Wirtschaftsweise: Harte Umschuldung unvermeidlich

Kurz vor dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zur griechischen Schuldenkrise hat sich die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro zu Wort gemeldet. Sie glaubt, dass eine harte Umschuldung nicht zu vermeiden sei.

Auch das zweite Hilfspakt für das hoch verschuldete Griechenland wird nach Auffassung der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro die Krise nicht beenden. Foto: dpa
Auch das zweite Hilfspakt für das hoch verschuldete Griechenland wird nach Auffassung der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro die Krise nicht beenden. Foto: dpa

Kurz vor dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zur griechischen Schuldenkrise hat sich die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro zu Wort gemeldet. Sie glaubt, dass eine harte Umschuldung nicht zu vermeiden sei.

In der Schuldenkrise Griechenlands wird nach Auffassung der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder di Mauro eine harte Umschuldung nicht zu vermeiden sein.

Griechenland werde nicht in der Lage sein, die notwendigen Überschüsse zu einem nachhaltigen Schuldenabbau zu erwirtschaften, erklärte di Mauro am Mittwoch in Brüssel. Derzeit sei ein Schuldenschnitt jedoch nicht möglich, da der europäische Bankensektor die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nicht verkraften könne. Zudem sperre sich die Europäische Zentralbank (EZB) gegen eine solche Lösung, die aber ohne die EZB nicht machbar sei.

Die jetzt geplante sanfte Umschuldung, bei der private Gläubiger freiwillig griechische Staatsanleihen im Portfolio behalten sollen, wird nach Ansicht di Mauros kaum einen nennenswerten Beitrag zur Entlastung Griechenlands einbringen.

Auch das zweite Hilfspakt für das hoch verschuldete Euro-Mitgliedsland werde die Krise nicht beenden. "Wir können noch einmal Zeit gewinnen, aber es wird das letzte Mal sein müssen", sagte di Mauro, die als Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Bundesregierung berät. Auch die Wirtschaftsweisen Lars Feld und Peter Bofinger sprachen sich bereits für eine Umschuldung aus.

Glaubwürdiger Bankenstresstest

Notwendig ist es nach Ansicht di Mauros, endlich Klarheit über den Zustand der Banken zu schaffen über einen glaubwürdigen Stresstest. Auf Basis dessen müssten zu schwache Banken rekapitalisiert werden. Die Wirtschaftsweise kritisierte, dass der zurzeit laufende Test unter Leitung der neuen Europäischen Bankenaufsicht nicht die Widerstandskraft der Banken gegen eine Staatspleite überprüfe.

Die Bankenaufsicht hatte bewusst dieses Szenario ausgeklammert, da sie befürchtete, an den Finanzmärkten Panik mit einer solchen Annahme auszulösen. Die Aufseher seien wegen der großen Unsicherheit über die Konsequenzen einer Umschuldung für den Bankensektor derzeit handlungsunfähig. "Das ist Teil der derzeitigen Zwangslage", sagte die Wirtschaftsprofessorin von der Universität Mainz.

EURACTIV/rtr/dto

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