Hildegard Müller: "Den EU-Binnenmarkt wachsam im Auge behalten"
BDEW-Kongress in BerlinDer Jahreskongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bringt heute und morgen in Berlin fast 1.500 Fachleute zusammen. EURACTIV.de ist Medienpartner. Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, schreibt, worum es bei dem Kongress geht.
BDEW-Kongress in BerlinDer Jahreskongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bringt heute und morgen in Berlin fast 1.500 Fachleute zusammen. EURACTIV.de ist Medienpartner. Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, schreibt, worum es bei dem Kongress geht.
Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass in Deutschland die Weichen für eine grundlegende Neuordnung des Energiemarktes gestellt worden sind: Vor über 5.000 Tagen wurde der Gas- und Strommarkt für alle Kunden geöffnet. Heute ist der Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt eine Selbstverständlichkeit und Motor neuer Entwicklungen – aus deutscher Sicht eine Erfolgsstory: Derzeit gibt es allein hierzulande rund 1.100 Stromanbieter und mehr als 800 Gasversorger.
Die deutschen Haushaltskunden können unter durchschnittlich 102 Stromanbietern auswählen, bei Gas sind es 37 Unternehmen. Die Verbraucher nutzen zunehmend die unterschiedlichen, auf individuelle Ansprüche zugeschnittenen Tarife der Energieunternehmen.
Neben dem Preis sind Klimaschutz, Verlässlichkeit, Service und Beratung Kriterien, die im Wettbewerb eine wichtige Rolle spielen. Und ein Blick auf den deutschen Stromerzeugungsmarkt zeigt, dass selbst die vielfach diskutierte Konzentration im europäischen Vergleich gering und überdies weiter rückläufig ist. Das bescheinigen regelmäßig europäische und deutsche Kartellbehörden.
Strom- und Gaspreise immer noch reglementiert
Für viele europäische Länder ist eine staatlich stark regulierte und gesteuerte Energiestruktur nach wie vor Realität; siehe etwa die starke Preisregulierung und die Marktabschottung in Frankreich. Leider werden die Strom- und Gaspreise in einigen EU-Mitgliedsländern noch immer durch staatlich verordnete Deckel reglementiert und so dem Markt entzogen.
Viele Staaten hinken bei der Liberalisierung hinterher – und das hat ernsthafte Konsequenzen, nicht nur für die Energiewirtschaft, sondern zunehmend auch für die im Wettbewerb stehende deutsche Industrie.
Der Weg zu einem einheitlichen europäischen Energie-Binnenmarkt ist noch mit viel Arbeit verbunden. Wenn die Politik bei dem bleibt, was sie vor 14 Jahren mit der Liberalisierung der Märkte für Strom und Gas angestoßen hat, stehen weitere Fragen an, die auf europäischer Ebene beantwortet werden müssen.
"Markt ist anfällig für Eingriffe"
Insbesondere die Förderung Erneuerbarer Energien werden wir langfristig europäisch denken müssen. Wenn ein deutsches EEG an Grenzen kommt, kann eine europäische Harmonisierung der Systeme neue Horizonte öffnen, für eine nachhaltige, kosteneffiziente und sichere Energieversorgung in ganz Europa. Ähnliches gilt zum Beispiel für den Netzausbau.
So erfolgreich die Liberalisierung des deutschen Energiemarktes bisher war, eines müssen wir für die europaweite Realisierung eines Binnenmarktes wachsam im Auge behalten: Markt ist anfällig für Eingriffe. Er braucht eine konsequente Politik und einen wettbewerblichen Rahmen. Deshalb beschäftigt sich auch der BDEW Kongress 2012 mit den wichtigen Themen Markt, Wettbewerb und Regulierung. Der BDEW freut sich auf anregende Diskussionen und einen konstruktiven Austausch.
Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Website: www.bdew.de.