Rückschlag für Meloni: Italiens Wirtschaft schrumpft unerwartet

Italiens Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal überraschend schwach entwickelt, wie Daten vom Montag zeigen - ein Rückschlag für Premierministerin Giorgia Meloni, die zudem mit anhaltend hoher Inflation umgehen muss.

EURACTIV mit Reuters
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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte zwischen April und Juni auf vierteljährlicher Basis um 0,3 Prozent und stieg im Jahresvergleich um 0,6 Prozent, so das nationale Statistikamt ISTAT. Eine Reuters-Umfrage unter Analysten hatte einen gleichbleibenden Wert gegenüber dem Vorquartal und einen Anstieg von 0,9 Prozent im Jahresvergleich vorausgesagt. [Bartolomiej Pietrzyk/Shutterstock]

Italiens Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal überraschend schwach entwickelt, wie Daten vom Montag zeigen – ein Rückschlag für Premierministerin Giorgia Meloni, die zudem mit anhaltend hoher Inflation umgehen muss.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Italiens schrumpfte zwischen April und Juni gegenüber dem vorigen Quartal um 0,3 Prozent, stieg im Jahresvergleich aber um 0,6 Prozent, wie das nationale Statistikamt ISTAT am Montag (31. Juli) mitteilte.

Eine Reuters-Umfrage unter Analysten hatte einen gleichbleibenden Wert gegenüber dem Vorquartal und einen Anstieg von 0,9 Prozent im Jahresvergleich vorausgesagt.

Die schwächelnde Wirtschaft dürfte es der Regierung erschweren, ihr erklärtes Ziel einer Wachstumsrate von einem Prozent in diesem Jahr zu erreichen, auch wenn das Finanzministerium erklärte, das Ziel sei „immer noch voll in Reichweite.“

Die Regierung fügte hinzu, sie werde weiter daran arbeiten, die Gelder aus dem Corona-Wiederaufbaufonds der EU freizugeben und die Inflation zu senken.

Die Zahlen werfen auch einen Schatten auf den Bankensektor des Landes, in dem die beiden größten Kreditinstitute – Intesa Sanpaolo und UniCredit – in der vergangenen Woche weit über den Erwartungen liegende Gewinne verzeichneten, was auch auf die niedrigen, beziehungsweise im Falle der UniCredit nicht vorhandenen, Rückstellungen für Kreditverluste zurückzuführen ist.

ISTAT nahm in seiner vorläufigen BIP-Schätzung für das zweite Quartal keine Aufschlüsselung nach Sektoren vor, teilte aber mit, dass die Produktion in der Industrie und der Landwirtschaft zurückgegangen sei, während der Dienstleistungssektor geringfügig gewachsen sei.

In den vergangenen Wochen hatte die Regierung erklärt, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um mindestens 1,2 Prozent wachsen könnte, da ein positiver Trend im Dienstleistungssektor, angetrieben durch die boomende Tourismusbranche, ausreichen würde, um die allgemein erwartete Verlangsamung der Produktionstätigkeit auszugleichen.

„Italien ist ein fortgeschrittenes Industrieland, und die Schwäche der Industrie ist für die Gesundheit der Wirtschaft viel wichtiger als der Tourismussektor“, sagte Lorenzo Codogno, Leiter von LC Macro Advisors und ehemaliger Chefökonom des italienischen Finanzministeriums.

Laut ISTAT verlangsamte sich die jährliche Inflation im Juli auf 6,4 Prozent gegenüber 6,7 Prozent im Juni, basierend auf EU-harmonisierten Verbraucherpreisen.

Der jährliche Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, Haushaltswaren und Körperpflege lag bei 10,4 Prozent und damit weitgehend auf dem Niveau des Vormonats und über 50 Prozent höher als der Gesamtindex.

Um den Ärmsten zu helfen, hofft die Regierung, diese Woche eine Vereinbarung mit den Supermärkten und den Herstellern bekannt zu geben, um die Preise für wichtige Konsumgüter in den letzten drei Monaten des Jahres zu kontrollieren.