Streit zwischen Bulgarien und Nordmazedonien flammt wieder auf

Der Streit zwischen Bulgarien und Nordmazedonien scheint ein weiteres Mal zu eskalieren. Dabei werfen sich Politiker der beiden Länder gegenseitig vor, russischen Interessen "zu dienen".

EURACTIV.bg
Bulgarian Foreign Minister Ekaterina Zaharieva speaks during an interview with EFE
"Präsident Stevo Pendarovski schützt nicht die Interessen seines Heimatlandes, sondern dient der Politik Serbiens und Russlands auf dem Balkan. Mit seinen Äußerungen behindert er die Entwicklung der Beziehungen zwischen Sofia und Skopje", sagte Zaharieva in einem Interview mit der bulgarischen Nachrichtenagentur BGNES. [EPA-EFE/VASSIL DONEV Spacial for EFE]

Der Streit zwischen Bulgarien und Nordmazedonien scheint ein weiteres Mal zu eskalieren. Dabei werfen sich Politiker der beiden Länder gegenseitig vor, russischen Interessen „zu dienen“.

Die Beziehungen zwischen Bulgarien und Nordmazedonien befinden sich derzeit auf einem Tiefstand. Sofias Forderung nach einer Verfassungsänderung gilt in Nordmazedonien als bittere Pille, die man gezwungen ist zu schlucken. Nun gewinnt der Streit allerdings eine neue Qualität.

Vor zwei Tagen gab der mazedonische Präsident Stevo Pendarovski nach einer Sitzung des nordmazedonischen Sicherheitsrates bekannt, dass er der Regierung einen Vorschlag unterbreitet habe, einem Europaabgeordneten und mehreren anderen Personen, die im Verdacht stehen, mit russischen Geheimdiensten in Verbindung zu stehen, die Einreise nach Nordmazedonien zu verweigern.

„Es wird erwartet, dass eine organisierte Gruppe am 4. Februar in Skopje eintreffen wird, um den Geburtstag von Gotse Delchev zu feiern. Die Gruppe wird versuchen, die Sicherheit zu stören, um das Land und die Beziehungen zu Bulgarien zu destabilisieren“, sagte er.

Diese Nachricht kam in Bulgarien nicht gut an.

„Präsident Stevo Pendarovski schützt nicht die Interessen seines Heimatlandes, sondern dient der Politik Serbiens und Russlands auf dem Balkan. Mit seinen Äußerungen behindert er die Entwicklung der Beziehungen zwischen Sofia und Skopje“, sagte Bulgariens ehemalige Außenministerin Ekaterina Zaharieva in einem Interview mit der Nachrichtenagentur BGNES.

„Bulgarien muss sehr deutlich und scharf auf die Äußerungen von Präsident Stevo Pendarovski reagieren. Leider ist dies nicht das erste Mal, dass er scharfe Erklärungen abgibt, die der Entwicklung der bilateralen Beziehungen nicht zuträglich sind“, so Zaharieva.

Sie berief eine Sitzung des Parlamentsausschusses für Außenbeziehungen ein, um den bulgarischen Botschafter in Skopje, Angel Angelov, zu hören.

Pendarovski nannte keine Namen von Bulgaren, aber die mazedonische Oppositionspartei Die Linke veröffentlichte eine Liste mit sechs Personen, die Skopje zur Persona non grata erklären sollte.

Darunter sind die Europaabgeordneten Angel Dzhambazki und Andrey Kovachev, der Vorsitzende der VMRO Krasimir Karakachanov, Aktivisten der bulgarischen pro-russischen populistischen Partei „Vazrazhdane“ sowie der bulgarische Geschäftsmann Milen Vrabevski, der den bulgarischen Club in Ohrid finanziert hat.

Dzhambazki löste daraufhin in den sozialen Medien Empörung aus, indem er vermeintliche Drohungen gegen den mazedonischen Präsidenten aussprach.

„Was bedeutet ein solches Verbot für uns?“ Lassen Sie mich Stevo Pendarovski, genannt Stevo die Komintern, sagen, dass in der Vergangenheit andere versucht haben, VMRO-Führern die Einreise nach Mazedonien zu verbieten, und das letzte derartige Beispiel war mit dem jugoslawischen, serbischen König Aleksandar Karađorđević. Wenn sie versuchen, mir die Einreise nach Mazedonien zu verbieten, sollen sie sich die Geschichte ansehen und daraus lernen“, sagte Dzambaski gegenüber TV Nova.

Karađorđević wurde 1934 während eines Staatsbesuchs in Frankreich von einem bulgarischen Staatsbürger ermordet.

Das mazedonische Außenministerium reagierte auf die Äußerung mit einer Verurteilung und fügte hinzu, es werde mit dem bulgarischen Außenministerium in Kontakt treten.

„In diesem Fall wird das Ministerium auch dem Präsidenten empfehlen, auf seinen Kollegen, Präsident Rumen Radev, angemessen zu reagieren. Drohungen, Drohäußerungen und Ankündigungen sind ein Thema, mit dem sich die Sicherheitsbehörden befassen. Wir erwarten, dass sie die letzten Äußerungen von Dzambaski ernst nehmen und eine angemessene Entscheidung über seinen eingeschränkten Zugang zum Land treffen“, heißt es in der Reaktion.