Ahnungslose Begeisterung: Europäer fordern mehr Entwicklungshilfe
Das Europäische Jahr der Entwicklung ist angelaufen: Laut einer Umfrage unterstützen die Europäer die EU-Entwicklungspolitik – wissen aber sehr wenig darüber. EURACTIV Frankreich berichtet.
Das Europäische Jahr der Entwicklung ist angelaufen: Laut einer Umfrage unterstützen die Europäer die EU-Entwicklungspolitik – wissen aber sehr wenig darüber. EURACTIV Frankreich berichtet.
Am 9. Januar fiel in der lettischen Hauptstadt Riga der Startschuss für das Europäische Jahr der Entwicklung. Entwicklungshilfe scheint eine Priorität für die EU zu sein. Dennoch wissen die EU-Bürger noch sehr wenig darüber.
Einer im Auftrag der Kommission von TNS Opinion ausgeführten Umfrage zufolge hatten 87 Prozent der Befragten vor der Umfrage noch nie vom Europäischen Jahr der Entwicklung gehört.
Große Ahnungslosigkeit
Die Studie zeigt, dass das Wissen der Europäer über die Entwicklungspolitik im besten Fall überschaubar ist.
Über die Ziele der Entwicklungshilfe ihrer eigenen Länder wissen die befragten Europäer sehr wenig. 46 Prozent wissen nicht, wohin die nationale Entwicklungshilfe geht. 49 Prozent gaben an, „ein wenig“ darüber zu wissen.
Frankreich gehört zu denen Ländern, in denen die Menschen am wenigsten über Entwicklungshilfe wissen. Zwei Drittel der befragten Franzosen gaben an, nicht zu wissen, wohin die Entwicklungshilfe fließt. 32 Prozent wissen nach eigener Aussage nur vereinzelt darüber.
Prinzipiell große Unterstützung
Trotz des mangelnden Wissens über die Entwicklungspolitik zeigen die Europäer eine starke Verbundenheit zum Thema Entwicklungspolitik.
Beinahe zwei Drittel aller Befragten (64 Prozent) glauben, dass die Bekämpfung der Armut in Entwicklungsländern eine der Top-Prioritäten der EU sein sollte.
Einige Mitgliedsstaaten der EU kämpfen derzeit mit finanziellen Problemen. Dennoch sind 52 Prozent der Befragten der Meinung, man müsse die Entwicklungshilfe auf das versprochene Niveau aufstocken. 15 Prozent fordern gar eine Erhöhung über das versprochene Maß hinaus.
Skeptische Franzosen
Einer großen Mehrheit der Franzosen ist es wichtig, Menschen in Entwicklungsländern zu helfen. 78 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Allerdings ist dieser Wert der Studie zufolge unter den sechs niedrigsten – und bedeutet ein Rückgang von neun Prozent im Vergleich zur letzten Studie. Auch die Zustimmung der Belgier und der Italiener ging seither um neun Prozent zurück. Insgesamt sagen 85 Prozent der Befragten, dass es wichtig ist, Menschen in Entwicklungsländern zu helfen.
Gesundheit an vorderster Stelle
Mehrere Bereiche zählen für die Befragten zu den dringlichsten Problemen für Entwicklungsländern. Das Thema Gesundheit steht für 39 Prozent der Befragten an vorderster Stelle. Frieden und Sicherheit folgen an zweiter Stelle mit 36 Prozent, gefolgt von Bildung mit 34 Prozent. Die Top-Prioritäten der Mitgliedsstaaten sind die Geschlechtergleichstellung und der Klimawandel. Das gilt nur für jeweils sechs Prozent der Befragten.