Tsipras: Tote im Mittelmeer „Schande" für Europa

Griechenlands linker Oppositionsführer und ehemaliger Premierminister Alexis Tsipras wirft der EU angesichts des Schiffsunglücks vor Griechenland "Versagen" vor. Trotz des Sterbens im Mittelmeer würden sich einige Politiker vor allem auf finanzielle Fragen konzentrieren, so Tsipras gegenüber EURACTIV.

Euractiv.com
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Mit Blick auf den tödlichen Schiffbruch von Migranten vor der griechischen Küste, der möglicherweise Hunderten von Migranten das Leben gekostet hat, sagte Tsipras: „Dieser Vorfall zeigt in aller Deutlichkeit das Versagen nicht nur Griechenlands, sondern der gesamten EU bei der Förderung einer strukturierten Flüchtlings- und Migrationspolitik, bei der die Rettung von Menschenleben an erster Stelle steht." [[Alexis Tsipras office]]

Griechenlands linker Oppositionsführer und ehemaliger Premierminister Alexis Tsipras wirft der EU angesichts des Schiffsunglücks vor Griechenland „Versagen“ vor. Trotz des Sterbens im Mittelmeer würden sich einige Politiker vor allem auf finanzielle Fragen konzentrieren, so Tsipras gegenüber EURACTIV.

„Es ist die größte Heuchelei, wenn man Hunderte von toten Männern, Frauen und Kindern auf dem Grund des Mittelmeers zählt, und einige in Brüssel, Athen, Budapest oder Berlin das internationale Recht als ‚Luxus‘ oder ‚obsolet‘ betrachten und uns sagen, dass alles, was wir zu diskutieren haben, ist, wie viele Gelder den Ländern gegeben werden, die Flüchtlinge aufnehmen“, sagte Tsipras.

Mit Blick auf den tödlichen Schiffbruch von Migranten vor der griechischen Küste, der möglicherweise Hunderten von Migranten das Leben gekostet hat, sagte Tsipras: „Dieser Vorfall zeigt in aller Deutlichkeit das Versagen nicht nur Griechenlands, sondern der gesamten EU bei der Förderung einer strukturierten Flüchtlings- und Migrationspolitik, bei der die Rettung von Menschenleben an erster Stelle steht.“

Der Politiker der griechischen Linken fügte hinzu, dass die Verhandlungen über ein EU-Abkommen zu Migration und Asyl eine radikale Richtungsänderung einschlagen und sich darauf konzentrieren müssten, „legale und sichere Routen zu gewährleisten und Flüchtlinge aus Drittländern auf faire Weise in die EU-Mitgliedstaaten umzusiedeln.“

Er betonte auch, dass eine beträchtliche Anzahl von jährlichen Aufnahmeverplichtungen in europäischen Ländern garantiert werden müsse.

„Je mehr wir die legalen und sicheren Routen stärken und je mehr wir die Rolle der EU und unsere Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Mittelmeerländern im Bereich der Migration aufwerten, desto schwächer werden die Netzwerke der Schleuser und die illegalen und gefährlichen Routen, die sie schaffen“, fügte Tsipras hinzu.

Am Donnerstag führte Tsipras ein Telefongespräch mit der EU-Migrationskommissarin Ylva Johansson. Er bezeichnete es als „Schande“ für Europa, dass das Mittelmeer „mit Leichen übersät ist.“

Nach Angaben von Frontex waren schätzungsweise mehr als 600 Menschen auf dem kürzlich verunglücktem Boot, mindestens 400 werden noch vermisst.

Tsipras besuchte am Donnerstag die Überlebenden des tödlichen Unglücks.

Anschließend postete er auf Facebook ein Bild – das von griechischen Medien als Schlag in die Magengrube beschrieben wurde – mit einem jugendlichen Überlebenden, der nach dem Schiffsunglück nach seinem Bruder sucht.

[Alexis Tsipras Facebook Profil]

„Leider ist der Wert eines Menschenlebens heute nicht für alle Menschen gleich […] Auf die Frage ‚Wie viel ist ein Menschenleben wert?‘ ist die Antwort die Herkunft, die Hautfarbe, die finanziellen Möglichkeiten“, so Tsipras.

„Wir haben uns für eine Seite entschieden: Für den Menschen, ohne Bedingungen. Und je härter die Realität wird, umso mehr wächst unsere Entschlossenheit, für Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzutreten“, erklärte er.

(Sarantis Michalopoulos | EURACTIV.com)

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]