Ukrainische Getreideimporte: Rumänische Landwirtschaft vor dem Kollaps

Landwirte in Rumänien können ihr Getreide nicht mehr verkaufen, da die massive Einfuhr ukrainischer Agrarprodukte den Markt überschwemmt und die Preise nach unten treibt.

Euractiv.com
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Die Ukraine, ein weltweit bedeutender Getreideproduzent und -exporteur, erhielt nach dem Ausbruch des Krieges EU-Hilfen und schuf Solidaritätskorridore, damit das Land seine Getreideexporte fortsetzen konnte. [Shutterstock - Dan Gabriel Atanasie]

Landwirte in Rumänien können ihr Getreide nicht mehr verkaufen, da die massive Einfuhr ukrainischer Agrarprodukte den Markt überschwemmt und die Preise nach unten treibt.

Angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, einem weltweit bedeutenden Getreideexporteur, hatte die EU im vergangenen Jahr Solidaritätskorridore eingeführt, über die ukrainisches Getreide über alle verfügbaren Routen in die EU und schließlich in die Welt exportiert werden soll.

Zudem wurden temporär Zölle und Beschränkungen für ukrainische Agrarexporte in die EU ausgesetzt sowie Gesundheits- und Veterinärbestimmungen gelockert. Dies hat dazu geführt, dass ukrainisches Getreide zu niedrigen Preisen in die angrenzenden Länder gelangt.

Das hat dazu geführt, dass Rumänien – das selbst Getreide produziert – zum weltweit größten Importeur ukrainischen Getreides geworden ist. Daten der ukrainischen Regierung zufolge hat Rumänien im vergangenen Jahr ukrainisches Getreide im Wert von 1,24 Milliarden Dollar importiert, was einem Anteil von 13,9 Prozent entspricht.

Landwirte in Rumänien beklagen nun, dass ihre Waren seit fast einem Jahr in den Lagerhäusern festsitzen, weil sie mit den ukrainischen Getreidepreisen nicht konkurrieren können.

Außerdem sei es für sie fast unmöglich, ihr Getreide für den Auslandsmarkt zu transportieren, da sich alle logistischen Kapazitäten den Transport der ukrainischen Ware konzentrierten.

„Bei diesem Tempo wird die rumänische Agrarindustrie bankrottgehen“, sagte Cezar Gheorghe, Getreidemarktexperte und Berater des Landwirtschaftsministers. Viele Landwirte hätten bereits jetzt Schulden angesammelt.

„Wenn das Abkommen über den Export von Getreide über das Schwarze Meer nicht verlängert wird, wird es noch schwieriger, denn dann wird die ganze Last auf Rumänien verlagert, per Bahn oder auf dem Landweg“, so der Experte.

Für Gheorghe sollte die rumänische Regierung über ein für rumänische Ware vorbehaltenes Terminal im Hafen von Constanta nachdenken und mit dem Bau von Logistikdrehkreuzen beginnen, damit die einheimischen Erzeuger auf dem heimischen Markt verkaufen und der Überschuss auf ausländischen Märkten verkauft werden kann.

„Wenn keine Lösungen gefunden werden, wird Rumänien zu einem reinen Transitland und einem Markt für ukrainisches Getreide werden“, sagte Gheorghe gegenüber EURACTIV.

Auch in Polen hatte es Anfang Februar Proteste von Landwirten gegeben.

Alle Augen richten sich nun auf den EU-Rat für Landwirtschaft und Fischerei, der am 20. und 21. März in Brüssel stattfindet. Anfang Februar forderten Rumänien und fünf weitere Länder der Region die EU auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die durch die zunehmenden ukrainischen Getreideimporte verursachten Probleme zu verringern.