Studie: Alle zwei Tage begeht ein französischer Bauer Selbstmord
Alle zwei Tage begeht ein französischer Landwirt Selbstmord. Gewerkschafter kritisieren, die Arbeit der Bauern werde nicht ausreichend gewürdigt.
Alle zwei Tage bringt sich ein französischer Landwirt um, so eine Studie der französischen Gesundheitsbehörde. Die Europäische Landwirtschaftsgewerkschaft erklärte in Reaktion darauf, diese alarmierende Situation müsse unverzüglich angegangen werden. Landwirte verdienen mehr Anerkennung, betonten die Gewerkschafter.
Die Umfrage von Santé Publique France (SPF) im Zeitraum 2010-2011 zeigt, dass die Selbstmordrate unter französischen Bauern 20 Prozent höher ist, als die der Allgemeinbevölkerung. Bei den Milcherzeugern liegt sie sogar 30 Prozent höher.
Der Studie zufolge begeht somit fast jeden zweiten Tag ein Landwirt Selbstmord. Besonders betroffen sind dabei Männer im Alter von 45 bis 54 Jahren.
Wie EURACTIVs Medienpartner Ouest-France kürzlich berichtete, zählen die Einkommen der Landwirte zu den niedrigsten im Land. Mehr als 30 Prozent der französischen Bauern würden aktuell lediglich 350 Euro pro Monat verdienen. Die SPF-Studie weist auch darauf hin, dass die höchste Zahl an Selbstmorden „in den Monaten beobachtet wurde, in denen die Milchpreise Tiefststände erreichten.“
Nicolas Deffontaines vom französischen Nationalen Institut für Agrarforschung (INRA) fügte mit Verweis auf eine Analyse aus dem Jahr 2017 hinzu, dass insbesondere die Zahl der Kleinbauern, die Selbstmord begehen, im Vergleich zu Großbauern deutlich höher sei.
„Die generelle Überrepräsentation der Landwirte bei den Selbstmordraten ist ein Phänomen, das wir seit mindestens vierzig Jahren gleichbleibend beobachten können,“ so Deffontaines weiter.
Höhere Kosten und extremes Wetter
In letzter Zeit sind die Einkommen der Landwirte in ganz Europa durch eine Reihe von Gründen erheblich beeinträchtigt worden. Diese reichen von Preisschwankungen über erhöhte Fixkosten bis hin zu extremen Wetterphänomenen.
Viele Analysten fordern daher, den Landwirten in der gesamten EU müsse mehr Unterstützung – nicht nur finanzieller Art – gewährt werden. Vor allem sollten diejenigen Bauern ermittelt werden, die mit Einsamkeit, emotionalen Problemen oder Erkrankungen zu kämpfen haben.
Die Europäische Kommission hatte derweil vorgeschlagen, den Haushalt der Gemeinsamen Agrarpolitik für die Zeit nach 2020 um etwa fünf Prozent zu kürzen. Dabei soll allerdings der Säule der Direktzahlungen Vorrang eingeräumt werden, um das Einkommen der Landwirte weiterhin zu sichern und gerade die Kleinbauern von Kürzungen der EU-Mittel unberührt zu lassen.
Landwirtschaftskommissar Phil Hogan erklärte in einem Interview mit EURACTIV Rumänien ebenfalls, seine Priorität sei es, „die Direktzahlungen, die eine notwendige Unterstützung für das Einkommen der Landwirte darstellen, so weit wie möglich zu sichern.“
Für die EU-Landwirte scheint diese Zusicherung allerdings nicht ausreichend zu sein: Sie haben insbesondere das Gefühl, dass mit steigenden Umweltschutzanforderungen immer mehr von ihnen verlangt wird, sie aber gleichzeitig keine Entschädigung für den Mehraufwand und die höheren Kosten erhalten.
Mehr Anerkennung
Pekka Pesonen, Generalsekretär der EU-Landwirtschaftsgewerkschaft sowie des Genossenschaftverbands Copa-Cogeca, erklärte, die jüngsten Entwicklungen in der französischen Landwirtschaft seien eine „ernstzunehmende Erinnerung“ an die Schwierigkeiten, denen Landwirte und ihre Familien grundsätzlich ausgesetzt seien.
„Die Unterstützung für Bauernfamilien wird geschätzt, aber sie gleicht die katastrophale Wirtschaftslage und die völlig ungerechtfertigten Angriffe auf die Landwirtschaft und das ländliche Leben, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, nicht aus,“ kritisierte er gegenüber EURACTIV.com.
Pesonen schloss: „Die französischen Landwirte verdienen – ebenso wie die Landwirte im Rest der EU – mehr Anerkennung für ihre harte Arbeit.“