Albanien: Studenten-Proteste gegen Anti-Auswanderungs-Gesetz
Albanische Medizinstudierende protestierten am Donnerstag vor dem Parlament gegen die Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes, mit dem die Massenabwanderung von Ärzten und Pflegepersonal gestoppt werden soll.
Albanische Medizinstudierende protestierten am Donnerstag vor dem Parlament gegen die Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes, mit dem die Massenabwanderung von Ärzten und Pflegepersonal gestoppt werden soll.
Abwanderung qualifizierter Mediziner hat in Albanien zu gravierenden Mängeln im ohnehin maroden Krankenhausnetz geführt.
Albanien hat die niedrigste Zahl von Ärzten und Krankenschwestern pro Kopf in Europa, wie Daten aus dem Jahr 2020 zeigen.
Im Jahr 2019 arbeiteten 18 Prozent des medizinischen Fachpersonals im Ausland, davon 765 albanische Ärzte in Deutschland – ein Anstieg von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtzahl der ausgewanderten Ärzte wird auf 3.000 geschätzt.
Zum Pflegepersonal sind keine Zahlen bekannt, aber nach Angaben des Ordens der Krankenpfleger gibt es mindestens 8.000 arbeitslose Pfleger, von denen viele eine Tätigkeit in der EU anstreben.
Die Regierung hatte als Antwort auf die Krise ein Gesetz vorgelegt, welches vorsieht, dass Medizinstudenten nach Abschluss ihres Studiums bis zu fünf Jahre in Albanien arbeiten müssen, bevor sie ins Ausland ziehen dürfen. Andernfalls müssen sie die vollen Kosten ihres Studiums tragen.
Im Falle des Verbleibs würden die Studierenden aber auch von sozialen Initiativen profitieren, welche sie zum Beispiel bei der Suche nach einer Unterkunft unterstützen sollen.
„Die in diesem Gesetzentwurf enthaltenen Bestimmungen wurden in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen des Landes zur Erfüllung dieses öffentlichen Interesses ausgearbeitet“, heißt es in dem Begleitschreiben zum Gesetzentwurf.
Das Gesetz wurde vom Parlament gebilligt und soll noch vor Beginn des neuen Studienjahres im Herbst in Kraft treten.
Eine Reihe von Studenten protestierten daraufhin vor dem Parlament, wo das Gesetz diskutiert wurde. Sie kündigten an, ihre Proteste nicht aufzugeben, bis die Regierung den Gesetzentwurf zurückziehe, und verlangten Antworten von den Abgeordneten, die für das Gesetz gestimmt hatten.
„Wir werden hier bleiben und jeden fragen, warum Sie für das Gesetz gestimmt haben. Wir werden hier bleiben, während wir uns in der Prüfungszeit befinden. Wir werden die Bücher mitnehmen und hier lernen. Wir werden eine Frist setzen und wenn wir bis dahin keine Antwort bekommen, werden wir uns beraten und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten“, erklärte ein Student.
Die Regierung bleibt jedoch dabei, dass das Gesetz erforderlich sei.
Anfang des Jahres sagte Premierminister Edi Rama, es sei notwendig, die Abwanderung von Fachkräften zu stoppen.
„Wir können nicht akzeptieren, dass ein Medizinstudent 1/16 der Studienkosten bezahlt und die Regierung den Rest übernimmt… und dann bekommt der Student sein Diplom und geht nach Deutschland oder anderswo hin“, sagte er.
Derzeit werden Studiengebühren an albanischen Universitäten massiv vom Staat subventioniert.
Seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1991 haben mindestens 1,4 Millionen Menschen Albanien verlassen. Von den derzeit 2,7 Millionen Einwohnern will mindestens die Hälfte nach Europa, in die USA oder nach Kanada auswandern.