Polen fordert EU-Unterstützung nach Sturm-Katastrophe
Nach heftigen Stürmen, bei denen Mitte August sechs Menschen starben, bittet Polen um EU-Unterstützung bei den Aufräumarbeiten.
Nach heftigen Stürmen, bei denen Mitte August sechs Menschen starben, tausende Häuser beschädigt und große Waldgebiete zerstört worden waren, bittet Polen um EU-Unterstützung bei den Aufräumarbeiten.
Nach den Stürmen am 11. August waren zeitweise mehr als 200.000 polnische Haushalte und Geschäfte ohne Strom. Die Regierung steht in der Kritik; sie habe zu langsam reagiert. Die Regierungspartei PiS sei bei der Katastrophenhilfe gescheitert, sagt die Opposition. Ein Beispiel sei ein kleines Dorf in der Nähe von Danzig, das zwei volle Tage warten musste, bis das Militär die Räumung von Schutt von den Straßen unterstützte.
Premierministerin Beata Szydło und ihre Minister hingegen verteidigten ihre Reaktion auf die Stürme. Sie wiesen außerdem Aussagen eines Bürgermeisters zurück, der behauptet hatte, ihm sei mit Budgetkürzungen für seine Region gedroht worden, sollte er seine Kritik nicht stoppen.
Szydło hat inzwischen angekündigt, dass betroffene Familien finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser erhalten werden. Die Verfahren seien vereinfacht worden und Überweisungen könnten ab September starten. Innenminister Mariusz Błaszczak kündigte gestern an, er werde nach Abschluss der Kostenberechnung auch für Unterstützung aus dem EU-Solidaritätsfonds werben.
Nach Angaben der Tageszeitung Rzeczpospolita waren auf dem Höhepunkt der Stürme mehr als 500.000 Menschen von Stromausfällen betroffen. Fast 45.000 Hektar Wald seien zerstört worden. Den Gesamtschaden schätzt die Zeitung auf 46 Millionen Euro. Der Leiter der nationalen Forstbehörde nannte die Stürme „unzweifelhaft die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der polnischen – und vielleicht sogar der europäischen – Forstwirtschaft.“ Es werde allein zwei Jahre dauern, die umgestürzten Bäume aus den Wäldern zu bergen. Bis sich die Habitate komplett erholt und erneuert haben, würden Jahrzehnte vergehen.
Hauptsächlich betroffen waren die nördlichen und westlichen Teile Polens. Der Białowieża Nationalpark, der letzte verbleibende Urwald in Europa, im Osten des Landes wurde nicht von den Stürmen getroffen. Zwischen Warschau und Brüssel besteht seit einiger Zeit Streit über Holzfällarbeiten in dem geschützten Waldgebiet. Während EU-Vertreter eine Zerstörung des Białowieża-Waldes befürchten, besteht Polen darauf, die Arbeiten seien eine notwendige Naturschutz- und Konservierungsmaßnahme.