WHO: Jugendliche nutzen immer weniger Kondome
Ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Auftrag gegebener Bericht zeigt, dass Jugendliche beim Sex immer seltener Kondome benutzen. Dies gibt Anlass zur Sorge über die Risiken ungewollter Schwangerschaften und sexuell übertragbarer Infektionen (STI).
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt in einem Bericht fest, dass Jugendliche beim Sex immer seltener Kondome benutzen. Dies gibt Anlass zur Sorge über die Risiken ungewollter Schwangerschaften und sexuell übertragbarer Infektionen (STI).
Zwischen 2014 und 2022 sank der Anteil der sexuell aktiven Jugendlichen, die beim letzten Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzten, von 70 auf 61 Prozent bei Jungen und von 63 auf 57 Prozent bei Mädchen, heißt es in dem am Donnerstag (29. August) veröffentlichten Bericht.
Aus denselben Daten geht hervor, dass fast ein Drittel der Jugendlichen (30 Prozent) angab, weder ein Kondom noch eine Pille zur Empfängnisverhütung zu benutzen.
Nach Ansicht von Dr. Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, seien diese Zahlen zwar beunruhigend, aber nicht überraschend.
„Eine altersgerechte, umfassende Sexualaufklärung wird in vielen Staaten nach wie vor vernachlässigt und dort, wo es sie gibt, ist sie in den letzten Jahren zunehmend unter der falschen Prämisse angegriffen worden, dass sie sexuelles Verhalten fördere“, erklärte Kluge in einer Pressemitteilung.
Leitlinien für politische Entscheidungsträger
Der WHO-Bericht enthält mehrere Empfehlungen für politische Entscheidungsträger, Pädagogen und Gesundheitsfachkräfte mit dem Ziel, „junge Menschen zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Wissen auszustatten, was zu optimalen Gesundheitsergebnissen in Verbindung mit verantwortungsbewusstem Verhalten und verantwortungsvollen Entscheidungen führt.“
Mit anderen Worten sollten in jeder Schule Bildungsprogramme durchgeführt werden, die ein breites Spektrum an Themen abdecken, einschließlich einer umfassenden Sexualaufklärung.
„Bildung muss über die bloße Bereitstellung von Informationen hinausgehen“, sagte Dr. András Költő von der Universität Galway (Irland), Hauptautor des Berichts. Er schlägt vor, sichere Räume und Dienste für junge Menschen einzurichten, in denen sie alle Fragen im Zusammenhang mit intimen Beziehungen diskutieren können.
„Regierungen, Gesundheits- und Bildungsbehörden sowie zivilgesellschaftliche Organisationen sollten ihnen dabei helfen, wichtige Lebenskompetenzen zu entwickeln, darunter transparente, nicht wertende Kommunikation und Entscheidungsfindung“, fügte er hinzu.
Finanzielle und politische Unterstützung
Die WHO fügte hinzu, dass über die Aufklärung der Jugendlichen hinaus auch finanzielle und politische Unterstützung für die Entwicklung wirksamer Programme zur Aufklärung über sicheren Geschlechtsverkehr erforderlich sei.
Eine vom Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) des Europäischen Parlaments in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2022 unterstreicht ebenfalls die Notwendigkeit, in Lehrkräfte und Schulpersonal zu investieren.
Nach Ansicht des Ausschusses sollten die EU-Institutionen Mittel zur Förderung der sexuellen Aufklärung und zum Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten bereitstellen.
In Katalonien beispielsweise haben die Schulen ein Pilotprogramm zur sexuellen und emotionalen Bildung für alle Kinder zwischen drei und 15 Jahren eingeführt.
„Wir haben die Beweise, die Instrumente und die Strategien, um die Ergebnisse der sexuellen Gesundheit von Jugendlichen zu verbessern. Was wir jedoch brauchen, sind der politische Wille und die Ressourcen, um dies zu verwirklichen“, sagte Dr. Margreet de Looze von der Universität Utrecht, eine der Mitautorinnen des Berichts.
Anti-LGBT+-Propaganda
Der Sexualkundeunterricht ist in 19 EU-Staaten verpflichtend. In vielen Staaten wird er jedoch mit dem Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechterrollen zusammengefasst, teilte die Europäische Kommission mit.
Einige Mitgliedstaaten haben sich dagegen gewehrt, dass in den Schulen etwas über die LGBT+-Gemeinschaft gelehrt wird, was den Zugang zur sexuellen Aufklärung gefährdet.
Bulgarien ist der jüngste EU-Staat, der den Zugang junger Menschen zu Informationen dieser Art eingeschränkt hat. Das bulgarische Parlament stimmte am 7. August mit überwältigender Mehrheit für ein Verbot von sogenannter LGBT+-„Propaganda“ in Schulen.
[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neuber]