Ukrainische Landwirte warnen vor Problemen bei der Aussaat

Ukrainische Landwirte haben vor der bevorstehenden Frühjahrsaussaat Alarm geschlagen und um Unterstützung bei der Entminung von Feldern und der Bewältigung logistischer Probleme gebeten.

Euractiv.com
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Ukrainische Landwirte haben vor der bevorstehenden Frühjahrsaussaat Alarm geschlagen und um Unterstützung bei der Entminung von Feldern und der Bewältigung logistischer Probleme gebeten.

Der ukrainische Landwirtschaftssektor wurde durch die russische Invasion schwer getroffen.

Einem aktuellen Bericht der Kyiv School of Economy zufolge beläuft sich der direkte Schaden für die ukrainische Landwirtschaft derzeit auf 6,6 Milliarden Dollar (6,14 Milliarden Euro), während sich die Gesamtverluste für den Sektor bis Ende 2022 auf mehr als 40 Milliarden Dollar (36,9 Milliarden Euro) belaufen.

Zehn von 20 Regionen der Ukraine sind seit Kriegsbeginn besetzt worden oder waren unmittelbar vom Krieg betroffen, was sich auf 42 Prozent der gesamten kommerziellen Milcherzeugung auswirkte und zu einem Rückgang der Kuhbestände um 13 Prozent führte. Ein Rückgang von weiteren zehn Prozent ist zu erwarten.

Auch der Schweine- und Geflügelsektor wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Schweinebestand ist auf ein Rekordtief gesunken – fünf Millionen weniger als im Jahr 2022 -, während der Geflügelsektor mit Stromausfällen und weiteren Auswirkungen des Krieges zu kämpfen hatte. Dies führte zu einem Rückgang der Geflügelfleischproduktion um acht Prozent und der Eierproduktion um 35 Prozent.

Trotz der Zerstörung haben die ukrainischen Landwirte weiter auf den Feldern gearbeitet, um die Ernährungssicherheit im Land und in der Welt zu gewährleisten, wie die Abgeordneten des Europäischen Parlaments kürzlich bei einer Anhörung betonten.

„Es ist ein Wunder, dass die Ukrainer überhaupt noch etwas produzieren können“, bemerkte die sozialdemokratische Abgeordnete Clara Aguilera.

Maria Didukh vom Ukrainischen Nationalen Agrarforum warnte die Abgeordneten jedoch, dass Hilfe nötig sei, um die ukrainische Landwirtschaft in diesem Jahr weiter am Laufen zu halten.

„Die Landwirte haben nicht die nötigen Mittel, um in diesem Jahr zu säen“, warnte sie und nannte Geldmangel, Stromausfälle und logistische Probleme als die größten Herausforderungen.

Aufgrund von Transportschwierigkeiten und hohe Kosten für Mineraldünger sei zudem ein Rückgang der Weizenernte um bis zu 34 Prozent zu erwarten.

„Die ukrainischen Landwirte gehen dazu über, mehr Soja und Sonnenblumenkerne anzubauen, weil diese leichter zu exportieren sind“, erklärte Didukh und fügte hinzu, dass die logistischen Probleme nach wie vor „beträchtlich“ seien und Transportkosten „60 Prozent des Preises“ ausmachten.

Bereits in der Herbstsaison hatten die Landwirte aufgrund mangelnder finanzieller Mittel für den Kauf der notwendigen Produktionsmittel und den Beginn der Aussaat einen Rückgang der Anbauflächen im Herbst um 24 Prozent zu verzeichnen.

Für die bevorstehende Frühjahrsaussaat stehen nur 74 Prozent der gesamten Anbauflächen zur Verfügung, da sich der Rest des Landes unter russischer Besatzung befindet.

Bitte um Unterstützung

Auf die Frage, welche Art der Unterstützung die Ukraine benötige, betonte Didukh die Notwendigkeit, die Landwirte in den betroffenen Gebieten bei der Entminung der Felder zu unterstützen. Derzeit seien mehr als fünf Millionen Hektar Ackerland mit Minen übersät.

„Wir möchten die Europäische Union bitten, sich an der Minenräumung zu beteiligen, nicht nur mit finanzieller Hilfe, sondern auch mit Ihrer Expertise“, sagte sie.

Die tschechische Europaabgeordnete Veronika Vrecionova sprach sich für einen solchen Schritt aus und betonte, es gebe eine „deutliche Diskrepanz“ zwischen der Westukraine, wo die Aussaatkapazitäten fast vollständig ausgeschöpft worden seien, und den östlichen Regionen gebe, wo beispielsweise im Gebiet Charkiw nur auf 26 Prozent der zuvor verfügbaren Flächen gesät werden konnten.

„Viele Gebiete sind vermint, und auch wenn dort im Moment keine Kämpfe stattfinden, sind die Landwirte mit einer großen Unsicherheit konfrontiert. Die Ukraine muss Mittel und Wege finden, um die Landwirte zu motivieren, in diesen Gebieten wieder tätig zu werden“, sagte sie.

Andere äußerten sich jedoch besorgt über die Idee, dass sich europäsiche Experten in das Hochrisikogebiet begeben würden, sowie über den begrenzten Handlungsspielraum der EU, da es sich um besetzte oder sich in der Nähe von besetzten Regionen befindliche Gebiete handelt.

Teurer Transport

Zudem bleibt der Transport der Ware eine entscheidende Herausforderung. Die ukrainischen Landwirte betonen, dass sie mehr Unterstützung für den Transport und den Export von Agrarerzeugnissen benötigen.

Die von der EU aufgebauten Solidaritätskorridore zum Export ukrainischen Getreides haben bisher dazu beigetragen, die Ernährungsmittelsicherheit gewährleistet, doch seit Februar 2023 sieht sich die Ukraine mit immer mehr Problemen an der Grenze zu Polen konfrontiert.

„Die Situation hat sich ernsthaft verschlechtert, es gibt riesige Schlangen von Gütern an der polnischen Grenze, einschließlich versiegelter Ladungen, die die polnischen Häfen passieren“, so Didukh.

Dies sei für beide Seiten von Nachteil, da die ukrainischen Landwirte ihre Produkte nicht verkaufen können, was bedeute, dass ihnen keine finanziellen Mittel für die Aussaat zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig hat der Zustrom von ukrainischem Getreide in mehreren Nachbarländern Probleme verursacht, darunter Rumänien und Bulgarien sowie Polen, denen die Kommission vor kurzem zusätzliche Finanzhilfen genehmigt hat, um ihre nationalen Sektoren zu unterstützen.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]