Vision: Transrapid auf Teneriffa

Was in München nicht klappt, könnte im Atlantik wahr werden. Rund drei Milliarden Euro würde der Bau der Magnetschwebebahn Transrapid auf Teneriffa kosten. Die Inselregierung scheint von der Idee überzeugt.

Bislang fährt der Transrapid nur in Shanghai. Startet die Magnetschwebebahn bald auf der spanischen Vulkaninsel Teneriffa? Grafik: Planungsgemeinschaft Maglev Tenerife (IBV/IFB)
Bislang fährt der Transrapid nur in Shanghai. Startet die Magnetschwebebahn bald auf der spanischen Vulkaninsel Teneriffa? Grafik: Planungsgemeinschaft Maglev Tenerife (IBV/IFB)

Was in München nicht klappt, könnte im Atlantik wahr werden. Rund drei Milliarden Euro würde der Bau der Magnetschwebebahn Transrapid auf Teneriffa kosten. Die Inselregierung scheint von der Idee überzeugt.

Teneriffa drängt auf den Bau der Magnetschwebebahn Transrapid. Das erklärte der Präsident der Inselregierung, Ricardo Melchior Navarro, am Dienstag gegenüber Mitgliedern des Verkehrs- und des Regionalausschusses im Europäischen Parlament. "Zur Lösung der Verkehrsaufgabe auf Teneriffa gibt es zu einem modernen und umweltfreundlichen Bahnsystem Transrapid keine Alternative", so Melchior.

"Die kleine Insel vor der afrikanischen Küste ist Vorreiter in Sachen Innovation und setzt seit Jahren auf erneuerbare Energien und eine nachhaltige Entwicklung", kommentierte der Berliner EU-Abgeordnete Joachim Zeller (CDU), der zusammen mit dem Inselpräsidenten zu der Präsentation einer Machbarkeitsstudie nach Brüssel geladen hatte. 

An der Planung beteiligt ist Peter Mnich, Geschäftsführer der Firma "Institut für Bahntechnik" und Leiter des Fachgebiets "Betriebssysteme elektrischer Bahnen" an der TU Berlin. Partner in der Planungsgemeinschaft "Maglev Tenerife" ist das Ingenieurbüro Vössing Düsseldorf. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Transrapid für Teneriffa die beste Verkehrslösung ist. Die Fahrtzeit zwischen Santa Cruz im Norden der Insel und dem 80 Kilometer entfernten Las Américas im Süden verkürzt sich im Modell von rund zwei Stunden mit dem Auto auf etwa 34 Minuten bei Halt an allen Stationen. Eine Verbindung der beiden Flughäfen Nord und Süd wäre inbegriffen. Insgesamt würde der Teneriffa-Transrapid dreizehn Stationen auf einer etwa 120 Kilometer Strecke anfahren. Die Kosten des Projekts werden auf rund drei Milliarden Euro geschätzt.

"Bisher läuft der gesamte Verkehr über das Privatfahrzeug", so Präsident Melchior. "Aus 5.000 sind in den letzten Jahren 500.000 Autos auf der Insel geworden." Topographische und eigentumsrechtliche Bedingungen ließen den seit über 100 Jahren immer wieder geplanten Bau einer Eisenbahn nicht zu.

"Es handelt sich bei der Magnetschnellbahn Transrapid um eine zukunftsweisende Technik, von der sich einige bereits zu früh verabschiedet haben", so Zeller. "Der Transrapid wird das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts."

Bisher ist die in Deutschland entwickelte Magnetschwebebahn Transrapid nur in Shanghai im Einsatz. Haupt-Hersteller sind Thyssen Krupp und Siemens. In Deutschland scheiterten alle Planungen für die Nutzung, etwa die Idee, den Münchener Flughafen mit der Innenstadt zu verbinden.

Hintergrund

Teneriffa ist von der Fläche etwa doppelt so groß wie Berlin. Rund eine Million Menschen leben auf der Insel, pro Jahr kommen etwa 5 Millionen Touristen. Teneriffa hat zwei moderne Straßenbahnlinien von insgesamt etwa 16 km Länge. Im Vergleich dazu hat Berlin 22 Straßenbahn-Linien von etwa 190 km Länge. Dazu kommen noch 145 km U-Bahn und 322 km S-Bahn-Strecken.

awr

Links

Handelsblatt: Mit 500 Stundenkilometern um den Vulkan (5. Oktober 2010)

TU Berlin: Prof. Mnich plant Transrapid auf Teneriffa (27. Januar 2011)