Wie der Klimawandel die bulgarische pinke Tomate bedroht

Die pinke Tomate, die erstmals vor über 125 Jahren im bulgarischen Dorf Kurtovo Konare angebaut wurde, verliert den Kampf gegen einen tödlichen Feind, die Miniermotte - und den Höfen gehen die Waffen aus, um sie zu bekämpfen. EURACTIV Bulgarien berichtet.

EURACTIV.bg
This article is part of our special report "Integrierte Schädlingsbekämpfung: Wo stehen die EU-Länder?"
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Die Raupe Tuta absoluta, die 100 Prozent der rosafarbenen Tomatenernte vernichten kann, trat in Bulgarien erstmals vor einigen Jahren auf. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/pink-tomatoe-large-very-fleshy-tomato-2061039791" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die pinke Tomate, die erstmals vor über 125 Jahren im bulgarischen Dorf Kurtovo Konare angebaut wurde, verliert den Kampf gegen einen tödlichen Feind, die Miniermotte – und den Höfen gehen die Waffen aus, um sie zu bekämpfen. EURACTIV Bulgarien berichtet.

Die Raupe Tuta absoluta, die die gesamte Ernte an Tomaten der Sorte „breitrunde Pinke“ vernichten kann, trat in Bulgarien erstmals vor einigen Jahren auf.

Grund sei die „nicht besonders strengen phytosanitären Kontrollen bei der unregulierten Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnissen“ gewesen, erklärte Desislava Dimitrova, Professorin am Institut für Biodiversität und Ökosystemforschung der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAS), gegenüber EURACTIV.

Als Koordinatorin von Slow Food für Bulgarien – einem gemeinnützigen Verein zur Bewahrung der traditionellen, kulinarischen und kulturellen Vielfalt – erklärte sie, Kurtovo Konare sei ein historischer Ort für die bulgarische Landwirtschaft, da hier die ersten pinken Tomaten angebaut wurden.

Das Leben der Menschen vor Ort seit Jahrzehnten fest mit dem Gemüseanbau verbunden. Vor mehr als 10 Jahren hat das Gemeindezentrum ein Paprika- und Tomatenfest ins Leben gerufen, das bis heute besteht.

Jetzt sind die Bauern von Kurtovo Konare Mitglied im Slow-Food-Netzwerk, da einige lokale Früchte- und Gemüsesorten in der Gegend gelagert und angebaut werden.

Die pinke Tomate von Kurtovo Konare hat eine sehr dünne Haut, die den Transport erschwert. Ihr Vorteil ist jedoch, dass sie sehr haltbar ist – sie kann mehr als 10 Tage überdauern, ohne zu verfaulen, und behält dabei ihren Geschmack.

Die Bemühungen, eine einheimische Kulturpflanze wie die pinke Tomate kommerziell zu vermarkten, waren zunächst erfolgreich.

„Das Interesse an ihr begann zu wachsen – weil sie schmackhafter ist, weil sie ein Produkt mit Geschichte und Identität ist. Die Leute kamen und suchten nach dieser speziellen rosa Tomate, sie erkannten sie auf dem Markt, die Anbauflächen nahmen zu, sie kam aus dem Garten und wurde zu einer Handelsware“, sagte Dimitrova.

Klimawandel schon jetzt ein Problem

Doch den Bemühungen, die Erntemenge weiter auszubauen, steht der Klimawandel im Weg.

Die steigenden Temperaturen haben dazu geführt, dass immer mehr Larven der Miniermotte den Winter überleben können, sodass die Population der Motten, die sich von den Tomaten ernähren, in Kurtovo Konare stetig wächst.

Außerdem haben die Niederschläge in der Region in den letzten Jahren stets im Juni ihren Höhepunkt erreicht, was für die Region untypisch ist. Die daraus resultierende Feuchtigkeit und Hitze führt dazu, dass sich Pilzerreger entwickeln.

„Nach den Regenfällen im Juni folgen Dürreperioden, was ebenfalls bedeutet, dass viel bewässert werden muss und der Anbau sehr arbeitsintensiv wird“, sagte die Landwirtin Emilia Shusharova aus Kurtovo Konare gegenüber EURACTIV. „Es wird zu einem immer schwierigeren und verzweifelteren Kampf, die authentische rosa Tomate zu erhalten, die nicht so resistent gegen den Klimawandel und Schädlinge ist.“

Gegenwärtig gibt es keine sicheren und wirksamen Pestizide für die Produktion der rosa Tomate. Folglich wird ihr Anbau für Landwirte schnell zu einer unrentablen Option.

Staatliche Unterstützung

Der staatliche bulgarische Agrarfonds unterstützt Landwirte, indem er ihre Kosten für Maßnahmen gegen die Miniermotte finanziert.

Für 2022 beträgt das Budget des entsprechenden Programms 256.000 Euro und steht Landwirten mit Gewächshäusern von mehr als 1.000 Quadratmetern zur Verfügung.

Die Ziele Bulgariens für die Reduzierung chemischer Pestizide sind die niedrigsten in den Mitgliedstaaten der EU und liegen bei 35 beziehungsweise 51 Prozent für gefährlichere Chemikalien.

Selbst diese niedrigen Ziele dürften bis 2030 nicht erreicht werden, warnte die stellvertretende Direktorin der bulgarischen Lebensmittelbehörde Olya Karadjova auf einem Forum in Plovdiv.

Auch die Bemühungen um den Einsatz des integrierten Pflanzenschutzes (IPM), einer Strategie zur Bekämpfung von Schädlingen durch verschiedene biologische Techniken, bei der Pestizide nur als letztes Mittel zum Einsatz kommen, gehen nur schleppend voran.

In Bulgarien gibt es keinen einzigen registrierten landwirtschaftlichen Erzeuger, der eine integrierte Produktion von Pflanzen und Pflanzenprodukten durchführt, sondern nur registrierte Berater.

Karadjova erwartet, dass die Umstellung der Produktion auf Praktiken des integrierten Pflanzenschutzes schwierig sein dürfte, denn „Unternehmen, die Pestizide verkaufen, sind die wichtigsten Berater der Landwirte, und dasselbe gilt für Unternehmen, die Bio-Agenten verkaufen.“

Alle Technologien und Innovationen, die bisher entwickelt wurden, seien für die Anwendung in der Intensivproduktion bestimmt. Was die Anwendung umweltfreundlicherer Technologien betrifft, so seien die wissenschaftlichen Entwicklungen partiell und nicht systematisch, erklärte sie.

Derzeit sind in Bulgarien nur sechs risikoarme Pflanzenschutzmittel zugelassen, erklärte das Landwirtschaftsministerium gegenüber EURACTIV.

Die Liste der biologischen Wirkstoffe wurde letztes Jahr aktualisiert und umfasst 69 Wirkstoffe, die für den Einsatz bei verschiedenen Kulturpflanzen zugelassen sind.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]