Russland plant Alternativroute für Gaspipeline Southstream

Einem russischen Medienbericht zufolge könnte es eine Veränderung in der Route der Gaspipeline South Stream geben. Demnach könnte das Lieblingsprojekt des Kreml nicht wie ursprünglich geplant durch Bulgarien, Serbien, Slowenien und Ungarn verlaufen, sondern durch Griechenland und die Türkei. Von dort soll das Gas dann Italien und Österreich erreichen. EURACTIV Brüssel berichtet.

EURACTIV.com
Es ist unklarer denn je, welche Transitländer die Gaspipeline South Stream durchqueren wird. Foto: Steffen Sameiske (CC BY-NC-SA 2.0)
Es ist unklarer denn je, welche Transitländer die Gaspipeline South Stream durchqueren wird. Foto: Steffen Sameiske (CC BY-NC-SA 2.0)

Einem russischen Medienbericht zufolge könnte es eine Veränderung in der Route der Gaspipeline South Stream geben. Demnach könnte das Lieblingsprojekt des Kreml nicht wie ursprünglich geplant durch Bulgarien, Serbien, Slowenien und Ungarn verlaufen, sondern durch Griechenland und die Türkei. Von dort soll das Gas dann Italien und Österreich erreichen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die russische Wirtschaftszeitung Wzglyad veröffentlichte am Montag einen Artikel über diesen angeblichen „Plan B“ der russischen Betreiberfirma Gazprom. Dieser soll umgesetzt werden, falls Bulgarien weiterhin den Bau der Gaspipeline South Stream blockiert.  

Die seit dem 6. August amtierende bulgarische Übergangsregierung stoppte den South Stream-Bau. Damit folgte sie den Anweisungen der EU-Kommission aus Brüssel. Sie will ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Bulgarien verhängen, wenn das Land sein bilaterales Abkommen mit Russland für den Bau der Pipeline nicht neu verhandelt. Die bisherige Vereinbarung verstoße gegen EU-Recht. 

Dem Wzglyad-Artikel zufolge deutete Präsident Wladimir Putin bereits am 24. Mai bei einem Treffen mit Medienvertretern einen anderen Routenverlauf für South Stream an. In dem Artikel wird auch der türkische Energieminister Taner Y?ld?z mit den Worten zitiert, Ankara würde es South Stream erlauben, türkisches Territorium im Schwarzen Meer zu durchqueren. Die ursprüngliche Planung sah Bulgarien als Transitland vor.

Dennoch geht aus russischen Kreisen hervor, dass die neuen Planspiele nicht Moskaus bevorzugte Lösung sind. Die türkische Route ist länger und Serbien und Ungarn werden mit ihr nicht erreicht. 

Gute Partner

Russland betrachtet die Türkei als „guten Partner“. Der frühere Ministerpräsident Recep Tayyip Erdo?an, der vor kurzem zum Präsidenten gewählt wurde, wird als „zynischer Pragmatiker“ beschrieben. Griechenland hingegen gilt als Land, in dem soziale Unruhen hochkochen. „Die Versuche, Griechenland ohne Geld, ohne Landwirtschaft [Ergebnis der russischen Gegensanktionen] und ohne Gas zu lassen, werden massive soziale Unruhen auslösen“, so der Artikel.  

Bulgarien, Rumänien, Serbien und Ungarn gelten in dem Artikel als größte Verlierer des Alternativplans. Im Falle einer ständigen Blockierung des ukrainischen Gastransportsystems würde Russland angeblich kein Gas mehr an diese Länder liefern können.  

Nach Angaben des Artikels würde Russland weiterhin den ursprünglichen Plan bevorzugen. Für den Fall einer weiteren Unterdrucksetzung Bulgariens durch die Kommission, den Bau der Pipeline zu stoppen, scheint die Alternative eine brauchbare Option zu sein. Zusammenfassung des Artikels: „Wir müssen uns sehr glücklich schätzen, dass Russland einen funktionierenden Ersatzplan für die Gaslieferungen nach Süd – und Mitteleuropa hat.“

Konkurrenz für das TANAP-Projekt

Sollte sich Gazprom für die Türkei und Griechenland als Transitländer für die South Stream-Pipeline entscheiden, würde das Projekt dem TANAP-TAP-Vorhaben sehr nahe kommen. Dabei soll der Bau einer Gaspipeline durch die Territorien derselben Länder den Transport aserbaidschanischen Gases nach Italien ermöglichen. Die transanatolische Gaspipeline soll in Aserbaidschan beginnen und die Türkei durchqueren. Anschließend wird die mit TANAP verbundene 870 Kilometer lange TAP-Pipeline das Gas über Griechenland, Albanien und einen Meeresabschnitt nach Italien transportiert. Ein von der norwegischen BP und der aserbaidschanischen SOCAR angeführtes Konsortium will die Pipeline bauen. 

Die TAP-Planung befindet sich in fortgeschrittenem Stadium und der Baubeginn ist für 2016 geplant. 

Auf Anfrage von EURACTIV konnte die Kommission die Berichte nicht bestätigen, wonach Nichtregierungsorganisation für die Verzögerung des TAP-Projekts Geld aus Russland bekommen haben.