Tschechischer Gesundheitsminister: Patienten sind Geiseln der Pharmaindustrie

Die Europäische Union sollte Pharmaunternehmen aus Sicht des tschechischen Gesundheitsministers Vlastimil Válek zur Lagerhaltung von Medikamenten verpflichten, da die Patienten zu Geiseln der Pharmaindustrie geworden seien.

EURACTIV.cz
Informal Meeting of European Health Ministers in Prague
Unter den EU-Mitgliedsstaaten gibt es immer mehr Unterstützung für die Einführung von Zwangsvorräten. Neben der Tschechischen Republik drängen auch Belgien und sogar Deutschland auf diese Idee, sagte der tschechische Gesundheitsminister Vlastimil Válek (Bild) am Sonntag dem Tschechischen Fernsehen. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Die Europäische Union sollte Pharmaunternehmen aus Sicht des tschechischen Gesundheitsministers Vlastimil Válek zur Lagerhaltung von Medikamenten verpflichten, da die Patienten zu Geiseln der Pharmaindustrie geworden seien.

Unter den EU-Mitgliedsstaaten gibt es immer mehr Unterstützung für die Einführung von Zwangsvorräten. Neben der Tschechischen Republik drängen auch Belgien und Deutschland hierauf, wie Válek am Sonntag (7. Mai) im tschechischen Fernsehen betonte.

Abgesehen davon, dass einige Unternehmen ein Monopol auf die Herstellung bestimmter Medikamente wie Antibiotika hätten, lege die Pharmaindustrie keine Vorräte an und verteile die Produkte sofort, was ein erhebliches Risiko darstelle, so der Minister weiter.

„Die Patienten sind in den letzten zehn Jahren schlichtweg zu Geiseln der Pharmaindustrie geworden“, sagte Válek.

Die Tschechische Republik arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf, der Pharmaunternehmen verpflichten würde, Vorräte anzulegen, um die Versorgung mit Arzneimitteln im Falle von Lieferengpässen sicherzustellen. Válek ist jedoch überzeugt, dass hier ein europaweiter Ansatz erforderlich ist.

„Denn wenn ein, zwei, drei Länder etwas ändern, wird die europäische Situation nicht gelöst. Die Hersteller müssen sich viel ernster nehmen und bedenken, dass sie Vorräte anlegen müssen, um die Versorgung im Falle ähnlicher Ausfälle sicherzustellen“, so Válek.

Das neue EU-Arzneimittelpaket, das Ende April vorgestellt wurde, sieht die Möglichkeit vor, Notvorräte anzulegen – die EU-Kommission bleibt jedoch zurückhaltend in dieser Frage.

Auch die Pharmaunternehmen stehen der Anlage von Vorräten kritisch gegenüber.

Laut Filip Vrubel, dem Vorsitzenden des tschechischen Verbandes der Pharmaunternehmen, könnten Pflichtlager zu höheren Medikamentenpreisen führen und die Verfügbarkeit von Lieferungen gefährden.