Troika: Griechenland muss nacharbeiten

Die nächste Milliarden-Tranche aus dem Griechenland-Hilfspaket ist noch nicht freigegeben. Die Geldgeber-Troika aus IWF, EU und EZB haben Griechenland verlassen. Die Regierung soll zunächst ihren Haushalt 2012 ausarbeiten.

Ärger in Athen: Die internationalen Geldgeber von IWF, EU und EZB sind unverrichteter Dinge wieder abgereist. Die griechische Regierung soll zunächst einen Haushalt für 2012 aufstellen. Foto: dpa
Ärger in Athen: Die internationalen Geldgeber von IWF, EU und EZB sind unverrichteter Dinge wieder abgereist. Die griechische Regierung soll zunächst einen Haushalt für 2012 aufstellen. Foto: dpa

Die nächste Milliarden-Tranche aus dem Griechenland-Hilfspaket ist noch nicht freigegeben. Die Geldgeber-Troika aus IWF, EU und EZB haben Griechenland verlassen. Die Regierung soll zunächst ihren Haushalt 2012 ausarbeiten.

Das hoch verschuldete Griechenland muss nachsitzen, bevor es die nächste Tranche aus dem Rettungspaket bekommt. Eine Delegation der Geldgeber des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank (EZB) verließ überraschend Athen und kommt wohl erst Mitte September wieder, wenn die Regierung ihren Haushalt 2012 fertig ausgearbeitet hat. Zudem sollen wachstumsfördernde Strukturreformen vorangetrieben werden, erklärte die sogenannte Troika am Freitag. Denn Griechenland droht wegen der anhaltenden Rezession seine Sparziele zu verfehlen. Dennoch betonte Finanzminister Evangelos Venizelos, er denke vorerst nicht über zusätzliche Maßnahmen nach.

Griechenland war als erstes Euro-Land über seinen Schuldenberg gestolpert und konnte im Mai 2010 nur mit einer Kreditzusage von 110 Milliarden Euro seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds vor der Staatspleite gerettet werden. Als Gegenleistung hat das südeuropäische Land Reformen und einen strikten Sparkurs versprochen. EU, IWF und EZB prüfen regelmäßig, ob die Regierung in Athen ihre Zusagen einhält. Der IWF wollte die jüngsten Beratungen bis zum 5. September abschließen und dann grünes Licht für die nächste Kreditrate geben.

Diplomatisch verpackter Frust

Nun allerdings stocken die Gespräche – ein klares Zeichen, dass es knirscht zwischen den Parteien. Die Troika verpackte es in diplomatische Worte: Die Delegation habe zwar Fortschritte erreicht, aber Athen vorübergehend verlassen, "um es den Behörden zu erlauben, technische Arbeiten abzuschließen, die unter anderem den Haushalt 2012 betreffen und wachstumsfördernde Strukturreformen". Griechenlands Finanzminister Venizelos spielte den Fall herunter und betonte, die Gespräche seien nicht ausgesetzt worden. Am 14. September gehe es in die nächste Runde. Experten sollten bis dahin bestimmte Daten unter die Lupe nehmen.

Kritik hinter den Kulissen

Der Minister signalisierte, dass Griechenland seine Sparziele für 2011 verfehlen werde, da die Wirtschaft um rund fünf Prozent schrumpfen werde und damit stärker als erwartet. Das Land werde wahrscheinlich 2012 in der Rezession bleiben. Hinter den Kulissen gibt es offenbar Streit, warum Griechenland die angepeilte Reduzierung seines Haushaltslochs verpasst. Während die Regierung in Athen dies mit der Konjunkturflaute begründet, sehen EU, IWF und EZB auch Verzögerungen bei den Reformen und mangelnde Umsetzung, erfuhr Reuters aus dem Umfeld der Troika.

Griechenland rechnet einem Regierungsvertreter zufolge 2011 mit einem Defizit von 8,1 bis 8,2 Prozent. Ein Vertreter der Troika sagte: "Das Defizit fällt sicher mindestens einen Prozentpunkt höher aus als das Ziel". Angepeilt waren 7,6 Prozent. Die Euro-Partner haben inzwischen ein zweites Hilfspaket über rund 109 Milliarden Euro für das Land geschnürt.

EURACTIV/rtr

Links


Weitere Beiträge zum Thema auf EURACTIV.de

Langen: Neuer EU-Vertrag nur für die Euro-Zone (2. September 2011)

Fordert die EBA Kapitalspritzen für Banken? (30. August 2011)

Lagarde: "Gefährliche neue Phase" (29. August 2011)

Euro-Rettung: Konstruktionsfehler beim EFSF (25. August 2011)