Seeverkehr zweite Wahl trotz EU-Förderung

Der Seeverkehr ist eine saubere Alternative zum Straßentransport. Doch obwohl sich Brüssel bemüht, den Handel über das Wasser zu fördern, stagniert der Marktanteil innerhalb der EU seit 15 Jahren. EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV.fr
74 Prozent der Importe und Exporte der EU werden über das Meer transportiert. Foto: [Adam Jenkins/Flickr]
74 Prozent der Importe und Exporte der EU werden über das Meer transportiert. Foto: [Adam Jenkins/Flickr]

Der Seeverkehr ist eine saubere Alternative zum Straßentransport. Doch obwohl sich Brüssel bemüht, den Handel über das Wasser zu fördern, stagniert der Marktanteil innerhalb der EU seit 15 Jahren. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Schifffahrt ist weiterhin zweite Wahl. Noch immer ist die Straße der wichtigste Transportweg für die Kurzstreckenlogistik in Europa. Dabei sind die Vorteile für die Umwelt eindeutig.

Seit 2001 bemüht sich die EU intensiv, den Frachtverkehr von den Straßen fernzuhalten. Dennoch bleibt der Marktanteil des Seeverkehrs unverändert

Langsamer Prozess

Rund 45 Prozent aller in der EU gehandelten Güter werden auf Straßen transportiert. Der Anteil der Transporte über das Meer liegt bei etwas unter 40 Prozent. Der Schienenverkehr und der Flussverkehr machen den Rest des Marktes aus.

„Die Umstellung auf sauberen Transport ist eine der Prioritäten der europäischen Verkehrs- und Beförderungspolitik. Aber die Ziele wurden noch nicht erreicht“, sagt Eric Banel vom Verband der französischen Reeder.

Antidia Citorès von Surfrider, einer Nichtregierungsorganisation für den Küstenschutz, meint: „Trotz gewisser Nachteile ist der Seeverkehr am saubersten, was die CO2-Emissionen angeht“.

Die EU-Erweiterung könnte einer der Gründe für die Stagnation des Seeverkehr-Sektors sein. „Die Stagnation des Marktanteils der Seeschifffahrt gründet auch auf der EU-Osterweiterung. Da sind Länder beigetreten, die größtenteils keinen Meereszugang haben“, so Jean-Marie Millour von der Organisation Short Sea Promotion Centre.

Den gleichbleibenden Markanteil für den Seeverkehr könnte man diesem Zusammenhang also als relativen Erfolg für die Europapolitik verbuchen.

Zu den Herausforderungen für den Kurzstreckenseeverkehr zählt auch seine niedrige Position auf der politischen Agenda. „Leider steht der Seeverkehr auf der Liste der politischen Prioritäten nicht weit oben“, sagt Millour. „Der Großteil der Subventionen für die europäische Verkehrsinfrastruktur werden vom Schienensektor geschluckt“.

Externe Kosten

Der Straßenverkehr ist für Frachttransporte immer noch die Nummer eins in der EU – trotz seiner schlechten CO2-Bilanz. Der Sektor hat gegenüber seinen Mitbewerbern einen Vorteil. Er bezahlt nicht direkt für den Gebrauch der Infrastruktur, die Umweltverschmutzung oder die Unfälle, die er verursacht.

„Wir haben immer noch keinen Weg gefunden, den wahren Mehrwert durch den Seeverkehr zu bewerten. Die EU hat das Thema noch nicht angegangen“, sagt Banel.

Öko-Steuer vs. Öko-Bonus

Doch es geht nicht nur darum, dass die Politiker die Vorteile des Seeverkehrs nicht anerkennen. Auch die Vorzugsbehandlung des Straßentransport-Sektors ist ein Nachteil. „Wir können sagen, dass eher der Straßenverkehr gefördert wird, als dass der Seeverkehr abgeschreckt wird“, sagt Dominique Riquet, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Europaparlament.

Doch Pläne für eine Internalisierung der Kosten der Straßenverkehrsindustrie machen in Europa Fortschritte. Dabei geht es um zusätzliche Öko-Steuern für den Schwerlastverkehr.

Die französische Regierung entschied sich aber, ihr Ökosteuer-Projekt aufzugeben. Das hatte sofort negative Folgen für die wirtschaftlich gebeutelten Seefracht-Routen: Die Verbindung zwischen dem französischen Hafen Nantes Saint-Nazaire und dem spanischen Hafen Gijón wurde eingestellt, kurz nachdem die Steuer verworfen wurde. Ein Wettbewerb mit dem Straßenverkehr als billigere Alternative war unmöglich geworden. „Und es gibt andere Beispiele in anderen Ländern“, meint Millour.

Blue Belt

Mit dem „Blue Belt“-Projekt von 2013 will die Kommission eine EU-weite Zollunion für den Schiffsverkehr installieren. Denn die Komplexität der Zollverfahren ist einer der Faktoren, die die Entwicklung des Sektors bremsen.

„Heute von einem europäischen Land zum anderen zu gelangen ist verwaltungstechnisch beinahe so kompliziert, wie eine Reise von Europa nach China“, so Millour.

Im Gegensatz zu den Landgrenzen werden die Seegrenzen zwischen den Mitgliedsstaaten weiterhin sehr genau von den verschiedenen Zolldiensten kontrolliert. Der Kommission zufolge ist diese zusätzliche Verkomplizierung wie „Engstellen, die die Entwicklung des Seeverkehrs behindern“.