Wien Energie trifft keine Schuld an Beinahe-Pleite
Die Handelsaktivitäten von Wien Energie waren unproblematisch und die Rettung des Wiener Energieversorgers durch die österreichische Regierung aufgrund "extrem" unvorhersehbarer Entwicklungen gerechtfertigt und notwendig, wie unabhängige Prüfer:innen festgestellt haben.
Die Handelsaktivitäten von Wien Energie waren unproblematisch und die Rettung des Wiener Energieversorgers durch die österreichische Regierung aufgrund „extrem“ unvorhersehbarer Entwicklungen gerechtfertigt und notwendig, wie unabhängige Prüfer festgestellt haben.
Inmitten der anhaltenden Energiekrise wurde der Beinahe-Zusammenbruch von Wien Energie, das die Hauptstadt mit Strom, Gas und Fernwärme versorgt, von der Politik und der Öffentlichkeit auf falsches Management zurückgeführt.
Das Versorgungsunternehmen war in einen massiven Liquiditätsengpass geraten, nachdem die Vorauszahlungsverpflichtungen im Zusammenhang mit den Handelsaktivitäten in die Höhe geschnellt waren.
Ende August erklärte das Unternehmen, dass es Unterstützung in Milliardenhöhe benötige, was Bedenken über unüberlegte Marktspekulationen aufkommen ließ. Nun haben unabhängige Prüfer:innen jedoch festgestellt, dass das Unternehmen keine Schuld an seiner katastrophalen Lage trägt.
Die Prüfung war eine Voraussetzung für die von der österreichischen Regierung bereitgestellten Kredite in Höhe von 2 Milliarden Euro. Es gab keine Hinweise auf Spekulationen oder unzureichendes Risikomanagement, so die Prüfer:innen.
Die Marktoperationen des Unternehmens seien „alternativlos“ gewesen, da ansonsten eine übermäßige Anfälligkeit für Preisschocks gedroht hätte. Versorgungsunternehmen verkaufen ihre Produkte in der Regel Jahre im Voraus auf den so genannten Terminmärkten, um Planungssicherheit zu haben.
Im Unternehmen gebe es zahlreiche Kontrollen zur Risikosteuerung, so die Prüfer:innen. Wien Energie habe frühzeitig auf Preisentwicklungen am Markt reagiert. Letztlich sei der Liquiditätseffekt am 26. August trotz aller Maßnahmen weder vorhersehbar noch vermeidbar gewesen, so das Fazit der Prüfer:innen.
In ganz Europa geraten Versorgungsunternehmen, die Städte versorgen, in Schieflage. Wien Energie, einer der prominentesten Fälle, sollte den politischen Entscheidungsträger:innen eine Warnung sein. Deutschland beispielsweise versucht Energieunternehmen mit einem über 60 Milliarden Euro schweren Fonds zu.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]