Polen verzeichnet stärkstes Wärmepumpen-Wachstum, Deutschland abgeschlagen
Der Verkauf von Wärmepumpen verzeichnete im Jahr 2022 ein Rekordwachstum, wobei Frankreich, Polen und Finnland besonders hervorstachen, Deutschland jedoch nicht. Wärmepumpen stellen eine kruziale Alternative zu russischem Gas dar.
Der Verkauf von Wärmepumpen verzeichnete im Jahr 2022 ein Rekordwachstum, wobei Frankreich, Polen und Finnland besonders hervorstechen. In Deutschland sind die Zahlen nicht bedeutsam, trotz des Wegfalls von russischem Gas.
Die im letzten Jahrhundert erfundenen Wärmepumpen – die oft auch als „umgekehrte Kühlschränke“ bezeichnet werden – bieten eines der besten Wärme-zu-Energie Verhältnisse überhaupt. Sie nutzen Strom, um die Umgebungswärme zu bündeln. Dies ist selbst bei negativen Außentemperaturen möglich und bis zu viermal effizienter als ein Gasheizkessel.
Der REPowerEU-Plan aus dem Jahr 2022 zielt darauf ab, „die Einsatzrate von Wärmepumpen zu verdoppeln“, das heißt 20 Millionen zusätzliche Wärmepumpen in der gesamten EU bis 2026 sowie um die 60 Millionen im Jahr 2030. Die Verkaufszahlen aus dem Jahr 2022, einem Rekordjahr für die Branche, deuten darauf hin, dass Europa auf dem richtigen Weg sind.
„2022 war ein phänomenales Jahr“, erklärt Thomas Nowak, Generalsekretär des Branchenverbandes European Heat Pump Association (EHPA). Im vergangenen Jahr ist der Absatz von Wärmepumpen um 38 Prozent gestiegen und hat damit das bereits rekordverdächtige Wachstum von 34 Prozent im Jahr 2021 noch übertroffen.
Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Wärmepumpen in der EU auf 20 Millionen, mit denen 16 Prozent der Wohn- und Geschäftsgebäude beheizt werden, so EHPA weiter.
Mit seinem weitgehend dekarbonisierten Stromnetz ist Frankreich mit etwa 4,25 Millionen installierten Wärmepumpen weiterhin Spitzenreiter in der EU.
Finnland, das noch vor Norwegen und Schweden liegt, verzeichnete das größte Wachstum in relativen Zahlen. Im Jahr 2022 haben 70 finnische Familien pro 1000 Haushalte eine Wärmepumpe gekauft.
Der Wärmepumpenmarkt in Polen, das nicht gerade als Verfechter sauberer Energien bekannt ist, war 2022 der größte Gewinner und wuchs gegenüber 2021 um 102 Prozent. Mit fast 200.000 verkauften Wärmepumpen liegt Polen pro Kopf der Bevölkerung auf Augenhöhe mit den reichsten Ländern Europas, gleich hinter den nordischen Ländern.
Insgesamt reduzieren die in der EU installierten Wärmepumpen die CO2-Emissionen der Union um etwa 54 Millionen Tonnen CO2 – was fast den jährlichen Emissionen Griechenlands entspricht.
Der Nachzügler
Deutschland, einst Europas größter Importeur von russischem Gas, sticht in den Marktdaten für 2022 nicht hervor. Der Wärmepumpenmarkt in dem Land, in dem im letzten Jahr 600.000 Gasheizkessel installiert wurden, wächst nur langsam.
Im vergangenen Jahr wurden 236.000 Wärmepumpen verkauft, was einem Wachstum des Marktes um 53 Prozent entspricht. Verglichen mit der Bevölkerungszahl des Landes ist dieses Wachstum jedoch relativ bescheiden. In Finnland zum Beispiel hat jeder 14. Haushalt im letzten Jahr eine Wärmepumpe gekauft, in Deutschland ist es hingegen nur einer von 170.
Die Bundesregierung will das Problem angehen, indem es ab 2024 reine Gaskessel und alle Heizungen verbietet, die mit weniger als 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden.
Die Hersteller von Wärmepumpen bemühen sich, die Produktionskapazitäten aufzubauen, um das Ziel der deutschen Regierung für 2024 zu erreichen, 500.000 Wärmepumpen pro Jahr zu installieren.
Für einen der Hauptakteure in Deutschland, Viessmann, wird dies die sogenannten „hybriden“ Wärmepumpen fördern, die bei Bedarf auch mit Gas betrieben werden können.
„Hybride-Wärmepumpen sind eine riesige Chance, den Einsatz fossiler Brennstoffe im Bestand schnell zu reduzieren“, sagte Kai Lobo, Leiter des Bereichs Public Affairs bei Viessmann in Deutschland.
[Bearbeitet von Alice Taylor]