Schweden: Größte Lagerstätte von Seltenen Erden in Europa entdeckt
Das staatliche schwedische Bergbauunternehmen LKAB teilte am Donnerstag (12. Januar) mit, dass es in der Region Kiruna im äußersten Norden des Landes mehr als 1 Million Tonnen Seltene Erden gefunden hat, das größte bekannte Vorkommen dieser Art in Europa.
Das staatliche schwedische Bergbauunternehmen LKAB teilte am Donnerstag (12. Januar) mit, dass es in der Region Kiruna im äußersten Norden des Landes mehr als 1 Million Tonnen Seltene Erden gefunden hat, das größte bekannte Vorkommen dieser Art in Europa.
Seltene Erden sind für viele High-Tech-Herstellungsprozesse unerlässlich und werden in Elektrofahrzeugen, Windturbinen, tragbarer Elektronik, Mikrofonen und Lautsprechern verwendet.
„Dies ist eine gute Nachricht, nicht nur für LKAB, die Region und die schwedische Bevölkerung, sondern auch für Europa und das Klima“, sagte Jan Moström, CEO von LKAB, in einer Erklärung.
„Es könnte ein wichtiger Baustein für die Produktion von kritischen Rohstoffen werden, die für einen umweltfreundlichen Übergang unerlässlich sind“, sagte er.
Die neu entdeckte Lagerstätte mit dem Namen „Per Gejer“ befindet sich in unmittelbarer Nähe der Eisenmine von LKAB in Kiruna, die die größte der Welt ist.
LKAB hat bereits damit begonnen, in der bestehenden Mine in Kiruna einen mehrere Kilometer langen Stollen in einer Tiefe von etwa 700 Metern in Richtung der neuen Lagerstätte anzulegen, um diese in der Tiefe und im Detail untersuchen zu können.
Die Seltenen Erden in „Per Geijer“ kommen zusammen mit Phosphor im Mineral Apatit vor, das in erster Linie ein Eisenerzvorkommen ist und daher als Nebenprodukt gewonnen werden kann. Dadurch ergeben sich auch ganz andere Gelegenheiten für einen möglichen wettbewerbsfähigen Abbau.
LKAB plant in der nordschwedischen Stadt Luleå einen zirkulären Industriepark mit einer neuen Technologie für die Gewinnung und Verarbeitung von Phosphor, Seltenen Erden und Fluor auf der Grundlage der heute bestehenden Bergbauproduktion.
„Anstatt das Material zu deponieren, kann es dort zur Herstellung neuer, nachhaltiger Produkte verwendet werden. Der Produktionsstart ist für 2027 geplant“, sagt Leif Boström, Senior Vice President, Business Area Special Products, LKAB.
Seltene Erden werden derzeit in Europa nicht abgebaut, so dass die Region auf Importe aus anderen Ländern angewiesen ist. Es wird jedoch erwartet, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien steigen wird.
Allerdings könnte sich der Abbau und die chemische Aufbereitung der Seltenen Erden als schwierig erweisen. Europa hat hier in den letzten Jahrzehnten einiges an Kompetenz eingebüßt. Über 90 Prozent der Seltenen Erden werden derzeit in China raffiniert, selbst wenn sie in anderen Ländern wie beispielsweise der USA abgebaut werden.
Zudem weist der Abbau auch ein gewisses Gefährdungspotenzial auf.
“Ein bottle neck ist hier, dass in den letzten 10-20 Jahren in Europa nur bedingt in die Technologie investiert wurde, da diese gewisses Gefährdungspotential aufweist – und das möchte man nicht unbedingt im Land haben”, sagte Urs Peuker, Lehrstuhlinhaber an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in einer Stellungnahme.
Schweden zeigt sich derweil zuversichtlich.
„Die Elektrifizierung, die Selbstversorgung der EU und die Unabhängigkeit von Russland und China werden in der Mine beginnen“, sagte die schwedische Ministerin für Energie, Wirtschaft und Industrie Ebba Busch in der Erklärung.
Schweden hat derzeit den rotierenden Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne und gilt als ein Land, das eine Schlüsselrolle in der EU-Strategie zur Selbstversorgung mit wichtigen Mineralien spielt.
Die Europäische Kommission betrachtet Seltene Erden als eine der wichtigsten Ressourcen für die Region. Die überwiegende Mehrheit der Seltenen Erden wird derzeit in China abgebaut.
Doch bis zum Abbau der Lagerstätte in Schweden ist es ein langer Weg.
LKAB plant, im Jahr 2023 einen Antrag auf eine Abbaugenehmigung einzureichen, fügt aber hinzu, dass es noch mindestens 10-15 Jahre dauern wird, bis das Unternehmen mit dem Abbau der Lagerstätte und der Verschiffung auf den Markt beginnen kann.
Das Genehmigungsverfahren für neue Minen ist in Skandinavien langwierig und anspruchsvoll, da der Betrieb oft das Risiko birgt, die Wasserressourcen und die biologische Vielfalt in den Gebieten, in denen sie sich befinden, zu beeinträchtigen.
Erik Jonsson, leitender Geologe in der Abteilung für Mineralressourcen des Geologischen Dienstes Schwedens, sagte außerdem, dass Europa derzeit nicht über ausreichende Kapazitäten zur Verarbeitung von Seltener Erden und zur Herstellung von Zwischenprodukten verfügt.
„Wir müssen uns also auf die gesamte Wertschöpfungskette dieser Metalle konzentrieren, auf Produkte wie hocheffiziente Magnete, die wir für Windturbinen oder Antriebsmotoren in Elektrofahrzeugen usw. verwenden wollen“, so Jonsson.