South Stream - ein pan-europäisches Projekt?

Deutsche Firmen zeigen verstärktes Interesse am Gaspipeline-Projekt South Stream. Sollten sie sich dem Projekt anschließen, werde dieses "wirklich gesamteuropäisch", erklärt Wladimir Putin. Die von der EU unterstützte Pipeline Nabucco steht weiter auf der Kippe.

Sollten sich deutsche Firmen dem South Stream-Projekt anschließen, werde dieses „wirklich international und gesamteuropäisch“, so Wladimir Putin (R). Foto: dpa
Sollten sich deutsche Firmen dem South Stream-Projekt anschließen, werde dieses "wirklich international und gesamteuropäisch", so Wladimir Putin (R). Foto: dpa

Deutsche Firmen zeigen verstärktes Interesse am Gaspipeline-Projekt South Stream. Sollten sie sich dem Projekt anschließen, werde dieses „wirklich gesamteuropäisch“, erklärt Wladimir Putin. Die von der EU unterstützte Pipeline Nabucco steht weiter auf der Kippe.

Deutsche Unternehmen und Rumänien bekunden Interesse an einer Beteiligung am Gaspipeline-Projekt South Stream. Das teilte Gazprom-Chef Alexej Miller am Freitag bei einem Treffen mit Russlands Premier Wladimir Putin mit.

"Wir sehen Interesse neuer Teilnehmer für das Projekt, auch bei unseren traditionellen Partnern, beispielsweise bei deutschen Gesellschaften", sagte Miller. "Wenn Teilnehmer aus anderen Ländern kommen, so wird es zweifellos umso mehr zu einem pan-europäischen Projekt. Wir sehen auch Interesse von Rumänien für dieses Projekt."

"Wenn das geschieht und wenn sie sich dem Projekt anschließen, wird dieses wirklich international und gesamteuropäisch im eigentlichen Sinne des Wortes", erklärte Putin. "Wir haben dort bereits italienische und französische Firmen dabei, jetzt zeigen auch schon deutsche Firmen Interesse." Berichten zufolge hat Gazprom Gespräche mit BASF aufgenommen.

Lieferzusagen für Nabucco fehlen

Wegen laufender Verhandlungen mit Aserbaidschan wird sich die Investitionsentscheidung für das von der EU favorisierte Konkurrenzprojekt Nabucco auf 2011 verschieben. Dies erklärte ein Sprecher des Energieversorgers RWE. Es fehlt noch an festen Lieferzusagen der Förderländer im kaspischen Raum. Die EU fördert die Pipeline im Rahmen eines EU-Konjunkturprogramms mit 200 Millionen Euro.

Der beim österreichischen Energieunternehmen OMV für internationale Pipelineprojekte zuständige Michael Ulbrich sagte dem Standard: "Dieses Jahr schaffen wir das sicher nicht mehr, es wird 2011 werden." Aserbaidschan, das für die Grundauslastung der im Endausbau 31 Milliarden Kubikmeter fassenden Röhre sorgen soll, sei interessiert, die einseitige Ausrichtung seiner Gasexporte nach Russland aufzuheben. Die Gespräche seien aber anspruchsvoll und erforderten mehr Zeit.

Über die Gaspipeline South Stream sollen europäische Länder mit russischem Gas versorgt werden. Der Strang wird dabei streckenweise auf dem Grund des Schwarzen Meeres verlegt. Nabucco soll Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Derzeit deckt Gazprom zum Beispiel rund 37 Prozent der deutschen Gasnachfrage. South Stream würde die europäische Abhängigkeit dagegen noch festigen. Experten bezweifeln, dass beide Pipelines gleichzeitig wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Nabucco für andere Aktionäre offen

Mitte dieses Jahres hatten deutsche Medien berichtet, dass Gazprom dem Konzern RWE, einem der Aktieninhaber der Gaspipeline-Projekts Nabucco, angeboten hat, sich dem Konkurrenzprojekt South Stream anzuschließen (EURACTIV.de vom 19. Juli 2010). Ein RWE-Sprecher bestätigte damals dahingehende Gespräche. Der Chef von Gazprom-Export, Alexander Medwedew, dementierte diese Berichte dann. Nach seinen Worten sei das Projekt für andere Aktionäre offen, ein besonderer Bedarf dafür bestehe aber nicht.

Anfang September erörterten Miller und der Vorstandschef der Wintershall Holding AG, Rainer Seele, in Moskau "Perspektiven einer gemeinsamen Beteiligung von Gazprom und Wintershall Holding an neuen größeren Investitionsprojekten von gemeinsamem Interesse". Danach tauchten inoffizielle Informationen auf, wonach sich Wintershall mit 10 bis 20 Prozent am South-Stream-Projekt beteiligen könnte.

South Stream läuft nach Plan

Derzeit beteiligen sich Gazprom und die italienische Gesellschaft Eni mit jeweils 50-prozentigen Anteilen am South-Stream-Betreiber. Außerdem wurde ein Memorandum unterzeichnet, wonach die Italiener zehn Prozent von ihren Anteilen bis zum Jahresende an den französischen Konzern EdF abtreten sollen.

"Insgesamt verläuft die Arbeit am Projekt nach Zeitplan", so Gazprom-Chef Miller am Freitag. "Wir sind bereit, 2013 mit dem Bau zu beginnen und ab Ende 2015 Gas über die South-Stream-Pipeline an unsere Abnehmer zu liefern."

dto

Links / Dokumente

DerStandard: Gaskonsorten können erst 2011 über Nabucco urteilen (7. Oktober 2010)

South Stream: Website

Nabucco: Website

EURACTIV.de: Putin: "Nabucco hat wenig Erfolgschancen" (7. September 2010)

EURACTIV.de: Ukraine will Russland von South Stream abbringen (6. August 2010)

EURACTIV.de: Oettinger: Marktanteil Russlands steigt erheblich (30. Juli 2010)

EURACTIV.de: South Stream punktet im Wettlauf mit Nabucco (19. Juli 2010)

EURACTIV.de: Kasachstan kritisiert Untätigkeit der Europäer bei Nabucco (19. Juli 2010)

EURACTIV.de: Gazprom will Nabucco-Konsortium sprengen (12. Juli 2010)

EURACTIV.de:  Slowenien steigt bei South Stream ein (16. November 2009)