"Die Zukunft meines Hofs steht in den Sternen"
Nachdem er seinen Hof in der Eifel 44 Jahre lang geführt hat, bereitet Alfred Begon sich darauf vor, den Staffelstab an seinen Sohn zu übergeben. Doch obwohl die Hofnachfolge damit gesichert ist, blick der Landwirt mit Sorge in die Zukunft.
Nachdem er seinen Hof in der Eifel 44 Jahre lang geführt hat, bereitet Alfred Begon sich darauf vor, den Staffelstab an seinen Sohn zu übergeben. Doch obwohl die Hofnachfolge damit gesichert ist, blickt der Landwirt mit Sorge in die Zukunft.
Ein Problem, mit dem viele Familienbetriebe konfrontiert sind, hat Alfred Begon nicht: Mit seinem Sohn Peter hat der Landwirt bereits einen Nachfolger gefunden, der den Hof nach seinem anstehenden Eintritt in den Ruhestand übernimmt.
“Die Entscheidung ist gefallen, als mein Sohn damals die Lehre angefangen hat und Bauer werden wollte – das ist jetzt 15 Jahre her”, erklärt Begon. Mittlerweile hat der 33-jährige seinen Meister als Landwirt und trifft wichtige Entscheidungen auf dem Betrieb gemeinsam mit seinem Vater.
Trotzdem steht aus Begons Sicht die Zukunft seines Hofs, der sowohl Ackerbau als auch Viehhaltung betreibt, auf dem Spiel.
Denn während der Betrieb aktuell neben einem Auszubildenden von zwei vollen Arbeitskräften – Sohn und Vater – bewirtschaftet wird, fällt letzterer nach der Hofübergabe weg. Die fehlende Arbeitskraft durch neue Mitarbeitende zu ersetzen, dürfte jedoch schwierig werden, erklärt Begon.
Zukunft ungewiss
Ob deshalb Sohn Peter den Hof in seiner aktuellen Form tatsächlich weiterführen kann, “steht in den Sternen”, so der Landwirt. “Das hängt davon ab, ob wir Leute finden, die passen.”
Seiner Ansicht nach ist die Landwirtschaft als Berufsfeld für junge Menschen nicht attraktiv genug. „Sie arbeiten fast Tag und Nacht und die Wertschätzung der Bevölkerung ist nicht da”, betont er.
Schuld daran trägt aus Begons Sicht auch die Politik, die die Landwirtschaft oft unverdient an den Pranger stelle.
Ein Beispiel ist aus Sicht des Landwirts die neue Düngeverordnung, mit dem die Bundesregierung die EU-Regeln zur Nitratbelastung im Grundwasser umsetzen will. Bisher überschreitet Deutschland hier regelmäßig die europäischen Grenzwerte.
Die neue Verordnung sieht nun weitreichende Einschränkungen bei der Düngung von Feldern vor – vor allem in sogenannten roten Gebieten mit besonders hohen Belastungswerten. In einem solchen Gebiet liegt auch Begons Hof.
Aus Sicht des Landwirts gehen die verschärften Regeln für Landwirte zu weit, während anderen Quellen der Nitratbelastung, beispielsweise Kläranlagen, keine Beachtung geschenkt werde.
Umweltmaßnahmen nicht umsetzbar
Begons Betrieb liegt in der Eifel, einer ländlichen Region in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Luxemburg, die von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägt ist. Der durchschnittliche Hof ist hier deutlich kleiner als im bundesdeutschen Mittel, und auch die einzelnen Parzellen, also Stücke von Ackerland, fallen deutlich kleiner aus als beispielsweise im Osten Deutschlands.
An diese kleinteilige Struktur seien jedoch viele gesetzliche Vorgaben nicht angepasst, meint der Landwirt.
So bietet die gemeinsame Agrarpolitik, das EU-Subventionsprogramm für die Landwirtschaft, über die sogenannten Öko-Regelungen Landwirt*innen zusätzliche Gelder, wenn sie bestimmte Maßnahmen im Sinne des Umwelt- oder Klimaschutzes umsetzen.
Zum Maßnahmenkatalog gehört beispielsweise das Anlegen von Blühstreifen, die Insekten und anderen Arten Lebensraum und Nahrung bieten. Doch um die Förderung zu erhalten, müssen diese mindestens 20 Meter breit sein – auf den kleinteiligen Flächen der Region ist dies aus Begons Sicht in der Regel nicht umsetzbar.
“Da geht einfach zu viel Fläche verloren”, betont er. Blühstreifen legt der Landwirt trotzdem bereits seit Jahren an – von der EU fördern lassen kann er diese angesichts der neuen Regeln aber nun nicht mehr.
Ernährungssicherung “nicht aus dem Blick verlieren”
Gleichzeitig könne es sich Europa nicht leisten, zu viele Ackerflächen aus der Produktion zu nehmen – schließlich dürfe man die Ernährungssicherheit nicht aus dem Blick verlieren.
Für den Landwirt haben die durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine verursachten oder verschärften Getreideengpässe in vielen Ländern gezeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Ernährung nicht auf Importe zu verlassen.
Deshalb sei es auch der falsche Weg, über Handelsabkommen beispielsweise mit den Mercosur-Ländern günstige Agrarprodukte auf den europäischen Markt zu lassen.
Nicht nur würden dadurch heimische Produzenten vom Markt verdrängt, Europa nehme damit auch anderen Teilen der Welt die Nahrung weg.
“Wir haben einen solchen Gunststandort in Europa, Deutschland, Frankreich – wir können uns mit Leichtigkeit selbst versorgen, und wir sind eigentlich auch verantwortlich dafür, in Zukunft die Welt mit Nahrungsmitteln zu versorgen”, betont er.
Dieser Artikel ist Teil einer EURACTIV-Interviewreihe mit Landwirt*innen aus verschiedenen EU-Ländern. Alle weiteren Interviews (in englischer Sprache) finden Sie hier.