UN-Luftfahrtorganisation einigt sich auf 'Net Zero'-Ziel

Vertreter von 184 Staaten haben sich im Gremium der Vereinten Nationen für die Zivilluftfahrt auf das „angestrebte“ Ziel von netto null CO₂-Emissionen bis 2050 geeinigt. Ein Ziel, das in hohem Maße auf Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Sektors angewiesen sein wird.

Euractiv.com
Flüge, die die Europäische Union verlassen, fallen nicht unter die nationale Klimapolitik. [<a href="https://www.shutterstock.com/g/soosjozsef" target="_blank" rel="noopener">[Soos Jozsef/Shutterstock]</a>]

Vertreter von 184 Staaten haben sich im Gremium der Vereinten Nationen für die Zivilluftfahrt geeinigt, bis 2050 netto null CO2-Emissionen „anzustreben“. Ein Ziel, das in hohem Maße auf Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Sektors angewiesen sein wird.

Da die durch den internationalen Luftverkehr verursachten Emissionen nicht einzelnen Ländern zugeordnet werden, fallen sie nicht unter die nationalen Selbstverpflichtungen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens, sondern werden von der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO), einem UN-Gremium, behandelt.

Die ICAO-Mitgliedsstaaten haben nun auf einer zweiwöchigen Konferenz im kanadischen Montréal, die am Freitag (7. Oktober) zu Ende gegangen war, ein „globales, angestrebtes Ziel“ für das Erreichen von „Netto-Null-CO2-Emissionen“ bis 2050 beschlossen. Dabei wird die Branche massiv auf Kompensationen (sogenanntes Offsetting) setzen, was bedeutet, dass sie Emissionsreduzierungen außerhalb der Luftfahrtindustrie finanzieren werden, um die der Flüge auszugleichen.

Emissionen kompensieren

Die Einigung erfolgt ein Jahr, nachdem sich der größte Teil der globalen Luftfahrtindustrie, vertreten durch die International Air Transport Association (Internationaler Verband für Luftverkehr) (IATA), selbst bereits zu „Netto-Null“ bis 2050 verpflichtet hat.

Die Tatsache, dass sich sowohl die Industrie als auch die UN auf die Kompensation von Emissionen verlassen, wird von Umweltschützern kritisiert. Sie kritisieren, dass dies keine ausreichenden Anreize für die Fluggesellschaften schafft, technologische Lösungen für klimaneutrale Flüge zu entwickeln, wie z. B. synthetische Kraftstoffe, und dass es das Fliegen auch nicht wesentlich teurer macht.

Für einen Flug von Europa in die Vereinigten Staaten würden bis 2030 aufgrund der Kosten für Ausgleichszertifikate nur 1,70 € auf den Ticketpreis aufgeschlagen, hat die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) berechnet.

Währenddessen könnten die tatsächlichen Emissionen des internationalen Luftverkehrs sogar noch weiter steigen. In einem ICAO-Bericht über die Erreichung des „angestrebten Ziels“ wird in einem Szenario, welches das derzeitige Tempo der technologischen und politischen Entwicklung widerspiegelt, ein Anstieg auf 954 Megatonnen (Mt) CO2 im Jahr 2050 prognostiziert. Das ist fast das Doppelte der 500 Mt CO2-Ausstoß von 2019.

Das ehrgeizigste Szenario sieht vor, dass die Emissionen bis 2050 auf 200 Mt CO₂ sinken, vor allem durch den Einsatz von Biokraftstoffen und synthetischen Kraftstoffen.

„Unverbindliches“ Ziel

Die IATA begrüßte das Ziel dennoch als „wichtigen Schritt nach vorn“ und forderte die Regierungen auf, die Entwicklung umweltfreundlicher Kraftstoffe zu subventionieren. In den nächsten drei Jahren müsse das ambitionierte Ziel „in ein verbindliches Ziel mit einem klaren Aktionsplan umgewandelt werden“, sagte der Generaldirektor der IATA, Willie Walsh, in einer Erklärung.

Umweltschützer sind mit der positiven Sicht der Branche nicht einverstanden. „Dies ist kein mit dem Pariser Klimaabkommen vergleichbarer Moment für den Flugverkehr. Wir sollten nicht so tun, als ob ein unverbindliches Ziel den Luftverkehr auf null [Emissionen] bringen würde“, sagte Jo Dardenne, Direktorin für Luftfahrt bei T&E in Brüssel.

Nach Ansicht von T&E sollte die EU stattdessen eine Vorreiterrolle übernehmen, indem sie von allen abgehenden Flügen verlangt, im Rahmen ihres Emissionshandelssystems (ETS) einen CO2-Preis zu zahlen. Dadurch würden sie teurer und unterlägen einer Gesamtobergrenze für Emissionen, was im globalen Instrument der ICAO nicht vorgesehen ist.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]