Thunfisch: Europas Lieblingsfisch im Fangstreit

Der Europäische Gerichtshof hat der EU-Kommission eine Niederlage zugefügt: Brüssel habe eine Beschwerde der französischen NGO BLOOM nicht ausreichend geprüft. Nun steht der Thunfisch erneut im Zentrum des Streits um seine Fangmethoden.

EURACTIV.com
[Oleksandr Rupeta/NurPhoto via Getty Images]

Der Europäische Gerichtshof hat der EU-Kommission eine Niederlage zugefügt: Brüssel habe eine Beschwerde der französischen NGO BLOOM nicht ausreichend geprüft. Nun steht der Thunfisch erneut im Zentrum des Streits um seine Fangmethoden.

Hintergrund ist ein Widerstand der Kommission gegen ein Verbot von Fischsammlern (sogenannte fish aggregating devices, FADs) im Indischen Ozean im Jahr 2023. Das Urteil zwingt die Kommission nun, ihre Linie zu verteidigen – eine Linie, die von der Industrie unterstützt wird. Diese spricht von einem Versuch, europäische Fangflotten aus den Gewässern zu verdrängen.

FADs sind schwimmende Objekte, an denen Taue oder Netze ins Wasser ragen, um Fische anzulocken. Mit großen Ringwadennetzen können diese Schwärme dann eingefangen werden. Diese Fangmethode wird von der europäischen Thunfischflotte – vor allem von französischen und spanischen Schiffen – breit genutzt. Umweltverbände kritisieren jedoch, dass dabei Schildkröten, Haie und Rochen sterben, die Geräte an Strände gespült werden oder Korallenriffe zerstören.

„Ein Moment der Klarstellung“ sei das Urteil, sagte BLOOMs wissenschaftlicher Direktor Frédéric Le Manach nach jahrelangen Kampagnen. Er hoffe, dass die Kommission ihre Position bei den kommenden Sitzungen der Thunfischkommission des Indischen Ozeans (IOTC) ändere.

Thunfisch ist die am meisten konsumierte Fischart in der EU – meist in Dosen. Rund 70 Prozent werden importiert. Ein Großteil des europäischen Fangs aus dem Indischen Ozean wird in Staaten wie den Seychellen verarbeitet, bevor er auf den EU-Markt gelangt.

Die Branche wiegelt ab

Die Thunfischindustrie misst dem Urteil wenig Bedeutung bei. „Die Entscheidung betrifft lediglich ein internes Verfahren der Kommission“, sagte Anne-France Mattlet, Direktorin der Thunfischsparte des Verbandes Europêche. Ringwadenfischerei sei nachhaltig, die EU-Fangregeln – die auch in Drittstaaten gelten – die strengsten der Welt.

Als die IOTC 2023 ein teilweises FAD-Verbot diskutierte, sprach Europêche von einem Versuch, EU-Schiffe ebenso wie jene aus den Seychellen, Mauritius, Oman, Tansania und Korea aus den Gewässern zu drängen. Befürworter des Verbots würden selbst keine FADs einsetzen. „Das war nicht nur unfair, sondern auch praktisch nicht umsetzbar“, sagte Mattlet gegenüber Euractiv.

Die 2024 verabschiedeten neuen IOTC-Regeln sehen Einschränkungen, aber kein generelles Verbot vor – ein Schritt, den die Branche begrüßt. Zudem setze man zunehmend auf nicht-verfangende Geräte. Auch Behauptungen über massenhaften Beifang seien übertrieben, so Mattlet. „Intelligente“ Bojen mit Echoloten könnten sogar helfen, Fehlfänge zu verringern.

Hinsichtlich der Überfischung verwies sie darauf, dass für alle wichtigen tropischen Thunfischarten im IOTC inzwischen Fangquoten gelten.

Umweltstreit geht weiter

BLOOM bleibt skeptisch. „Die europäische Industrie sollte sich nach alternativen Fangmethoden umsehen“, sagte Le Manach und verwies auf das „Free School“-Fischen, bei dem Schiffe Thunfische auf ihren natürlichen Wanderrouten verfolgen und ihre Netze im offenen Wasser auswerfen, anstatt sie mit FADs einzukreisen.

„Europeche beklagt sich ständig, dass es eine Verschwörung gegen die EU-Industrie gibt, um sie überall zu verdrängen, aber das ist die übliche Trump-Rhetorik“, so Le Manach.

Die EU-Kommission hat bis Ende September Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Parallel läuft eine Klage von BLOOM gegen Frankreich wegen dessen Sitz im IOTC. Ein Urteil wird in Paris erwartet.

Der Konflikt zwischen Europêche und BLOOM schwelt seit Jahren. Die Industrie wirft der NGO vor, EU-Institutionen Geld zu schulden und ihre Präsidentin habe von Mandaten für fossile Energiekonzerne profitiert – Anschuldigungen, die BLOOM entschieden zurückweist.

(de, jl)