Situation der Frauen in der Türkei: Schwarz oder weiß? [DE]
Die Stellung der Frau in der Türkei ist selbst am Weltfrauentag ein strittiges Thema. Doch einige Statistiken geben Anlass zur Hoffnung.
Die Stellung der Frau in der Türkei ist selbst am Weltfrauentag ein strittiges Thema. Doch einige Statistiken geben Anlass zur Hoffnung.
Kurz vor dem Weltfrauentag am 8. März forderte Vladimir Spidla, Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, einen „grundsätzlichen Mentalitätswandel“ in der Türkei und sprach hierbei insbesondere die Wahrnehmung der Rolle der Frau an.
Während seines Besuches in Ankara, welcher zufällig auf den 8. März fiel, stellte Vladimir Spidla fest, dass die Türkei zwar „riesige Fortschritte“ bezüglich der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau gemacht habe, dass Frauen aber immer noch mit großen Problemen zu kämpfen hätten, wie z.B. Diskriminierung, häusliche Gewalt, einem schlechteren Zugang zu Ausbildung sowie Analphabetismus. Er sagte weiter, dass die Türkei immer noch gegen den „Ehrenmord“ (Ermordung einer Frau, welche angeblich die Ehre der Familie verletzt hat) vorzugehen hätte.
Er betonte, dass die Chancengleichheit eine „Priorität der EU“ sei und stellte gleichzeitig fest, dass der Frauenanteil der Beschäftigten in der Türkei kontinuierlich abnehme. Zurzeit stellen Frauen 24 % der gesamten Arbeitskräfte. Der EU-Durchschnitt liege bei 57 %. Kürzlich veröffentlichte Zahlen zeigen, dass nur 18 % der Frauen zwischen 18 – 24 sich in der Ausbildung befinden. Der EU-Durchschnitt liegt bei 61 %.
Laut Informationen vom Verein der Türkischen Industriellen und Unternehmer (TÜSIAD), sei die Situation der Frauen in der Türkei, jenseits der Klischees, eine Erfolgsstory für Europa. Aufgrund eines Unternehmerführungs-Programms seien 14 % aller selbstständigen Unternehmer Frauen. Im Vergleich hierzu sind nur 7 % aller deutschen Frauen selbstständig. Weiterhin stellen Frauen in der Türkei heute 36 % der Akademiker, 33 % der Architekten, 29 % der Rechtsanwälte, 32 % der Wirtschaftswissenschaftler und 21 % der Leiter auf mittlerer und höherer Ebene öffentlicher Behörden.