Verbraucher meiden gebrauchte Elektroautos

Die Mehrheit der europäischen Autofahrer, die einen Gebrauchtwagen kaufen, entscheiden sich für einen Verbrenner. Gebrauchte Elektrofahrzeuge sind hingegen äußerst unbeliebt, warnen Autohändler. Diese Entwicklung könnte das EU-Ziel untergraben, die Emissionen im Straßenverkehr zu senken.

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Um den CO2-Fußabdruck des Verkehrssektors zu verringern, hat sich die EU das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Millionen emissionsfreie Fahrzeuge in Betrieb zu haben. Das mangelnde Interesse an frühen Elektroauto-Modellen könnte jedoch die Ziele der EU zur Emissionsreduzierung im Straßenverkehr gefährden. [Fahroni / Shutterstock.com]

Die Mehrheit der europäischen Autofahrer, die einen Gebrauchtwagen kaufen, entscheiden sich für einen Verbrenner. Gebrauchte Elektrofahrzeuge sind hingegen äußerst unbeliebt, warnen Autohändler. Diese Entwicklung könnte das EU-Ziel untergraben, die Emissionen im Straßenverkehr zu senken.

In Deutschland, dem größten Automarkt der EU, machten gebrauchte Elektrofahrzeuge bis November 2023 nur 1,58 Prozent der Neuzulassungen aus – ein bescheidener Anstieg gegenüber 1,23 Prozent im Jahr 2022 – so die Zahlen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Italienische und spanische Verbände beziffern die Zahlen auf unter 1 Prozent.

„Wenn man sich diese Zahlen ansieht, stellt sich die Frage, ob man im Moment überhaupt von einem echten Gebrauchtwagenmarkt sprechen kann“, so Marcus Weller vom ZDK gegenüber Euractiv.

Autoverkäufer sagten, dass mehrere Faktoren für die Zurückhaltung der Verbraucher verantwortlich seien, wie beispielsweise die höheren Anschaffungspreise für gebrauchte Elektroautos im Vergleich zu älteren Benzin- und Dieselfahrzeugen, ein wahrgenommener Mangel an Ladeinfrastruktur und anhaltende Ängste bezüglich der Reichweite von Plug-in-Elektroautos.

Die Fortschritte in der Batterietechnologie, die dazu beigetragen haben, die Befürchtungen hinsichtlich der Reichweite und der Leistungseinbußen der Batterien zu zerstreuen, haben im Gegenzug dem Ruf älterer Elektroautos geschadet.

„In den letzten Jahren wurden auf dem Batteriesektor beträchtliche Fortschritte in Bezug auf die Energiedichte und damit auch mögliche größere Reichweiten erzielt“, erklärt Weller.

„Allerdings werden diese Fahrzeuge frühestens in zwei bis drei Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt verfügbar sein. Und selbst dann stellt sich die Frage, ob es nicht schon etwas Besseres auf dem Markt gibt.“

In der Tat führt die Vorstellung der Verbraucher, dass eine verbesserte Batterietechnologie vor der Tür steht, dazu, dass viele Autofahrer abwarten, bevor sie den Schritt zum Elektroauto wagen.

Diese Befürchtungen ließen benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge auf kurze Sicht als die sicherere Option für die Verbraucher erscheinen, stimmte Friedrich Trosse zu, Generalsekretär des AECDR, eines Verbandes der europäischen Autohändler.

„Die Situation ist überall in Europa ziemlich gleich. Um es ganz klar zu sagen: Es ist fast unmöglich, gebrauchte Elektrofahrzeuge zu verkaufen“, sagte er gegenüber Euractiv.

Trosse fügte hinzu, dass die Art der Elektroautos, die typischerweise zum Verkauf stehen, das Problem noch verschärft.

„Wir haben ein Problem, das von der Seite der Hersteller kommt – dass Elektroautos oft im Premiumsegment angesiedelt sind“, sagte er. „Insbesondere die kleinen Autos, wenn es sie gibt, sind unglaublich teuer, viel teurer als ihre [Verbrennungsmotor-]Alternative.“

EU-Ziele

Die Etablierung eines Gebrauchtmarktes für Elektrofahrzeuge wird als entscheidend angesehen, um emissionsfreie Fahrzeuge erschwinglicher zu machen und so den Bestand an Elektrofahrzeugen auf europäischen Straßen zu erhöhen.

Um den CO2-Fußabdruck des Verkehrssektors zu verringern, hat sich die EU das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Millionen emissionsfreie Fahrzeuge in Betrieb zu haben.

Das mangelnde Interesse an frühen Elektroauto-Modellen könnte jedoch die Ziele der EU zur Emissionsreduzierung im Straßenverkehr gefährden.

Die Mitgliedstaaten haben sich auch nationale Ziele für die Verbreitung von Elektroautos gesetzt, die zum Teil von einem robusten Wiederverkaufsmarkt abhängen. Deutschland zum Beispiel will bis 2030 15 Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen. Viele Experten halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Die Entscheidung der deutschen Regierung, die Unterstützung für den Kauf von Elektrofahrzeugen im Rahmen der jüngsten Haushaltsvereinbarung zu kürzen, wurde von Vertretern der Autohändler kritisiert. Sie sagten, dass dies das Erreichen des 15-Millionen-Ziels noch schwieriger machen würde.

„Damit die 15 Millionen Elektrofahrzeuge bis 2030 nicht völlig in der Versenkung verschwinden, müssen weitere Überlegungen zur Förderung des Neuwagenverkaufs von Elektrofahrzeugen angestellt werden“, so Weller.

Ein wachsender Markt?

AVERE, eine in Brüssel ansässige Gruppe, die sich für die Elektromobilität einsetzt, hat jedoch Zweifel an der Darstellung seitens der Autohändler.

Philippe Vangeel, Generalsekretär von AVERE, stellte die Statistiken über den Verkauf von Gebrauchtwagen in Frage und argumentierte, dass die unterschiedlichen Methoden, die in Europa verwendet werden, dazu führen, dass es „an vertrauenswürdigen und einheitlichen Daten mangelt“.

„Der Druck auf den Gebrauchtwagenmarkt ist ziemlich groß, was die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen angeht, und die Leute schauen sich wirklich um, wo sie sie finden können“, sagte er und fügte hinzu, dass der Gebrauchtwagenmarkt für Dieselfahrzeuge rückläufig sei.

Vangeel stellte fest, dass Autohändler oft nicht ausreichend über Elektrofahrzeuge informiert sind, was dazu führen könne, dass sie den Verkauf von Elektrofahrzeugen gegenüber dem von konventionellen Fahrzeugen weniger stark vorantreiben.

„Man hört immer wieder, dass [Autoverkäufer] sich weigern, genügend Zeit zu investieren, um sich das richtige Wissen anzueignen – was ein Elektrofahrzeug ist, was eine Kilowattstunde ist, was Kilowatt-Batteriepacks sind“ und so weiter, erklärte er.

Die Bemühungen der Städte, umweltschädlichen Fahrzeugen den Zugang zu den Stadtzentren zu verwehren, wie etwa durch Umweltzonen, werden die Verbreitung von Elektrofahrzeugen ebenfalls ankurbeln, fügte Vangeel hinzu, der ein positiveres Bild der Verbrauchernachfrage schilderte.

Robin Loos, Referent für nachhaltigen Verkehr bei der Verbraucherschutzorganisation BEUC, warnte ebenfalls vor „Panikmache.“ Er verwies auf eine BEUC-Studie, die ergab, dass Elektroautos unter Berücksichtigung der Gesamtbetriebskosten bereits jetzt häufig die günstigste Option darstellen.

„Was fehlt, ist ein ausreichendes Angebot“, schrieb er.

„Während der Neuwagenmarkt von größeren Modellen dominiert wird, suchen die Menschen auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach kleineren Autos [und] es gibt derzeit kein ausreichendes Angebot an kleinen Elektroautos“, fügte er hinzu und wiederholte damit die gleichen Beschwerden wie die Händler.

[Zusätzliche Berichterstattung durch Jonathan Packroff]

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]