Umweltbundesamt: Dieselautos noch schädlicher als gedacht

Die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid durch Dieselautos ist laut Umweltbundesamt (UBA) noch höher als bislang angenommen.

La fiscalité des produits pétroliers est amenée à évoluer dans la loi Royal
Inmitten der Ferienzeit lässt die Bundesregierung die Autobranche zum Nachsitzen antreten. [Foto: dpa (Archiv)]

Die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid durch Dieselautos ist laut Umweltbundesamt (UBA) noch höher als bislang angenommen.

Auch neue Dieselautos der Norm Euro-6 stoßen im Schnitt 507 Milligramm Stickoxid pro Kilometer aus – rund sechs Mal so viel wie der zugelassene Grenzwert von 80 Milligramm, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Die Umweltorganisation BUND forderte einen Verkaufsstopp für schmutzige Diesel-Neuwagen.

Das UBA berücksichtigte bei seinen Berechnungen für betriebswarme Motoren erstmals auch die in Deutschland typischen Außentemperaturen. Unterhalb der im Labor üblichen 20 bis 30 Grad Celsius steigen die Stickoxidemissionen demnach mit sinkender Außentemperatur stark an.

Die Hälfte der Fahrleistung in Deutschland werde bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius erbracht, erklärte das UBA. Hohe Stickstoffdioxid-Konzentrationen treten demnach vor allem an kalten Tagen auf.

Ältere Diesel-Modelle der Norm Euro-5 sind die schmutzigsten: Sie stoßen unter Berücksichtigung des Temperatureffekts im Schnitt 906 Milligramm Stickoxid aus, wie das UBA erklärte. Der Grenzwert für diese Modelle liegt bei 180 Milligramm. Alle aktuell in Deutschland zugelassenen Dieselautos stießen 2016 demnach im Schnitt 767 Milligramm Stickoxid pro Kilometer aus.

„Unsere neuen Daten zeichnen ein deutlich realistischeres und leider noch unerfreulicheres Bild der Stickoxidbelastung durch Diesel-Pkw in Deutschland“, erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Sie forderte „mehr denn je eine schnelle Entlastung der vielen hunderttausend Menschen, die in den Innenstädten unter den Folgen der viel zu hohen Dieselabgase leiden“.

Stickstoffdioxid reizt die Atemwege und beeinträchtigt langfristig die Lungenfunktion. Es kann zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen. Für empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder ist es besonders gefährlich.

„Die Luft in den Städten muss sauber werden“, erklärte Krautzberger. Sie sehe dabei die Autoindustrie in der Verantwortung, die eine Lösung anbieten müsse.

Der BUND sprach von „Kumpanei“ zwischen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und den Lobbyisten der Autoindustrie. Dobrindt müsse ein Verkaufsverbot für neue Euro-6-Pkw verhängen, wenn sie den Grenzwert nicht einhielten.

Auch die Linke übte Kritik an Dobrindt. Er schütze die Autoindustrie und nicht die Menschen, erklärte Herbert Behrens, der dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zur VW-Abgasaffäre vorsitzt.