Airlines und Online-Shops nerven Verbraucher
Verbraucher haben sich 2010 besonders häufig über Ärgernisse bei europaweiten Online-Einkäufen beschwert. Im aktuellen Jahresbericht der Europäischen Verbraucherzentren fallen auch die Fluggesellschaften sehr negativ auf. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas fordert derweil einen europäischen Reiseplaner.
Verbraucher haben sich 2010 besonders häufig über Ärgernisse bei europaweiten Online-Einkäufen beschwert. Im aktuellen Jahresbericht der Europäischen Verbraucherzentren fallen auch die Fluggesellschaften sehr negativ auf. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas fordert derweil einen europäischen Reiseplaner.
Wo kann ich mich beschweren, wenn ich ein Produkt oder eine Dienstleistung von einem Anbieter aus einem anderen Land gekauft habe und mit Reparatur, Erstattung oder Service nicht zufrieden bin? Geeignete Anlaufstelle ist in diesen Fällen das Netz der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net), das heute ihren Jahresbericht 2010 vorgestellt hat.
Beim ECC-Net sind 2010 mehr als 71.000 Beschwerden und Informationsanfragen eingegangen. EU-weit entspricht das einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr (60.000 Beschwerden). Briten, Deutsche und Franzosen hatten den größten Gesprächsbedarf. Seit seiner Gründung 2005 haben sich 350.000 Verbraucher beim europäischen Verbrauchernetz gemeldet.
John Dalli, EU-Gesundheits- und Verbraucherkommissar, lobte das europäische Netzwerk: "Die Europäischen Verbraucherzentren sind ein gutes Beispiel für den Mehrwert, den die EU den europäischen Bürgerinnen und Bürgern bieten kann, denn keine einzelstaatliche Einrichtung ist in der Lage, den Verbrauchern bei Problemen auf dem EU-weiten Markt im Alleingang zu helfen."
Ärger bei Online-Einkäufen
Auch im vergangenen Jahr verursachten Einkäufe, die über das Internet abgewickelt wurden, den meisten Ärger. Mehr als die Hälfte der beim ECC-Net eingehenden Beschwerden (56,2 Prozent) betraf Online-Geschäfte. Damit ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr (55,9 Prozent) beinahe konstant geblieben.
Fluggesellschaften nerven die Verbraucher
Bei Dienstleistungen stehen die Verkehrsanbieter ganz oben auf der Beschwerdeliste – jede dritte Beschwerde entfiel auf Probleme bei Reisen mit Bahn, Flugzeug und anderen Verkehrsmitteln.
Rund 60 Prozent dieser Beschwerden richteten sich gegen Fluggesellschaften. Die europäischen Verbraucherschützer führen den großen Ärger über die Airlines teilweise auf den Ausbruch des isländischen Eyjafjalla-Vulkans Mitte April 2010 zurück. Seine Aschewolke brachte den europäischen Luftraum für Tage zum Erliegen und stellte die Fluggäste vor erhebliche Probleme bei der Umbuchung ihrer Flüge.
Zeit für einen europäischen Reiseplaner
Vor weitaus größere Probleme werden Verbraucher immer noch gestellt, wenn sie innerhalb Europas mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln reisen wollen (EURACTIV.de vom 6. Mai 2011). Bei einer Konferenz über Intelligente Verkehrssysteme (IVS) forderte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas heute die Industrie auf, einen europäischen Reiseplaner zu entwickeln, der alle Mitgliedsstaaten und Verkehrsmittel einschließt.
"Ich verstehe nicht, warum es ein solches Sammelsurium von Reiseplanern gibt, wo es doch eigentlich nur einen einzigen europäischen Markt gibt", so Kallas in Lyon. "Ich möchte quer durch Europa reisen und dabei Flugzeug, Eisenbahn und Schiff, städtischen Nahverkehr und Straßenverkehr miteinander kombinieren können, ich möchte eine solche Reise online planen und dafür ein einziges Beförderungsdokument online kaufen können." Die Technologie sei bereits vorhanden und müsse endlich eingesetzt werden.
mas
Links
Dokumente
The European Consumer Centres‘ Network: Annual Report 2010 (englisch)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
EU-Sammelklagen: Bundestag vs. Kommission (27. Mai 2011)
Mit einem Bahnticket quer durch Europa (6. Mai)
Verkehr und Mobilität für die Gesellschaft (19. April 2011)
Kallas: "Eisenbahnreform ist ein Politikum" (6. April 2011)
Europäische Verkehrsstrategie bis 2050 (29. März 2011)