Abhängigkeit der EU von chinesischen Rohstoffen: Vorbereitung auf das Worst-Case-Szenario

Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine wächst in der EU die Sorge vor einer Abhängigkeit von China, insbesondere im Bereich kritischer Rohstoffe. Nach Ansicht der Europaabgeordneten Hildegard Bentele sollte sich die EU auf die Möglichkeit eines chinesischen Angriffs auf Taiwan und mögliche darauf folgende Sanktionen und Lieferengpässe vorbereiten. 

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Europa ist bei vielen kritischen Rohstoffen, die für den Erfolg der grünen und digitalen Transformation entscheidend sind, stark von China abhängig. China deckt beispielsweise 86 Prozent der weltweiten Versorgung mit Seltenen Erden ab - ein wichtiges Element für Autobatterien.  [Evgeny_V/Shutterstock]

Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine wächst in der EU die Sorge vor einer Abhängigkeit von China, insbesondere im Bereich kritischer Rohstoffe. Nach Ansicht der Europaabgeordneten Hildegard Bentele sollte sich die EU auf die Möglichkeit eines chinesischen Angriffs auf Taiwan und mögliche darauf folgende Sanktionen und Lieferengpässe vorbereiten.

Europa ist bei vielen kritischen Rohstoffen, die für den Erfolg der Energiewende entscheidend sind, stark von China abhängig. China deckt beispielsweise 86 Prozent der weltweiten Versorgung mit Seltenen Erden ab – ein wichtiges Element für Autobatterien.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass China Taiwan angreifen könnte, und wir müssen uns auf diesen Moment vorbereiten“, sagte Bentele auf einer von EURACTIV organisierten Veranstaltung.

„Und wir müssen uns auf den Moment vorbereiten, in dem es zu Sanktionen oder Exportverboten kommen könnte, was wir bereits erlebt haben“, fügte sie hinzu.

Laut Bentele, die als Berichterstatterin für die europäische Strategie für kritische Rohstoffe fungierte, haben der Krieg in der Ukraine und die Versorgungsengpässe während der COVID-19-Pandemie einen Wandel in der Art und Weise ausgelöst, wie Risikobewertungen von Lieferketten auf EU-Ebene durchgeführt werden.

„Wir müssen vorsichtiger sein und mehr in die Zukunft blicken, nicht nur auf das nächste Jahr oder die nächsten zwei Jahre“, betonte Bentele.

Mit der Beschleunigung des ökologischen Wandels wird die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen laut Weltbank bis 2050 voraussichtlich um 500 Prozent in die Höhe schnellen. Die ökologische Wirtschaft gilt als besonders rohstoffintensiv.

„Wir bewegen uns weg von fossilen Brennstoffen hin zu einer rohstoffintensiven Welt“, sagte Titas Anuškevicius, Policy Officer für energieintensive Industrien bei der Europäischen Kommission, auf der EURACTIV-Veranstaltung.

„Wir werden viel mehr Windturbinen, viel mehr Solarpaneele und viel mehr Elektrofahrzeuge brauchen, für deren Herstellung alle Arten von Rohstoffen benötigt werden“, fügte er hinzu.

Im März will die EU ihren Critical Raw Material Act vorlegen, der die Abhängigkeit von nicht-demokratischen Staaten verringern und die europäische Autonomie stärken soll.

Die Möglichkeiten für den Abbau kritischer Rohstoffe sind jedoch begrenzt.

„Wir können die Geologie in Europa nicht verändern. Es gibt also vielleicht einige Rohstoffe, bei denen das Potenzial besteht, eine stärkere inländische Versorgung mit Primärrohstoffen zu gewährleisten“, betonte Mark Mistry, Senior Public Policy Manager am Nickel Institute.

Mistry schlug daher vor, verschiedene Anstrengungen zu kombinieren. Neben dem Bergbau und dem Recycling dürften auch Handelspartnerschaften eine entscheidende Rolle spielen.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Bereich, in dem die EU aufholen sollte.

China hat nicht nur eine Quasi-Monopolstellung bei der Gewinnung dieser Materialien, sondern auch bei der Raffination und Verarbeitung. Während beispielsweise nur etwa 9 Prozent des weltweiten Lithiums in China abgebaut werden, werden rund 60 Prozent dort veredelt.

Für Julia Poliscanova, Senior Director bei der Umweltorganisation Transport and Environment (T&E), sollte sich die EU daher besonders auf die Veredelung und Weiterverarbeitung kritischer Rohstoffe konzentrieren.

„China baut nicht alle seine Metalle selbst ab. Oft werden sie im Ausland abgebaut und zur Weiterverarbeitung nach China gebracht“, sagte Poliscanova.

„Und darauf sollte sich auch Europa konzentrieren. Wir sind keine Bergbau-Supermacht. Wir können nicht den ganzen Abbau übernehmen“, fügte sie hinzu.

Einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier von T&E zufolge könnte die EU mehr als die Hälfte ihres Lithiumbedarfs im eigenen Land veredeln, wenn sie die richtigen politischen Maßnahmen ergreift.

[Bearbeitet von Alice Taylor]