Slowakische Landwirte fürchten trotz Rekordgewinnen Importe aus Ukraine
Der slowakische Agrarsektor erzielte 2022 mit 346,5 Millionen Euro Rekordgewinne, doch die Landwirte befürchten nach wie vor das "endgültige Ende" ihrer Betriebe, wenn die Regierung das ukrainische Getreide nicht aus ihrem Land fernhält.
Die slowakische Landwirtschaft erzielte 2022 mit 346,5 Millionen Euro Rekordgewinne. Trotzdem befürchten die Landwirte in die Insolvenz zu schlittern, sollte die Regierung die Einfuhr von zollfreiem ukrainischem Weizen nicht verhindern.
Die Gewinne der Landwirte haben sich im Vergleich zu 2021 fast verdoppelt und gegenüber dem Fünfjahreszeitraum von 2017 bis 2021 fast verdreifacht. Die Einnahmen aus pflanzlichen Erzeugnissen stiegen im ersten Jahr nach der russischen Invasion in die Ukraine um 16 Prozent, doch die Landwirte sind weiterhin besorgt über die Zukunft ihres Geschäfts.
Weil übliche Exportwege für ukrainische Produkte durch Russland blockiert werden, hatte die EU Zölle auf die Einfuhr ukrainischen Getreides abgeschafft, um den Transit nach Afrika zu ermöglichen. Trotzdem gelangten zollfreie ukrainische Landwirtschaftsprodukte oft auf EU-Märkte, wo sie die Preise einheimischer Erzeuger unterboten, woraufhin die EU den Verkauf von ukrainischem Getreide übergangsweise verbot.
Obwohl diese Regelung nun ausgelaufen ist, erhalten die Slowakei, Polen und Ungarn sie weiter aufrecht.
„Wir grenzen direkt an die Ukraine, und die Getreideproduktion ist einer unserer wichtigsten Wettbewerbsvorteile. Der Verlust dieses Vorteils könnte das endgültige Ende für den slowakischen Agrarsektor bedeuten“, sagt Emil Macho, der Vorsitzende der slowakischen Landwirtschafts- und Lebensmittelkammer. Er begrüßte die Entscheidung der Regierung, das Einfuhrverbot für Weizen, Mais, Raps und Sonnenblumenkerne aus der Ukraine zu verlängern.
Das seit April geltende Verbot wird von allen wichtigen politischen Parteien in der Slowakei, nachdrücklich unterstützt. Diese müssen sich am 30. September den Parlamentswahlen stellen. Es wird vermutet, dass auch die künftige Regierung das Verbot beibehalten wird.
Die slowakischen Landwirte werden außerdem mit einem Hilfspaket in Höhe von 15,7 Millionen Euro unterstützt, wovon ein Drittel aus dem EU-Agrarreservefonds stammt.
Als Reaktion auf das anhaltende Einfuhrverbot hat die Ukraine bei der Welthandelsorganisation (WTO) eine Klage gegen die Slowakei, Polen und Ungarn eingereicht. Der slowakische Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Jozef Bíreš, will Gespräche mit seinem ukrainischen Amtskollegen aufnehmen, um die Handelsbeschränkungen anzusprechen und mögliche Lösungen zu sondieren.
„Ich möchte eine sehr faire Einigung mit meinem ukrainischen Kollegen erreichen, sodass selbst die Andeutung von rechtlichen Schritten oder Beschränkungen des bilateralen Handels ausgeschlossen ist“, sagte Bíreš. Er fügte hinzu, dass die Slowakei ein Lizenzsystem für importiertes Getreide, welches die Ukraine als Kompromisslösung vorgeschlagen hatte, „testen“ müsse.