigen Berichtsentwurf vorgelegt hat, der einige der Schlupflöcher schließt, die die EU-Mitgliedsstaaten gerne in den Gesetzestext einbauen würden“, sagte Anke Schulmeister-Oldenhove vom WWF.
„Wir sehen jedoch, dass es Versuche gibt, den Text zu verwässern“, fügte sie hinzu und warnte: „Dies wird die Umwelt und den Kampf gegen den Klimawandel teuer zu stehen kommen und entspricht eindeutig nicht dem Wählerwillen.“
Mehr als 1 Million Bürger:innen, Wissenschaftler:innen und Unternehmen beteiligen sich seit 2020 an der Kampagne #Together4Forests, die vom WWF geleitet wird. Sie setzen sich für ein strenges Gesetz ein, das nicht nur Wälder, sondern auch andere Ökosysteme schützt und die Achtung der Menschenrechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften sicherstellt.
Außerdem fordern sie gleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem EU-Markt, die verbindliche Regeln für alle Unternehmen und den Finanzsektor vorsehen, indem sie die vollständige Rückverfolgbarkeit aller Produkte bis hin zu dem Land gewährleisten, in dem sie produziert oder geerntet wurden.
Verbraucher:innen befürworten Maßnahmen gegen Abholzung
Eine Mehrheit der Europäer:innen scheint stärkere staatliche Maßnahmen gegen die Entwaldung zu begrüßen.
Dies geht aus einer neuen Umfrage hervor, die das Marktforschungsunternehmen GlobeScan in neun europäischen Ländern – Spanien, Frankreich, Deutschland, der Tschechischen Republik, Schweden, den Niederlanden, Österreich, Italien und Portugal – durchgeführt hat.
Der Studie zufolge sind 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass Unternehmen keine Produkte verkaufen sollten, die die Wälder weltweit zerstören, während 78 Prozent der Meinung sind, dass es in der Verantwortung der Regierungen liegen sollte, Produkte zu verbieten, die zur Abholzung der Wälder führen.
46 Prozent der Befragten erwarten, dass große Unternehmen die größte Verantwortung für den Schutz der Wälder übernehmen, obwohl 64 Prozent der Meinung sind, dass große Unternehmen am schlechtesten abschneiden, wenn es darum geht, die Abholzung von Wäldern zu verhindern.
37 Prozent der Teilnehmer:innen gaben an, dass sie bereit wären, Unternehmen, die Produkte verkaufen, die zur Abholzung beitragen, künftig nicht mehr zu unterstützen, indem sie entweder gar nicht mehr bei ihnen einkaufen (37 Prozent) oder ihre Einkäufe reduzieren (36 Prozent).
„Einmal mehr fordern die Verbraucher:innen Unternehmen und Regierungen auf, Maßnahmen gegen die Abholzung zu ergreifen“, kommentierte David Sánchez, Direktor des spanischen Verbraucherverbands CECU, die Ergebnisse der Umfrage.
„Die einzige Option für die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und die nationalen Regierungen besteht daher darin, eine ehrgeizige Position zu diesem Gesetz zu unterstützen, um sicherzustellen, dass Unternehmen keine Produkte mehr verkaufen, die die Wälder der Welt zerstören.“
[Bearbeitet von Frédéric Simon]