Slowakische Abhängigkeit von Energieimporten wird statistisch unterschätzt
Laut Analyst:innen ist die Energieabhängigkeit der Slowakei weit höher als gedacht, denn die Eurostat-Daten aus dem Jahr 2020, wonach die Slowakei 56 Prozent ihres Bedarfs importiert, berücksichtigen die Atomkraft nicht.
Laut Analyst:innen ist die Energieabhängigkeit der Slowakei weit höher als gedacht, denn die Eurostat-Daten aus dem Jahr 2020, wonach die Slowakei 56 Prozent ihres Bedarfs importiert, berücksichtigen die Atomkraft nicht. Tatsächlich dürfte sich die Energieabhängigkeit des Landes auf über 80 Prozent belaufen.
Den Analyst:innen der VÚB Bank zufolge sollte der Kernbrennstoff bei der Berechnung der gesamten Energieabhängigkeit des Landes mit einbezogen werden.
Einschließlich der Atomkraft – für die die Slowakei vollständig von Russland abhängig ist – importiert das Land 81 Prozent seines Energiebedarfs, womit es nach Malta (98 Prozent), Zypern (92 Prozent), Luxemburg (91 Prozent) und Griechenland (81 Prozent) das fünftabhängigste EU-Land ist.
Ohne Kernenergie liegt die Zahl bei 56 Prozent und damit zwei Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt (58 Prozent). Die Abhängigkeit steigt, wenn man den aus Atomkraft erzeugten Strom in Tschechien (von 39 auf 58 Prozent) und Ungarn (von 57 auf 72 Prozent) mitzählt.
Die Slowakei importiert jedoch den größten Teil ihrer Energie aus Russland, wobei die Kernenergie etwa ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs ausmacht, sagte der Chefökonom der VÚB, Zdenko Štefanides.
Dreizehn EU-Länder verfügen über Atomkraftanlagen. In der Slowakei befinden sich derzeit zwei Reaktoren, einer in Jaslovské Bohunice und einer in Mochovce, in Betrieb. Ein dritter in Mochovce soll noch in diesem Jahr ans Stromnetz angeschlossen werden, ein vierter zwei Jahre später.
Nach Kriegsbeginn sicherte sich das Wirtschaftsministerium bei dem russischen Staatsunternehmen TVEL ausreichend Kernbrennstoff für das nächste Jahr. Der Brennstoff wird speziell für Reaktoren aus russischer Produktion hergestellt, und es wird nicht leicht sein, den Lieferanten zu ersetzen. Die Slowakei hat mit TVEL einen Vertrag über vier weitere Jahre abgeschlossen.
Das Ministerium hat Verhandlungen mit dem US-Lieferanten Westinghouse aufgenommen, der den von den slowakischen Kernkraftwerken benötigten Brennstoff derzeit nicht herstellt und zudem teurer wäre.