Polens Energiewende könnte bis 2030 wohl 135 Milliarden Euro kosten

The transformation of Poland's energy sector, including measures to support the ailing coal mining sector, could cost up to €135 billion by 2030, according to a new report by management consultancy EY Poland.

Euractiv.com
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"Der Umfang der Transformation des polnischen Energiesektors ist viel größer und teurer als in den meisten EU-Ländern", heißt es in dem EY-Bericht unter Berufung auf "sehr spezifische historische Bedingungen und einen hohen Anteil von Kohle im Energieerzeugungsmix." [<a href="https://www.shutterstock.com/fr/g/mitelski" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock / Piotr Mitelski</a>]

Die Umwandlung des polnischen Energiesektors, einschließlich des Kohleausstiegs, könnte bis 2030 bis zu 135 Milliarden Euro kosten, so ein neuer Bericht der Unternehmensberatung EY Poland.

Die EU-Umweltminister:innen, die am Montag (24. Oktober) in Luxemburg zusammenkamen, bekräftigten ihre Zusage, angesichts der steigenden Preise für fossile Brennstoffe aus der klimaschädlichen Kohle auszusteigen und den grünen Wandel voranzutreiben.

Dieses Ziel gibt jedoch Anlass zur Sorge für Polen, das 70 Prozent seines Stroms aus Kohle erzeugt.

„Der Umfang der Transformation des polnischen Energiesektors ist viel größer und teurer als in den meisten EU-Ländern“, heißt es in dem EY-Bericht unter Berufung auf „sehr spezifische historische Bedingungen und einen hohen Anteil von Kohle im Energieerzeugungsmix.“

„Wir wollen nicht nach Ausreden suchen, aber ich denke, die Umstände Polens, […] die Tatsache, dass es erst 1989 die wirtschaftliche und politische Souveränität zurückerlangte, war in der Tat eine schwierige Ausgangssituation“, so Jakub Koszyczarek, Unternehmensberater bei EY Polen.

„Damals wurde nahezu 90 Prozent des Stroms aus Kohle erzeugt“, während dieser Anteil heute auf 70 Prozent gesunken sei, sagte er bei einer EURACTIV-Veranstaltung am Dienstag (25. Oktober).

Dies wurde auch von Wojciech Dabrowski, dem Präsidenten des polnischen Elektrizitätsverbands (PKEE), betont, der die politischen Entscheidungsträger der EU aufforderte, die „unterschiedlichen Ausgangspunkte“ der Mitgliedstaaten und ihr „eigenes Übergangstempo“ zu berücksichtigen.

In Polen machen fossile Brennstoffe immer noch 85 Prozent der gesamten Energieversorgung aus, wobei Kohle den größten Anteil hat, wie aus einem im Mai veröffentlichten Bericht der Internationalen Energieagentur hervorgeht. Das Land subventioniert weiterhin seine Kohleindustrie, die in vielen Regionen Arbeitsplätze bietet.

Dennoch hat sich Polen verpflichtet, bis 2044 aus der Braunkohle und bis 2049 aus der Steinkohle auszusteigen, gerade noch rechtzeitig, damit die EU ihr Klimaneutralitätsziel für 2050 erreichen kann.

Dies gibt Anlass zur Sorge, da fast 108.000 Arbeitsplätze in Polen direkt mit dem Kohlesektor verbunden sind – mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in der EU in dieser Branche.

„Dies wird auch für die betroffenen Regionen erhebliche Herausforderungen beim gerechten Übergang mit sich bringen“, warnte Koszyczarek.

„Das sollten nicht nur all die Menschen verstehen, die in den Kraftwerken beschäftigt sind […] sondern es betrifft auch die Regionen, in denen die Kohle abgebaut wird, es betrifft auch die Industrie, die den Abbau unterstützt, die die Lieferung der Kohle unterstützt“, erklärte er.

Nach Schätzungen des EY-Berichts werden bis 2030 135 Milliarden Euro an neuen Investitionen benötigt, um den polnischen Stromsektor umzugestalten.

Beschleunigung bei den erneuerbaren Energien

Trotz der Herausforderungen hat sich Polen in den letzten Jahren stark auf den Einsatz von erneuerbaren Energien konzentriert.

Im Jahr 2020 hat das Land seine Zielvorgaben für erneuerbare Energien übertroffen und in diesem Jahr bisher einen Rekord bei der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie erzielt (+48,5 Prozent im Vergleich zu 2021).

Bei der Solarenergie hat das Entwicklungstempo die Prognosen übertroffen. Bis Mitte 2022 wurden mehr als 10 Gigawatt installiert, ein Niveau, von dem die Regierung bei der Verabschiedung ihrer längerfristigen energiepolitischen Planung im Jahr 2019 annahm, dass es erst Mitte der 2030er Jahre erreicht werden würde.

Dabrowski versicherte, dass erneuerbare Energien einer der Schlüsselaspekte der polnischen Energiewende sind und sowohl die Umsetzung der Klimaziele als auch die Verbesserung der Energiesicherheit fördern.

„Wir müssen uns mit den neuen außergewöhnlichen Umständen auseinandersetzen, aber die Hauptrichtungen bleiben unverändert“, sagte er auf der Veranstaltung und fügte hinzu, dass „Europa seinen Weg zur Klimaneutralität fortsetzt.“

Polen hat viele innovative Projekte am Laufen und setzt auf die Entwicklung neuer Technologien, die die Schaffung neuer Arbeitsplätze unterstützen werden, betonte er.

„Die größte Investition in Polen sind derzeit Offshore-Windparks in der Ostsee“, bestätigte Koszyczarek.

„Das Potenzial der Ostsee ist riesig. Daher denke ich, dass Offshore-Windparks zusammen mit Kernkraftwerken in Zukunft unser Energiesystem stabilisieren werden“.

Versorgungssicherheit

Trotz dieser Erfolge wird die Energiewende in Polen und Europa im Allgemeinen durch die Gaskrise infrage gestellt, die die Kohle für die Stromversorger attraktiver gemacht hat.

Tsvetelina Penkova, eine bulgarische sozialistische Europaabgeordnete, befürwortete die gemeinsame Beschaffung von Gas auf EU-Ebene, um niedrigere Preise und mehr Stabilität zu gewährleisten.

„Wenn wir über die Stabilität des gesamten EU-Energiemarktes und über Solidarität sprechen wollen, müssen wir als eine Union arbeiten, selbst auf der Basis der Preis- und Mengenverhandlungen“, sagte sie auf der Veranstaltung.

Penkova betonte auch, wie wichtig es sei, das richtige Gleichgewicht zwischen erneuerbaren Energien und Grundlaststrom zu finden, wenn es um die Versorgungssicherheit gehe, und sagte, die EU müsse im Hinblick auf ihre Klimaziele für 2030 pragmatisch sein.

> Hier können Sie die gesamte EURACTIV-Veranstaltung ansehen:

[Bearbeitet von Frédéric Simon]