Tote bei Beschuss von Flüchtlingskonvoi in Ukraine

Bei einem Raketenangriff auf einen Flüchtlingskonvoi im Osten der Ukraine ist am Montag nach Angaben von Militär und Separatisten eine unbekannte Zahl von Menschen getötet worden. Armee und Aufständische wiesen sich gegenseitig die Schuld zu.

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Bei einem Raketenangriff auf einen Flüchtlingskonvoi im Osten der Ukraine ist am Montag nach Angaben von Militär und Separatisten eine unbekannte Zahl von Menschen getötet worden. Armee und Aufständische wiesen sich gegenseitig die Schuld zu.

„Die Wucht der Attacke war so groß, dass die Menschen bei lebendigem Leib in den Fahrzeugen verbrannten – sie konnten sich nicht selbst befreien“, sagte Militärsprecher Anatoli Proschin dem ukrainischen Rundfunksender 112.ua. Die Busse hätten Flüchtlinge aus der Stadt Luhansk transportiert. Ein anderer Militärsprecher erklärte, die Separatisten hätten Grad-Raketen und Mörsergranaten auf die Wagenkolonne abgefeuert. „Wir warten auf Nachricht, wie viele Menschen umgekommen sind“, sagte er. Unter den Toten seien viele Frauen und Kinder.

Die Aufständischen wiesen jede Schuld von sich. „Die Ukrainer selbst bombardieren die Straße dauernd mit Kampfjets und Grads“, sagte der Vize-Ministerpräsident der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Andrej Purgin, der Nachrichtenagentur Reuters. Offenbar hätten die Soldaten dabei nun Zivilisten getötet. „Wir haben nicht die Fähigkeit, Grads in diese Region zu schießen“, sagte Purgin in dem Telefonat.

Militärangaben zufolge wurde der Konvoi in der Gegend um die Orte Chriaschtschuwatje und Nowoswitliwka getroffen. Derzeit fliehen etwa 500 Menschen pro Tag aus Luhansk, der zweiten großen Stadt neben Donezk, die die Separatisten noch unter Kontrolle haben. Armee und Aufständische kämpfen seit Monaten um Luhansk, dessen Einwohner seit zwei Wochen weitgehend von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten sind. Die Regierungstruppen haben Luhansk weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt und in der Stadt einige wichtige Stellungen wieder eingenommen.

Auch andernorts dringt die Armee immer weiter in die Separatistengebiete vor. Soldaten hätten einen Belagerungsring um die von Rebellen besetzte Stadt Horliwka gezogen und einige kleinere Siedlungen übernommen, erklärte das Militär. Horliwka mit seinen mehr als 230.000 Einwohnern ist strategisch wichtig, weil es an der Hauptverbindungsstraße zwischen Donezk und Luhansk liegt. Als Zeichen der Schwäche wurde auch gewertet, dass die Separatisten den Aufbau von Militärtribunalen und die Verhängung der Todesstrafe für Straftaten wie Verrat, Spionage, Sabotage sowie Angriffe auf die Rebellenführung ankündigten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt unterdessen eine Reise nach Kiew. Die Bundesregierung prüfe eine entsprechende Einladung, sagte eine Regierungssprecherin. Am Wochenende hatten sich die Kämpfe in den ostukrainischen Separatisten-Hochburgen Donezk und Luhansk verschärft. Krisengespräche der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Sonntag in Berlin brachten keine greifbaren Fortschritte. Man sei aber übereinkommen, den Dialog in dieser Form fortzusetzen, erklärte das Außenministerium in Moskau. Russlands Außenminister Sergej Lawrow verteidigte den Militäraufmarsch an der Grenze zur Ukraine. „Wir müssen auf der Hut sein, wenn wenige Kilometer von unserer Grenze entfernt ein echter Krieg ausgefochten wird“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Russland erwägt einem Zeitungsbericht zufolge ein teilweises oder vollständiges Importverbot für westliche Fahrzeuge, falls die USA oder die EU ihre Sanktionen verschärfen. Der Vorschlag sei bereits Präsident Wladimir Putin übermittelt worden, berichtete die Zeitung „Wedomosti“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. In Russland produzierte ausländische Fahrzeuge würden nicht betroffen sein. Die Autokonzerne Volkswagen, Ford, Renault, Toyota und Hyundai betreiben Werke in Russland. Im ersten Halbjahr erzielten Importautos der Zeitung zufolge einen Anteil von 27 Prozent am Absatz. Bei Lkw seien es 43 Prozent, bei Bussen 13 Prozent.

Der EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos kündigte derweil ein Hilfspaket von 125 Millionen Euro an, um Obst- und Gemüsebauern zu unterstützen, die von den bisher schon geltenden russischen Sanktionen betroffen sind. Russland hat die Einfuhr fast aller Lebensmittel aus dem Westen verboten.