Wachstum kehrt zurück, Kreditknappheit bleibt

Europa mag zwar langsam aus einer der tiefsten Rezessionen in Jahrzehnten herauskommen, doch haben Geschäfte weiterhin mit mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten zu kämpfen. EURACTIVs Netzwerk fragt nach, ob die Kreditknappheit endet und was Regierungen EU-weit tun, um zu helfen.

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Europa mag zwar langsam aus einer der tiefsten Rezessionen in Jahrzehnten herauskommen, doch haben Geschäfte weiterhin mit mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten zu kämpfen. EURACTIVs Netzwerk fragt nach, ob die Kreditknappheit endet und was Regierungen EU-weit tun, um zu helfen.

Obwohl das BIP wieder im positiven Bereich liegt und die industrielle Produktion anzieht, beschweren sich kleine Firmen Eurostat zufolge, dass Banken übermäßig zurückhaltend sind.

Das Thema ist stetig in der politischen Agenda aufgestiegen, nicht zuletzt weil Banken-Rettungsaktionen bedeutet haben, dass Regierungen verschiedene Finanzinstitutionen verstaatlicht, oder Beteiligungen übernommen haben. Banken, die ihre Bilanzen wieder herstellen wollen, haben sich bisher dem Druck entzogen, eher aus politischen als kommerziellen Gründen Darlehen zu gestatten.

Regierungen haben Direktoren "des öffentlichen Interesses" zu den Vorstandstreffen der staatlich unterstützten Banken einberufen und Berufungsorgane ernannt, die als Schiedsrichter in Disputen zwischen Kreditgebern und Firmen, die glauben, dass ihnen ungerechtfertigt der Zugang zu Finanzen verwehrt wurde, agieren sollen.

Großbritannien

In Großbritannien, wo wirtschaftliche Themen die Wahldebatte dominieren, ist der Zugang zu Krediten für kleine Unternehmen Teil der Wahlprogramme.

Gordon Browns regierende Labour Party verspricht einen 4 Milliarden Pfund schweren Wachstumsfonds, der Kapitalspritzen zwischen 2 Millionen und 10 Millionen Pfund für kleine Unternehmen bereitstellen würde. Labour verspricht außerdem, einen neuen Kreditpreisrichter mit gesetzlich festgelegten Kompetenzen für kleine Unternehmen einzurichten, der sicherstellen würde, dass KMU nicht unfairerweise abgelehnt werden wenn sie Banken um Finanzierungen bitten.

Die Konservative Partei, von David Cameron angeführt, macht die Kreditverfügbarkeit zu einem ihrer "Maßstäbe für Großbritannien". Die Konservativen verlangen mehr unterschiedliche Quellen für erschwingliche Kredite für kleine Unternehmen und bieten ein Kreditgarantieschema an.

Nick Cleggs Liberaldemokraten versprechen, Bankstrukturen aufzubrechen und verschiedene lokale und regionale Quellen für Unternehmensfinanzierung als Teil des Plans, die Wirtschaft "nie wieder durch Hochrisiko-Finanzindustrien destabilisieren zu lassen", aufzubauen.

Die Föderation von Kleinen Unternehmen (FSB) hat ihre eigene Wahl-Wunschliste vorgestellt, in der sie Politiker drängt, den Zugang zu Finanzen prioritär zu behandeln, damit der Wirtschaftsaufschwung aufrecht erhalten werden kann. Die Kosten von Darlehen und Überziehungen seien zu hoch, sagt der FSB, und verlangt größeren Wettbewerb durch den Aufbau einer Postbank und einer besseren Nutzung der staatlichen Banken.

"Die zukünftige Gesundheit unserer Wirtschaft hängt davon ab, das Vertrauen kleiner Unternehmen in die Banken wiederherzustellen. Den Finanziellen Schlichtungsdienst zu fördern und zu ermutigen könnte dabei helfen", so die Unternehmensorganisation.

Deutschland

In Deutschland hat die Regierung einen KMU-Kreditschlichter ernannt, Hans-Joachim Metternich, der kleinen Unternehmen helfen soll, während der Wirtschaftskrise Kredite zu erhalten. Er sagt, obwohl Regierungszahlen zeigen, dass es keine allgemeine deutsche Kreditklemme gibt, könnten Firmen dennoch in der nahen Zukunft Liquiditätsengpässe drohen.

Das allgemeine Kreditvolumen ist Metternich zufolge in den letzten Monaten geschrumpft.

"Es ist zu früh um zu sagen, ob dies vorrangig der Wirtschaftskrise und aufgeschobenen Investitionen zuzuschreiben ist oder ein Signal, dass es für Unternehmen trotz steigender Nachfrage schwieriger wird, an Geld zu kommen. Insbesondere KMU leiden bereits unter strengeren Kreditkriterien, die von Finanzinstitutionen in Kraft gesetzt wurden."

Er sagte, dass die Rolle des Kreditschlichters Expertenkenntnisse konzentrieren und sicherstellen würde, dass alle Schemata öffentlicher Unterstützung adäquat in Betracht gezogen werden würden.

Die KfW Bankengruppe, eine öffentliche Bank, die Kredite an KMU gibt, sagte, dass die Kreditprobleme noch nicht beendet seien.

"Aus unserer Sicht ist eine solche Gefahr noch nicht abgewandt. Aufgrund der Krise sind die internen Finanzierungsmöglichkeiten solcher Unternehmen begrenzt. Wenn die Wirtschaft wieder wie erwartet auflebt, wird weiteres Kapital benötigt werden", sagte die Bank.

Als die Krise zuerst einschlug, bekamen es große deutsche Unternehmen zu spüren, doch mittlerweile sind es vor allem kleine Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Kredite zu bekommen. Die KfW sagt, dass Exportindustrien durch verschlechterte Bedingungen getroffen worden seien.

Frankreich

In Frankreich hatten kleine Unternehmen in den Monaten nachdem die Krise Europa getroffen hatte, Schwierigkeiten, Kredite zu erhalten, doch die Gesamtsituation hat sich langsam verbessert. (EURACTIV 22.07.09). 

Die im Januar 2010 von der Banque de France veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage über Bankdarlehen im Verhältnis zu Kreditdaten hat gezeigt, dass die Konditionen der französischen Banken für Kredite, insbesondere für KMU, im letzten Quartal von 2009 etwas flexibler waren.

Der aktuelle Rückgang von Krediten in Frankreich scheint einer Verbindung aus einer Straffung von Kreditangeboten und einer sinkenden Nachfrage geschuldet zu sein. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat zwischen 2008 und 2011 30 Milliarden Euro für KMU vorgesehen und letztes Jahr bereits 13 Milliarden Euro bereitgestellt.

Davon wurden 950 Millionen Euro durch Privatbanken an französische Unternehmen verteilt. Crédit Coopératif hat 150 Millionen Euro an KMU-Projekte verliehen. Banque Fédérale des Banques Populaires hat Kredite in Höhe von 100 Millionen Euro erteilt. BNP Paribas hat 400 Millionen Euro und Crédit Agricole 300 Millionen Euro an kleine Unternehmen verliehen.

Slovakia

Während das slowakische Bankensystem relativ gesund war, als die Kreditklemme anschlug, hat die slowakische Regierung beschlossen, die Anstrengungen im Zugang zu Krediten für Unternehmer als Teil ihrer Anti-Krisenmaßnahmen zu verstärken.

Fast 33 Millionen Euro wurden bereitgestellt um die Kapitalbasis der slowakischen Garantie- und Entwicklungsbank (Slovenská Záru?ná a Rozvojová banka; SZRB) zu stärken, die spezielle Unterstützung für KMU leistet.

Zusätzlich hat die EIB der SZRB ein Kreditlimit von 50 Millionen Euro eingerichtet, das verwendet werden wird, um KMU dabei zu unterstützen, in verschiedenen Sektoren, insbesondere der Industrie und Dienstleistungen, zu investieren. Weitere 11,5 Millionen Euro wurden der Eximbank verfügbar gemacht, um Kredite an exportierende KMU zu stärken und 5 Millionen Euro wurden als Unterstützung von 500 bis 750 Unternehmern im Rahmen eines Mikrokreditprogramms festgeschrieben.

Die Nationalbank der Slowakei ((Národná banka Slovenska; NBS) hat beschlossen, als Antwort auf die Krise Liquiditätsanforderungen an Banken zu verschärfen. Während dem letzten Quartal 2008 und zu Beginn 2009 wurde eine Abnahme von Krediten, insbesondere von Betriebskapital, registriert.

Im Januar 2009 wurden die Stagnation von neu operierenden Krediten und eine Abnahme von neuen Investitionskrediten in Folge von gesunkener Nachfrage registriert, die aus unvorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklungen und strengeren Kreditkonditionen für Banken resultierte.  

"Das Verhalten der Banken war und ist immer noch sehr zurückhaltend. Wenn sie eine mögliche Verschlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Situation für slowakische Firmen  befürchten, begrenzen sie die Kreditstandards um Ausfälle zu verhindern", so Jozef Hudák, Direktor der Einheit für Unternehmensumwelt im Wirtschaftsministerium.

Er betonte auch, dass negative Marktbedingungen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der Zurückhaltung von Unternehmern, in unsicheren Zeiten Schulden zu machen, aufgetreten seien.

In der Slowakei stieg das Volumen von Unternehmens- und Haushaltskrediten in der zweiten Hälfte des letzten Jahres an, fiel jedoch im letzten Quartal von 2009 wieder.

Ähnliche Entwicklungen wurden im Januar 2010 beobachtet, als Kredite im Vergleich zum gleichen Monat im vorigen Jahr und gegenüber der Gesamtheit des letzten Jahres fielen. Das Volumen der aktiven Kredite sank weiterhin, doch das Volumen der Investitionskredite und Eigentumskredite stieg erneut an.

"2009 sank das gesamte Kreditvolumen für KMU, da Unternehmen Investitionen aufgrund der Rezession aufschoben oder abbrachen, was zu einer gesunkenen Nachfrage von Krediten führte. Auf der anderen Seite registrierten wir einen Anstieg im Bereich der operativen Finanzen, vor allem bezüglich Überziehungen. Unternehmen nutzten diese Kredite um späte Zahlungen ihrer Kunden und Partner auszugleichen", so Alena Walterová, Sprecherin der VÚB Bank, einem Mitglieder der Intesa Sanpaolo Gruppe, gegenüber EURACTIV.sk.

Tschechische Republik

Die letzte Umfrage der tschechischen Handelskammer (CCC) zeigt, dass beinahe die Hälfte der tschechischen Unternehmen (46 Prozent) reklamieren, dass sich ihr Zugang zu Finanzen seit sechs Monaten verschlechtert hat.

"Im Juni 2009 waren es 55 Prozent der Unternehmen, was bedeutet dass die Lage sich weiter verschlechtert, wenn auch nicht so schnell wie vor sechs Monaten", sagte CCC-Präsident Petr Kužel. "Darum haben wir die Gespräche mit den inländischen Banken wieder aufgenommen", fügte er hinzu.

Im Gegensatz dazu haben 27 Prozent der Befragten einen besseren Zugang zu Bankdarlehen vermeldet, während 16 Prozent keinerlei Veränderungen registriert haben (Antwort der anderen Teilnehmer: Ich weiß nicht). 62 Prozent der Unternehmen zufolge haben Banken gestiegene Ansprüche, wenn sie Kreditkonditionen diskutieren.

"Die CCC-Umfrage hat nichts Neues gezeigt. Das Thema wird permanent besprochen. Unternehmen beschweren sich über den Zugang zu Krediten selbst während eines wirtschaftlichen Booms", sagte Karel Havlí?ek, Vize-Vorsitzender des Tschechischen Verbands für KMU. "Natürlich sind Banken in Krisenzeiten vorsichtiger".

Havlí?ek beschwerte sich, dass Banken heutzutage gewöhnlich bis zu 40 Prozent Firmenbeteiligung an Investitionen fordern (Banken sind nicht bereit, mehr als 60 Prozent der Investitionskosten mit Darlehen zu decken).

Havlí?ek bezweifelt, dass die Gespräche mit den Banken (von der CCC geführt) jegliche Ergebnisse bringen werden. "Banken organisieren ihre Risiken auf Basis von internen Richtlinien, die üblicherweise von ihren ausländischen Eigentümern vorgegeben werden", erklärte er.

Irland

Die irische Regierung hat die mit Problemen belastete Anglo Irish Bank verstaatlicht und der Bank of Ireland und Allied Irish Bank neues Kapital zugeführt, doch KMU beschweren sich weiterhin über den Zugang zu Krediten. Ein Kreditprüfungsbüro wurde eingesetzt und kann eingreifen, wenn existenzfähigen Unternehmen der Zugang zu Krediten verwehrt wird.

Eine Umfrage der Bilanzfirma Mazars zeigt, dass eines von fünf kleinen Unternehmen nicht genügend Kredite erhält, trotz einem Bekenntnis der zwei größten Banken des Landes – BOI und AIB – 3 Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung zu stellen.

Der Verband kleiner Unternehmen verlangt ein direktes Eingreifen der Regierung um Banken zur Kreditvergabe zu zwingen. SFA-Direktorin Patricia Callan sagte, dass die Mazars-Umfrage die Forschungsergebnisse des Verbands wiederholt. Diese zeigen ein Absinken in der Verfügbarkeit von Betriebskapital. Die Kosten von Finanzierungen steigen ebenfalls an, so ein großer Teil von KMUs.

"Der kürzlich aufgebaute Kreditbewertungsdienst ist bedeutsam um festzustellen, ob die Rate der Bankablehnungen vernünftig ist oder nicht, und sollte den nächsten Mazarsbericht in seiner Erläuterung nützlicher gestalten", sagte Callan.

Sie sagte, dass kleine Unternehmen zusammenbrechen, nicht weil sie zu wenige Kunden, Ideen oder Produkte haben, sondern weil ihnen das Geld ausgegangen ist.

Rumänien

Der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten hat sich in den letzten Monaten in Rumänien nicht verbessert, sagen Unternehmer. Die Situation ist vergleichbar für Bankkredite und EU-Förderungsmittel.

Mehrere Geschäftsmänner vom Nationalen Rat für KMU in Rumänien, einem professionellen Verband, sagten gegenüber EURACTIV.ro, dass es in der Einstellung der Banken keine Änderung gebe. „Die Banken sind gegenüber Krediten für KMU unaufgeschlossen.“ Die Unternehmer denken, die Regierung sollte Firmen helfen, Kredite zu finden und gemeinsam mit den Banken eine Lösung finden.

„Selbst wenn die Lage auf dem Markt sich beruhigt hat und die Regierung mit der Senkung der Zinssätze von 10,25 Prozent auf 6,5 Prozent innerhalb weniger Monate ein starkes Signal gesetzt hat, die Banken bewegen sich langsam und überschlagen sich nicht gerade, um Hilfen zur KMU-Finanzierung anzubieten“, so Alexandra Popa von der Portalseite im Finanzbereich Conso.ro.

„Abgesehen von einer kleinen Senkung der Zinssätze und zwei neuer Kreditprodukte haben die von der Wirtschaftskrise getroffenen KMU wenig Möglichkeit, Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Die Geschäftsbanken, die Kredite geben, nutzen vorwiegend Gelder der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Europäischen Investmentbank (EIB), und zielen damit auf Prioritätsbereiche der Wirtschaft. Trotzdem, die staatlichen Banken behaupten, sich 2010 auf Firmen zu konzentrieren“, so die Conso.ro-Expertin.

Popa bemerkte, dass Banken es vorziehen, Kunden anzuziehen, indem sie Werbeaktionen durchführen und die Gebühren für Girokonten senken. „Geringere Gebühren, freie Verwaltung, billigere Transaktionen: sie alle sind Teil der Strategie der Banken, um die Ersparnisse von Firmen anzuziehen“.

Die Situation sieht schlecht aus für KMU, die Zugriff auf EU-Gelder erhalten möchten. Diejenigen, die Projekte den Behörden vorschlagen, müssen in manchen Fällen sechs bis sieben Monate warten, bevor sie herausfinden, ob sie ausgewählt wurden. Wenn sie es dann schaffen, die finanziellen Ressourcen für den Beginn des Projektes zu finden, müssen sie noch ein bis zwei Monate auf die Zahlung warten.

Das Finanzministerium und die zuständigen Behörden für Strukturfonds haben angefangen, sich regelmäßig zu treffen um Lösungen zu finden, wie man Gelder an Unternehmer geben kann, die von den EU-Programmen ausgewählt wurden. Doch scheint es, als würde wenigstens für die nächsten Monate keine Lösung gefunden werden.

Eine weitere Initiative der Kommunikation wird von den Banken erwartet und zielt auf Unternehmer ab: der Präsident des Nationalen Bankenverbandes, Radu Ghetea, versprach kürzlich bei einer öffentlichen Konferenz, eine Liste mit Prinzipien und Bedingungen zu veröffentlichen, denen Banken folgen müssen, wenn sie eine Kreditanfrage analysieren.