Ölmangellage: Ungarn muss Preisdeckel aussetzen

Seit Dienstagabend (6. Dezember) sind die von der ungarischen Regierung vor 13 Monaten eingeführten Preisobergrenzen für Kraftstoffe nicht mehr gültig. Die Preise sprangen aufgrund der Aussetzung der Preisobergrenze sprunghaft an.

EURACTIV.com mit Telex
Hungary researches for hydrocarbons and oil
Seit Dienstagabend um 23 Uhr sind die von der ungarischen Regierung vor 13 Monaten eingeführten Preisobergrenzen für Kraftstoffe nicht mehr gültig. Die Ankündigung erfolgte durch Gergely Gulyás, Minister im Büro des Ministerpräsidenten, und Zsolt Hernádi, Chef der Ungarischen Ölgesellschaft MOL. [EPA/ZSOLT CZEGLEDI HUNGARY OUT]

Seit Dienstagabend (6. Dezember) sind die von der ungarischen Regierung vor 13 Monaten eingeführten Preisobergrenzen für Kraftstoffe nicht mehr gültig. Die Preise sprangen aufgrund der Aussetzung der Preisobergrenze sprunghaft an.

„Was wir befürchtet haben, ist nun eingetreten. Die EU-Ölsanktionen, die am Montag in Kraft getreten sind, haben für alle sichtbar zu Störungen in der ungarischen Kraftstoffversorgung geführt“, sagte Gergely Gulyás, Minister im Büro des Premierministers am Dienstag.

Am Montag teilte die ungarische Ölgesellschaft MOL dem Energieminister mit, dass das Unternehmen den Treibstoffbedarf des Landes nicht ohne Importe decken könne. „Die Brüsseler Sanktionen haben dazu geführt, dass wir die ungarischen Familien an den Tankstellen des Landes nicht mehr mit Benzin zum Preis von 480 Forint/Liter versorgen können. Deshalb hebt die Regierung zwei Tage nach Einführung der Erdölsanktionen auf Vorschlag von MOL die Preisobergrenze für Benzin auf“, kündigte Gulyás an.

„[E]in Viertel der Tankstellen [war] völlig leergefegt. Die Versorgung mit Treibstoff ist außerordentlich problematisch geworden. So etwas hat es noch nie gegeben, seit MOL tätig ist. Die Warteschlangen an den Tankstellen erinnerten an die 1970er und 1980er Jahre. Der Umsatz der letzten Tage war fast doppelt so hoch wie zur gleichen Zeit des letzten Jahres. Es gab 871 Großhandelsaufträge, die wir nicht erfüllen konnten. Die Situation wurde kritisch, wir stießen an eine Wand. Weiter konnte MOL nicht mehr gehen“, sagte Zsolt Hernádi, Chef der Ungarischen Ölgesellschaft MOL.

Wie sieht die Zukunft aus?

Der Vorstandsvorsitzende von MOL erklärte, dass der größte Teil des in der Produktion fehlenden Benzins in den letzten Wochen aus der Slowakei transferiert worden sei. Aber die einzige Lösung für den Treibstoffmangel und die logistischen Probleme ist der Import.

In zwei Monaten werden wir wieder vor einer kritischen Situation stehen, so Hernádi. Bis dahin werden die Auswirkungen der EU-Sanktionen auch in Ungarn zu spüren sein. Ihm zufolge werden nach dem 5. Februar 10 Prozent des Dieselangebots auf dem europäischen Markt fehlen.

Gergely Gulyás erläuterte, dass Ungarn zwar von den EU-Ölsanktionen ausgenommen ist, aber trotzdem von den Sanktionen betroffen ist, da das Land Kraftstoff importieren muss. Die Sanktionen werden den europäischen Markt um 10 Prozent verkleinern, was an sich schon ein Problem für die Versorgungssicherheit darstellt.

Er wies darauf hin, dass die Sanktionen gegen russisches Öl die ungarische Kraftstoffversorgung beeinträchtigen werden, auch wenn wir von den Sanktionen ausgenommen sind. Dem Minister zufolge sind die Kraftstoffpreise aufgrund der russischen Aggression in der Ukraine und der als Reaktion darauf gegen Russland verhängten EU-Sanktionen in die Höhe geschnellt.

Auf eine Frage von hvg.hu räumte der Minister ein, dass die Abschaffung der Preisobergrenze in der Tat zu einem Anstieg der Inflation führen wird, und fügte hinzu, die Regierung habe damit gerechnet. Inwieweit dies der Fall sein wird, hängt von der Entwicklung der Benzinpreise ab.

Auf die Frage, wie sich dies auf die anderen Preisobergrenzen auswirken wird, sagte Gulyás: „Alle Preisobergrenzen sind sinnvoll, solange sie nicht zu Produktknappheit führen.“

Telex fragte, wer in der Regierung dafür verantwortlich sei, dass es zu einer derart kritischen Situation bei der Kraftstoffversorgung des Landes komme.

Gergely Gulyás antwortete, dass „die Bürger:innen des Landes in der Lage sind, das vergangene Jahr als Ganzes zu bewerten. Wenn man die Schwierigkeiten der letzten Tage an den niedrigen Preisen der letzten 13 Monate misst, ist die Antwort klar. Wenn wir ab morgen die Marktpreise zahlen, werden wir sehen, wie großartig es war, dass wir so billig tanken konnten.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei EURACTIVs Medienpartner telex.hu.